Halt statt Hölle

Der Glaube ist kein Geschäftsmodell, hat sich Martin Luther gesagt und auf den Putz gehauen. Oder an eine Kirchentür. Das könnte uns auch heute helfen.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Joachim S.
    Joachim S. aus der Schweiz sagte:

    Als ich mal die 95 Thesen von Luther gelesen habe, bekam ich einen Schock. Die ersten 10 Thesen, waren so speziell zu den Missständen formuliert, dass ich dachte: Das kann doch kein allgemeingültiges Thesenpapier sein.
    Ich hätte so Thesen aufgestellt: 1) Gott ist ein Gott der Barmherzigkeit und der Liebe, als einigermassen rechtschaffender Mensch brauchst Du keine Angst vor ihm haben. 2) Wenn Du Schuld auf Dich geladen hast und Dich nicht als rechtschaffend einstufst, so kannst Du Dich an Jesus wenden und das Schuldproblem lösen. 3) Heiliger Geist 4) Dreieinigkeit 5) Gotteswelt und Engelswelt 6) Bedeutung der Kirche usw.
    Nein. Leider nicht. Die Thesen sind anders geschrieben. Sie beziehen sich auf lauter Kacke, die sich damals untergemischt hat und für die wir heute nicht einmal mehr ein Gespür haben, was da falsch gelaufen ist.
    Ähnlich ist es auch in der Bibel vorhanden: Matth23,16-22: Das lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Die Leute stritten sich z.B., ob es gültig ist, auf das Gold im Tempel oder auf den ganzen Tempel zu schwören. Selbst diese Kultur des «Schwörens» ist uns nicht mal mehr geläufig.
    So ändern sich die Zeiten und sie dürfen sich auch ändern, wie es scheint.
    Wir dürfen auf die Ereignisse im Iran anders reagieren. Christliche Frauen dürfen sich auch die Haare abschneiden aus Solidarität gegenüber allen, die mit Kopfschüssen bei vielen Demonstrationen bestraft werden. Das nur als Beispiel. Die Gegenwehr zur Anfangszeit der Reformation war auch sehr spezifisch, das wollte ich damit sagen/bzw. schreiben.
    Ich schreibe evtl. zu viel hier rein, aber das ist eben meine Wittenberger Schlosskirche im übertragenen Sinn.

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Reformationstag sagt der Kalender heute, ist in manchen Bundesländern sogar Feiertag, keine ganz schlechte Idee. Weil damals, 1517, Martin Luther dagegen zu Felde gezogen ist, dass die Kirche Glaube zu einem Geschäftsmodell gemacht hatte. Dabei hatte er, als das Leben ihm den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, beim Bibellesen entdeckt: Dieser Gott will Halt geben, will uns frei sehen und uns lieben. Glaube statt Geschäftsmodell, Halt statt Hölle. Und damit kann der Reformationstag heute, glaube ich, auch für ein Gewinn sein, die mit Gott und Kirche erstmal nichts am Hut haben: Weil die Frage ja trotzdem da ist: Woran glaube ich? Was gibt mir Halt? Und tut es das wirklich? Auch wenn Kriege und Krisen mein Leben ins Wanken bringen? Weil sich erst dann zeigt, ob mein Halt wirklich hält. Für Reformationsluther war es der Gott der Bibel. Das war sein Vorschlag.