Gemeinsam statt einsam

Advents- und Weihnachtszeit. Das ist auch Besuchszeit. Freunde und Freundinnen treffen sich, die Familie oder die Nachbarschaft besucht sich. Vielleicht sind unter den Besuchern Menschen, die Ihnen besonders nahestehen. Über eine besondere Begegnung geht es heute auch bei uns. Impulsgeberin ist Dorothee Burkhardt.

Wochenpsalm – Phil 4, 4.5b

Psalmgebet – Ps 102, 13-14.16-18.20-23

Predigttext – Lk 1,(26-38)39-56

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Wie gerne höre und lese ich diese Geschichte! Die Geschichte einer Frauenfreundschaft!

Da begegnen sich zwei Frauen, herzlich, ehrlich, voller Zuneigung. Beide überrascht von einer Schwangerschaft.

Maria mit ihren grade mal 13 Jahren bereits verlobt, erwartet ein ungeplantes Kind. So hat es der Engel gesagt. Und dieses Kind solle sogar der „Sohn Gottes“ sein.

Wenn man da nicht ins Schleudern kommt als junges Mädchen! Doch: Für Maria klang dieser Engel vertrauenswürdig. So hatte sie den Mut, sich auf diesen göttlichen Auftrag einzulassen.

Aber allein bleiben kann man mit so einer Nachricht nicht!

„Das muss ich unbedingt mit Elisabeth besprechen. Sie soll auch ein Baby bekommen? Dabei ist sie doch unfruchtbar und schon alt. 30 Jahre!“

Maria ist in so einem Ausnahmezustand, dass sie sich schnell auf den Weg macht. 4 Tage lang wandert sie über Berg und Tal zu Elisabeth, ihrer Verwandten und Freundin, das ist es Maria wert.

Dann fallen sich die beiden Freundinnen in die Arme. Wie gut das tut! Und der Geist Gottes ist auch schon da.  Er ist es durch den Elisabeth erkennt, welche Rolle Gott Maria und ihrem Kind zugeteilt hat.

Ja, es ist gut, hier zu sein. Für Maria ist es gut und für Elisabeth auch:

Sich alles von der Seele reden zu können, von dem Unglaublichen zu sprechen.

Sorgen teilen können.

Den Fragen nachgehen können, wie: Wie wird Marias Verlobter reagieren? Was heißt das, für das Kind von Maria, dass es als als König regieren werde? Wie kann das gehen, wo Maria selbst doch aus einer einfachen Familie kommt? Wann wird Elisabeths verstummter Mann wieder sprechen können?

Und die beiden Frauen können ihre Freude teilen:

Elisabeth hat gelitten unter ihrer Unfruchtbarkeit. Sie war gesellschaftlich ausgeschlossen. Jetzt wird sie als Mutter nicht mehr belächelt und ausgegrenzt werden.

Und Maria wird von Elisabeth gesegnet, weil sie begreift wie wichtig die Geburt von Marias Kind sein wird. Die erfahrene, reife Elisabeth segnet die junge Freundin.

Da geschieht es. Da rutschen die Sorgen von Maria vom Kopf ins Herz und werden zur Freude.

Ja, diese Freude sprudelt geradezu aus Maria heraus in einem Schwall aus Jubel und Dankbarkeit.

Gott kann sie gebrauchen für seinen Plan, selbst als Kind in diese Welt zu kommen.

Um die Werte der Welt umzukehren, um einzustehen für die Unbedeutenden, Schwachen und Armen,

um die Überheblichen, Reichen und Mächtigen mächtig in ihre Grenzen zu verweisen.

Erstaunlich, was diese junge Frau in ihrer Lobesrede erkennt und benennt!

Zwei Frauen teilen Glaube und Hoffnung miteinander, lassen Gott in sich wirken.

Beide, Maria und Elisabeth, wissen noch nicht, dass sie eine weitere Gemeinsamkeit haben werden, denn ihre beiden Söhne, Johannes der Täufer und Jesus, werden gewaltsam sterben müssen.

Doch jetzt müssen sie ihnen erst einmal ins Leben helfen mit ihrer Schwangerschaft.

Ja, es tut gut, jemanden an seiner Seite zu haben. Durch das gegenseitige Vertrauen und das Vertrauen in Gott ist es möglich, den ungewissen Lebensweg ein Stück gemeinsam weiterzugehen.

Pater Anselm Grün sagt: In jeder Begegnung geht es darum, im anderen das Geheimnis Christi zu entdecken, denn jeder trägt Christus in sich. Wir müssen dazu vielleicht über Berge der Hemmungen und Vorurteile steigen, um zum anderen zu kommen, meint er.

Wäre es nicht schön, gemeinsam Herausforderungen zu meistern, wie Maria und Elisabeth, damit Gott in dieser Welt lebendig wird?

Ich unterstütze eine Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, schwangeren Frauen in Not zu helfen. Über email-Kontakte können sich die Frauen dort mit Menschen unterhalten, die ein offenes Ohr für sie haben, keine Vorurteile, ehrlich bemüht sind, miteinander Lösungen für die ausweglos empfundene Lebenssituation zu finden. Es bleibt dabei nicht nur beim Reden, auch ganz konkrete materielle Hilfe wird angeboten. Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass dadurch Frauen in Not Hilfe gefunden haben, so dass sie sich für das Leben des ungeborenen Kindes entscheiden konnten. Menschen brauchen andere Menschen an ihrer Seite. Gerade in schwierigen Situationen. Aber auch um sich dann zusammen freuen zu können.

Ich hatte auch eine Elisabeth- eigentlich hieß sie Elizabeth- meine mütterliche Freundin.

Nein, ich war nicht schwanger, aber immer wieder am Straucheln.

Sie verstand mich, hat ganz offen von ihren eigenen Schwierigkeiten erzählt und war im Leben schon so manche Schritte weiter als ich. Sie hat mir Mut gemacht und wir sind beide freudiger und stärker wieder heimgefahren.

Leider musste sie unsere Welt schon verlassen. Ich vermisse sie. Aber ich denke noch oft an sie. Sie ist mir weiterhin Vorbild und ich frage mich in verschiedenen Situationen: Was würde Elizabeth dazu sagen? Sie lebt also doch weiter, in mir und in anderen – und bei Gott sowieso.

Man muss nicht Elisabeth oder Maria heißen, um zueinander zu finden. Vielleicht braucht es nur, die Sehnsucht in sich zu spüren und offen zu sein für die Menschen um sich herum.

Danke, Gott, für Freundschaften und Begegnungen.

 

Amen