Fußballverein?!

Der Unterschied macht’s. Nur welcher? Wir machen uns auf die Spur, wo Gott einen Unterschied macht und wir es ihm gleichtun sollen.

Wochenspruch – Joh 1, 16

Psalmgebet – Ps 105, 1-8

Predigttext –Röm 12, 9-16

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Als ich das erste Mal als junger Mann in eine Gemeinde gekommen bin, hat mich ein älterer Mann gefragt, ob ich denn wisse, was der Unterschied zwischen einer Kirchengemeinde und einem Fußballverein sei. Ich habe mit den Schultern gezuckt.

Da erklärte er mir: “Bei einem Fußballverein, da teilst Du auch Dein Hobby, vielleicht sogar Dein Leben mit anderen, wie in einer Kirchengemeinde auch, aber der große Unterschied ist, dass in einem Fußballverein nicht so liebevoll miteinander umgegangen wird. Es wird übereinander getratscht, jeder interessiert sich oft nur für sich. So ist es in einer Gemeinde nicht.“

Das hat mir gefallen und ich habe es auch sehr plausibel gefunden. Doch leider muss ich sagen: Ich erlebte und erlebe es etwas anders. Um im Beispiel des älteren Herrn zu bleiben, häufig erlebe ich Gemeinde als Fußballverein und nicht als Gemeinde.

 

Denn auch in Gemeinden erlebe ich Lieblosigkeit, Neid, Missgunst, falschen Stolz, harte Worte und so manches mehr – ich selbst nehme mich da nicht aus.  Natürlich erlebe ich auch liebevolles Miteinander, aber es gibt eben in Gemeinden beides, musste ich feststellen.  Meine ganz persönliche Wahrnehmung.

 

Von daher – Gemeinden sind wohl Fußballvereinen manchmal im Verhalten gar nicht so unähnlich. Selbstverständlich ist das jetzt eine sehr pauschale Aussage und sie trifft sicher nicht auf jede Gemeinde zu. Und auch nicht auf jeden Fußballverein.

 

Paulus, von dem wir gerade hörten, schreibt jedoch in seinem Brief an die Gemeinde in Rom, etwas anderes.

 

Er schreibt:

 

„Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.“

 

Ein schönes Bild.

 

Paulus versucht in diesem Kapitel des Römerbriefs Grundlagen zu schaffen, wie Menschen, die im Glauben unterwegs sind, miteinander umzugehen haben und sollten.

Und zwar nicht aus Gründen des moralisch erhobenen Zeigefingers. Nein, sondern weil die Liebe, die Gott in jeden hineingelegt hat, nach außen wirkt.  Wir sind seine Kinder. Wir tragen mit unserem Verhalten seine Liebe nach außen. Selbstverständlich dürfen wir authentisch und ehrlich sein, aber in unserem Leben und in unserem Tun soll sich Gottes Liebe zeigen, die uns durch ihn zuteil wird.

 

Klingt sehr pastoral. Und ja, diese Worte haben mit der Lebenswirklichkeit, in der wir leben, oftmals nicht ganz so viel zu tun.

Paulus hat natürlich recht. So müsste es sein und die meisten Menschen in einer Gemeinde würden das so unterschreiben.

 

Aber das Wollen und das tatsächliche Tun, das fällt dann doch auseinander. Die Theorie ist leichter als die Praxis.

Doch ich will das so nicht stehen und gelten lassen. Ich glaube, Christinnen und Christen tun gut daran, Paulus Worte zu verinnerlichen und zunächst einmal über sich selbst nachzudenken. Sich zu reflektieren. Darüber nachzudenken, wie gehe ich mit anderen Menschen um, im Alltag und in der Gemeinde.

Wo sind denn meine Punkte, die mich wütend machen, oder die mich ärgerlich werden lassen und warum ist das so?

Was kann ich, Dominic, von anderen Menschen ertragen und was nicht?

Warum fällt mir dies oder jenes so schwer?

