Er sieht die Tränen
Ein Blick in die Welt – und es ist zum Heulen. Leid, Not, Krieg. Was soll das alles? Und wie komme ich damit zurecht, wenn es mich selbst trifft?
Ein Blick in die Welt – und es ist zum Heulen. Leid, Not, Krieg. Was soll das alles? Und wie komme ich damit zurecht, wenn es mich selbst trifft?
Ich glaube, ich habe noch nie so viele Menschen weinen gesehen wie zurzeit. Keine Nachrichten ohne Menschen, die um ihre Angehörigen, ihre zerstörten Wohnungen, ihre verlorene Heimat weinen. Und auch direkt vor mir, wenn ich mit älteren Leuten spreche, die selbst vielleicht noch den 2. Weltkrieg erlebt haben, dann haben sie Tränen in den Augen. Sie erkennen in den ukrainischen Kindern sich selbst wieder. Damals in den Trümmern mit überforderten Müttern und toten Vätern. Ja, es ist zum Heulen und zum in den Himmel schreien! Warum nicht tun? Gott im Himmel, was soll dieser ganze Krieg? Dieses menschengemachte Elend? All die Not? All das Leid? Und wenn es dann rausgeschrien ist, vielleicht darf ich dann auch hören, was ein anderer einmal gehört hat. Nämlich, dass Gott zu ihm sagt: „Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Ich will dich gesund machen.“ (2. Könige 20,5) Was das bedeuten kann, wenn ich nichts mehr habe als nur noch ein Gebet und Tränen, das kann ich nur ahnen. Vielleicht eine neue Gewissheit, dass es für mich in all dem Leid doch einen Weg gibt, den ich gehen kann. Auf dem ich mich wiederfinde. Der mir gut tut, meine Seele zur Ruhe kommen lässt und mir hilft, irgendwann mal wieder Freude zu empfinden. Ich will daran glauben, dass Gott die Tränen sieht und weiterhilft.
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Ich habe mich damals gefragt, warum in den 4 Evangelien, der Abschnitt von Jesus Gefangennahme bis Auferstehung so viel Raum einnimmt. Das Thema «Leid anschauen» und «Leid erleiden müssen» bekommt da einen grossen Raum. Es gibt sicher mehrere gute Antworten, warum das so ist, aber gut an unserer Religion ist: Leid wird behandelt und nach Leid gibt es eine Lösung.
Leid das man selbst erfährt, liegt viel schwerer in der Waagschale als anderes Leid. Super, was Jesus da zugelassen hat.
Aus der Sicht Gottes baut es eine riesen Spannung auf: Soll ich meinen Sohn leiden lassen?