Frohe Ostern! Wer’s glaubt!

Ostern: Schokoeier, bunte Eier, Sonne, Gartenglück, Familienpicknick,… Und war da noch was? Ach ja, Jesus ist auferstanden. Genau. Neue Hoffnung. Wäre schon schön. Pastor Wilfried Röcker mit guten Gedanken zum Osterfest.

Wochenspruch  – Off 1, 18

Psalmgebet – Ps 118, 14-24

Predigttext  – 1. Kor 15, (12-18) 19-28

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

0 Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Frohe Ostern! Wer’s glaubt! als Manuskript-Datei runterladen

Der Herr ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Mit diesem alten Bekenntnis beginnen heute am Ostersonntag viele Gottesdienste. Seit jeher versuchen Christen mit diesem Rede- und Antwortspiel das Geheimnis vom Ostermorgen nachzuempfinden. Mal freudig und voller Überzeugung, mal inmitten von Elend und Leid, zweifelnd und doch daran festhaltend.

 

Und ich? Wo stehe ich heute in der Reihe dieses Bekenntnisses, das von Generation zu Generation weitergegeben wird? Ich bin eher ein Thomas, den andere ertragen müssen. Und Jahr für Jahr höre ich die Argumentationsketten von Pastorenkolleg:innen oder Gemeindegliedern, die mir erklären, wie entscheidend wichtig doch eine Gewissheit über die Auferstehung Jesu von den Toten sei.

 

Gut gemeint. So gut gemeint, wie auch Paulus den Korinthern seine Argumentationslogik weitergibt. „Passt auf, dass ihr mit Eurem Bezweifeln nicht den ganzen Sinn unseres Christseins wegwerft.“ Davor warnt Paulus die Korinther eindringlich. Und wenn ich könnte, würde ich ihm gerne antworten und sagen: „Keine Sorge, Paulus, das ist überhaupt nicht in meiner Absicht.“

 

Aber kann man über etwas logisch argumentieren, für das es in unserem Erleben nichts gibt, mit dem man vergleichen könnte, was wir im Glauben bezeugen? Kann man über etwas sprechen, für was wir eigentlich keine Worte haben außer: „Der Herr ist auferstanden“?  Und ach: jetzt komm ich selbst ins Argumentieren und ganz schnell wird daraus ein Disput, der der Auferstehungshoffnung alles nimmt. Rechthaben ist wichtig. Hoffnung wird dabei im Keim erdrückt.

 

Vielleicht gefallen mir deshalb auch die Geschichten aus den Evangelien viel, viel besser als die Argumente in den Briefen. Paulus versucht wie ein Philosoph, logische Argumente zu sammeln, um zu verstehen, dass Christus auferstanden sein muss.

 

In den später geschriebenen Evangelien hat man Geschichten von der Begegnung mit dem Auferstandenen überliefert. Geschichten, die einem Bilderrahmen gleichen, um das auszudrücken, wofür es doch kein Bild gibt. Und die eine oder andere Geschichte passt vielleicht auch zu mir. Ich kann mich in sie hineindenken. Werde zu einer der Frauen, die früh das leere Grab finden. Oder zu einem aus dem verängstigten Jüngerkreis, denen Christus erscheint. Oder zu den beiden, die nach Emmaus gingen und sich danach fragten: „Brannte nicht unser Herz, als er mit uns sprach?“ Und ich kann mich auch in die schwere Zeit zwischen den überglücklichen Jüngern mit ihrem zweifelnden Thomas hineindenken, der mit keinem Argument zu überzeugen war.

 

Heute wird oft eine Bildsprache benutzt, um sich dem Geheimnis der Auferstehung zu nähern. Das wird zum Beispiel so beschrieben: „Aus der Zwiebel wird die Blume, aus dem Samenkorn ein Baum; in Kokons versteckte Hoffnung: Schmetterlinge frei im Raum. Und im Schnee und Eis des Winters träumt der Frühling seinen Traum, unentdeckt, bis seine Zeit kommt; Gott allein gibt ihm Raum.“ So hat es die Liederdichterin Ally Wakeley Sleeth aus den USA in den Achtzigern formuliert. Der Österreicher Lothar Pöll hat es Ende der neunziger ins deutsche übertragen. Seither werden diese Worte oft an Ostern gesungen.

 

Bekenntnisse, Argumente, Geschichten, Bilder – alles miteinander bleibt der Versuch, das zu veranschaulichen, was am Ende doch ein Geheimnis bleibt: das Leben siegt.  Der Tod wird überwunden. Und zwar nicht, weil irgendein schlauer Kopf das Rätsel der Unsterblichkeit gelöst hätte. Nein. Ich hoffe, dass Gott den Tod besiegt. Ich hoffe, dass Gott das Leben schenkt. Ich hoffe, dass ich mit meinem Leben und Sterben in Gott geborgen bin. Ich hoffe, dass er da ist, wenn ich alles loslassen muss: Die Menschen, die ich Liebe, das Leben im Scheitern und Gelingen, Pläne und Träume, die noch auf ihre Umsetzung warten. Alles werde ich loslassen müssen. Was bleibt?

 

„Glaube, Hoffnung, Liebe – diese drei. Doch am größten von ihnen ist die Liebe.“  (1. Kor. 13, 13) Das schreibt Paulus zwei Kapitel zuvor. „Danke Paulus“, würde ich ihm gerne antworten: „Du wolltest den Korinthern Mut machen. Glauben, hoffen, lieben. Das will ich auch. So will ich Ostern feiern: Glaube, Hoffnung, Liebe sollen von diesem Festtag ausgehen.“

 

Der Herr ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Beten wir miteinander. Legen wir unsere Zweifel und unsere Hoffnung in das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat.