Ich spring da drüber
Auch mit 50 springt es sich nicht mehr so leicht. Leider. Und wahrscheinlich wird es auch nicht besser. Oder doch?
Auch mit 50 springt es sich nicht mehr so leicht. Leider. Und wahrscheinlich wird es auch nicht besser. Oder doch?
Ins Ballett zu gehen, macht mich fertig. Wenn ich die Tänzerinnen sehe, bin ich einerseits fasziniert von so viel Anmut, Perfektion und Sprunggewalt, andererseits wird mir meine eigene Unbeweglichkeit schmerzlich bewusst. Wie gerne würde ich mich so bewegen, gar durch die Gegend springen können? Bei „springen“ fällt mir dann auch immer gleich ein Vers aus der Bibel ein, der mein Kopfkino in Gang setzt. Da heißt es: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ Ja, wenn das mal so einfach wäre. Aber es ist ja auch nur ein Bild. Ich muss nicht plötzlich wie eine Tänzerin vom Boden abheben und federleicht über alles springen, was sich mir in den Weg stellt. Wichtig schien dem Beter des Bibelverses eher, dass meine Möglichkeiten mit Gott an meiner Seite einfach andere sind. Mit Gott ist mehr drin. Vielleicht springe ich auch nicht gleich über hohe Mauern, sondern erstmal nur über kleine Erhöhungen. Oder es geht mir so, wie es die christliche Autorin Andrea Schwarz mal formuliert hat: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern, und wenn ich mich Zentimeter um Zentimeter darüberkämpfen muss.“ Zur Balletttänzerin werde ich wohl nicht mehr, aber von Gott bekomme ich Sprungkraft geschenkt.
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