radio m, Anja Kieser

Vorbilder bauen

Du – ein Tempel Gottes! Da gibt es ganz schön was zu bauen …. Pastor Markus Bauder baut mit.

Wochenspruch  – Jes 42,3

Psalmgebet – Ps 147, 1-6.11

Predigttext   – 1. Kor 3, 9-17

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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„Wisst Ihr nicht, dass Ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in Euch wohnt?“ Ich sehe Paulus förmlich vor mir, wie er den Kopf schüttelt und – fast fassungslos – feststellt, dass die Angeschriebenen gar nicht wissen, oder sich bewusst machen, wie wertvoll sie für Gott sind. Und wie wichtig und bedeutsam ihr Leben ist. Als Einzelne, als Menschen, aber eben auch als Gemeinde. Und er sich fragt, wie man etwas so Wertvolles so fahrlässig aufs Spiel setzen kann…

Ja, denke ich, da hat er wahrscheinlich recht. Auch bei mir. Mein Leben soll wertvoll und kostbar sein? Ich, ein Tempel des Heiligen Geistes? Oder unsere Gemeinde? Ich bin mir doch selten immer aller Konsequenzen bewusst, die mein Reden oder Verhalten anrichten könnte. Ich reagiere im Alltag häutig spontan – wie es mir mein Verstand oder meine Gefühle im Augenblick nahelegen. Und in unserer Gemeinde, da fallen mir auch nicht immer Stichworte wie „wertvoll“ oder „kostbar“ ein. Ich mache nicht immer den Schritt zurück, innerlich oder tatsächlich äußerlich, um nachzudenken und in Ruhe einen Überblick zu bekommen. Wie kann ich diesem Schatz, den Gott in mir sieht, einigermaßen gerecht werden.

Aber das können wir ja jetzt. In diesem kleinen Gottesdienst. Einen Schritt zurück machen und uns bewusst machen, was Paulus uns sagen will. Die Gemeinde in Korinth streitet und ist sich uneins. Welcher Prediger ist jetzt wichtiger, besser oder hat mehr recht? Paulus oder Apollos? Oder noch ein anderer? So wie man sich das als Gemeinde oder als Einzelner eben fragt. Am Küchentisch oder in der Sitzung. Oder noch konkreter, jemand kommt zu mir und sagt: „Darf man auf der Kanzel eigentlich sagen, dass…“ Und dann soll ich entscheiden, ob man jemand weiter predigen lassen sollte. Oder ich sitze zuhause und mache mir bewusst, dass die Gemeinde vermutlich meinen Kollegen, meine Kollegin lieber hört als mich.

Ganz normale Dinge eben. Wer hat recht? Wer ist besser?

Paulus sagt uns: Ihr stellt die falsche Frage. Es geht nicht ums Rechthaben. Es geht um Euch! Um jeden Einzelnen. Und um die Frage, ob Ihr als glaubende Menschen Euch bewusst seid, dass Gott Euch Euer Leben geschenkt hat, damit Raum sein kann für seinen Heiligen Geist. Für seine heilige Geistkraft. Darum geht es für Euch als Einzelne. Und für Euch als Gemeinde.

Ihr merkt vielleicht, dass ich immer betone „als Einzelne“ und „als Gemeinde“. Das ist in der Tat eine wichtige Sache. Es geht um mein, um dein Leben. Auf welche Weise Du Gott in Deinem Leben Raum gewährst ist wichtig. Welche Rolle spielt es für Dich, dass Du auch vor Gott das Richtige tust und sagst. Man könnte im Sinne Luthers oder auch John Wesleys sagen – wie weit Du also in der Heiligung bist. Auf dem Weg der Herzensbildung. Du sollst als Christ und Christin ja ein gutes, ein Gott wohlgefälliges Leben führen. Du sollst ein Raum der heiligen Geistkraft sein. Durch Dich soll die Liebe Gottes, seine Offenheit, seine Barmherzigkeit, seine Gerechtigkeit, seine Freundlichkeit sichtbar und erlebbar werden.

Aber es geht eben nicht nur um dich. Sondern um das, was wir als Gemeinschaft sind. Miteinander. Als Einzelne sind wir ja doch trotz allem ganz unterschiedlich. Und auch in unserem Glaubensleben sehr unterschiedlich. Was also strahlt die Gemeinde aus. Die Gemeinschaft als Ganzes? Ein Stück unabhängig vom einzelnen Menschen. Vielleicht auch durch besondere Regeln oder Verhaltensweisen. Durch die Art wie die Räume gestaltet sind. Ist sie eine Willkommensgemeinde, in der sich auch Menschen mit queerem Selbstverständnis willkommen fühlen dürfen? Strahlt sie etwas aus von Gottes Liebe? Ist sie ein Raum der Freiheit? Ein Raum des Geistes? Ein Raum der Barmherzigkeit Gottes?

Sie soll ein Raum, ein Bau sein, oder im Bild auch ein Ackerfeld, in dem andere Menschen Gott wahrnehmen und erleben. Gott als den, der er in Jesus Christus Mensch geworden ist. Gott als der, der Menschen aufrichtet, der sie ausrichtet, der sie liebt, der sie in die Welt schickt um die Welt zum Guten zu verändern.

Dabei denken wir heute systemisch. Anders als Paulus ist uns heute bewusst, dass jeder Einzelne das Ganze beeinflusst. Jede und jeder Einzelne ist gleichzeitig ein Tempel Gottes und gleichzeitig ein Akteur in diesem gemeinsamen Tempel. Jede und jeder ist Baumeister und gleichzeitig einer an dem gebaut wird.

Je nach unseren Aufgaben und dem Platz, den wir in einer Gemeinschaft haben, sind es natürlich unterschiedliche Verantwortungen und auch größere oder kleinere Wirkungen, die wir auf das Ganze haben, aber letztlich ist niemand, der dabei ist, wirklich außen vor. Jede und jeder hat eine Wirkung auf das Ganze.

Natürlich hat der, der eine Predigt hält, vermutlich eine größere Wirkung auf das Ganze, aber wir sollten nicht unterschätzen, was meine eigene kleine Laune, Freude oder der Ärger, der sich auf meinem Gesicht zeigt, für eine Auswirkung auf die Stimmung im Raum hat.

Und damit nimmt Paulus letztlich uns alle in die Pflicht. Du bist ein Tempel Gottes in dem Gottes Geisteskraft zur Wirkung, zur Geltung kommen soll. Das geschieht und wächst durch alles, was in der Gemeinschaft und in Deinem eigenen Leben geschieht. Durch das, was Du tust und sagst genauso wie durch das, was andere tun uns sagen.

Jede und jeder ist in der Verantwortung, seinen Beitrag für das Ganze einzubringen.

Und dazu lade ich mich und Dich ein. Nicht nur über das, was andere möglicherweise hätten besser machen können zu schimpfen oder darüber zu jammern, dass Predigerin X oder Musiker Y nicht gut genug ist, sondern den je eigenen Beitrag für das Ganze in den Blick zu nehmen.

Am Ende ist nicht wichtig, was wir über jemand anderen denken, sondern auf welche Weise unser eigenes Leben ein Raum des heiligen Geistes geworden ist. Ein Ort, an dem Gott und das, was ihm wichtig ist, zur Wirkung kam. Und dazu segne uns alle Gott.

Ich möchte beten.