Nette Nächstenliebe
Schön klingt sie, die Nächstenliebe. Aber so nützt sie nichts, aufs Tun kommt es an, sonst bleibt sie schöner Schein.
Schön klingt sie, die Nächstenliebe. Aber so nützt sie nichts, aufs Tun kommt es an, sonst bleibt sie schöner Schein.
Sie klingt so schön, so nett und so moralisch supergut: die Nächstenliebe. Sind Kirche und Christen ja gerne ganz vorne mit dabei und so ganz allgemein klingt‘s auch hübsch. Und weit weg, ist so’n Wort. Macht die Bibel anders: Sie sagt, wer Nächstenliebe und Fürsorge braucht: Witwen, Waise, Fremde waren das damals. Menschen, denen es am Alltagsnötigen fehlte, ganz egal, warum. Sie brauchten Hilfe, sie konnten sich nicht selbst über Wasser halten, kannten niemanden, an den sie sich unkompliziert und freundschaftlich wenden konnten – also helft denen! Wer das mit der Nächstenliebe so vorbildlich findet, kann es heute exakt so machen: Fragen, „wer braucht hier heute bei mir Hilfe?“ Und dann nicht fragen, „ist da nicht eine Behörde zuständig?“, sondern, „was kann ich tun, das dem anderen hilft?“. Essen, Zeit, Kleidung, Begleitung beim Behördengang, was auch immer. Ich delegiere nicht, ich mache. Um des anderen willen. Damit Nächstenliebe kein nettes Wort bleibt. Denn am Ende zählen Taten.
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Ich machte mal intensiv bei der Arbeit für Flüchtlinge aus den nah-ost-Ländern mit. Dabei war ich in einer Hilfsorganisation, die man nach jahrelangem Betrachten als links orientiert aber als rechts beobachtet unterwandert einstufen darf.
Ich lernte viele Helfer kennen und hatte meine eigene Theorie bezüglich der Motivation der Helfer. Mein Denkansatz war: Helfer wollen in der Hilfsorganisation dort andere interessante Helfer-Typen erleben.
Das aber nur als Vorgeschichte, zu dem was ich eigentlich sagen will:
Es gab dort eine Helferin, die einen Flüchtling in ihrer Wohnung wohnen lies. Ich war mehrfach eingeladen in dieser Wohnung: Ich staunte, mit wie wenig Wohnraum Sie für sich selbst und mit wie wenig Gegenständen Sie für sich selbst auskam und wie cool sie mit all dem umging. Es hatte nichts mit sexuellen Möglichkeiten zu tun, es war wirklich echte Hilfe dieser Frau, die einfach direkt und ohne Umschweife teilte, was Sie hatte. Und wenn sie Liebe gemacht haben zwischen drin und unverbindlich, ist mir das auch egal.
Diese Aufforderung zum «Nächstenliebe üben» klingt übrigens auch wie «Liebe machen».