 

Diese Überlegungen helfen mir zu verstehen, warum ich in dieser oder jener Situation so reagiere, wie ich eben regiere. So reagiere, wie Paulus es eben nicht in seiner Anleitung zum Umgang miteinander beschreibt.

 

Meist basiert eine Abneigung gegenüber Personen oder deren Verhaltensweisen ja auf Erlebnissen, die in der Biografie des einzelnen liegen, auf Verletzungen. Das ist auch bei Menschen so, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen. Jeder trägt seine ganz eigene Geschichte mit sich herum.  Das lässt sich nicht einfach ausblenden.

 

Und oftmals sind es gerade die versteckten Verletzungen, die dann Personen, auch in Gemeinden, aufgrund ihres Verhaltens in einem hervorrufen. Da werden Wunden aufgerissen, die nicht verheilt waren.

 

Wenn ich erstmal die Situationen oder Verhaltensweisen aufgespürt habe, die mich verletzen und eben dann auch sehr unchristlich reagieren lassen, dann habe ich zwei Möglichkeiten mich zu verhalten:

 

Als Vorstufe, kann ich, da ich ja nun weiß, warum mich diese Person oder auch ihr Verhalten so furchtbar ärgert, versuchen, sie so anzunehmen wie sie ist, denn ich weiß ja, was sie aus meiner Vergangenheit mit ihrem Verhalten unbeabsichtigt auslöst.

 

Dann wiederum habe ich entweder die Möglichkeit nicht so zu reagieren wie Paulus es vorschlägt, sprich gleich in die Gegenwehr und Ablehnung zu verfallen oder aber, ich bin mir bewusst woher meine Verärgerung rührt, versuche Worte zu finden und erkläre es der anderen Person.

 

Das wäre authentisch und ehrlich. Zu sagen: „Du hör mal zu, mich ärgert dein Verhalten weil …. Und ich habe wirklich Schwierigkeiten, wie du mit mir in dieser Art umgehst.“

 

Sicherlich, solch eine Reaktion erfordert Mut. Ich setze mich mit so einer Antwort auch ein Stück dem anderen aus und mache mich verletzlich.

 

Auf der anderen Seite, darf ich Gott, um Mut bitten. Sein Heiliger Geist, die Verbindung zu ihm, kann mir den Mut geben, den ich in so einer Situation brauche.

 

Ich kann morgen darum beten, dass Gott mir die Kraft schenkt in diesen Situationen souveräner und offener zu reagieren.

 

Und auch wenn dies vielleicht am Anfang unangenehm sein mag, werde ich merken, dass sich solche Situationen durch mein neues, anderes Verhalten verringern werden.

 

Denn auch mein Gegenüber wird sich durch mein Verhalten ändern.

 

Der andere sieht bei mir ein anderes Verhalten und wird dadurch auch seines überdenken. Im besten Fall sogar ändern. So kann sich eine neue Kultur des Umgangs miteinander etablieren.

 

Wenn Paulus schreibt:

16 „Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.“

 

Dann beschreibt Paulus den Idealzustand einer Gemeinde. Er geht sicher nicht davon aus, dass dies von Anfang an so ist.

 

Was Paulus aber ganz gewiss meint – und das spiegelt sich in all seinen Briefen wider – ist, dass er überzeugt davon ist, dass der Heilige Geist den Menschen in der Gemeinde die Kraft schenken kann und wird, sich zu verändern. Sie müssen es aber auch wollen.

 

Ich lade uns ein, das Beispiel des älteren Herrn aus meiner Anfangserzählung ernst zu nehmen. Gemeinde sein, bedeutet nicht ein Fußballverein zu sein.

Gemeinde sein bedeutet:  Im gemeinsamen Sinne, respektvoll und liebevoll miteinander durchs Leben zu gehen.

Das kann nur gelingen, wenn wir uns bewusst werden, warum wir als Einzelne so sind wie wir sind, wenn wir uns verletzbar machen und gleichermaßen den Heiligen Geist im Gebet einladen, uns zu verändern.

 

Und dann wird aus einem Fußballverein auch eine Kirchengemeinde.