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Meine Familie

Die Familie kann nerven. Dennoch: Jesus war ein Familienmensch. Wenn vielleicht auch nicht auf die gewöhnliche Art.

Wochenspruch   – Mt 25, 40b

Psalmgebet – Ps 112

Predigttext  – Mk 3, 31-35

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Jesus ist mitten in der Verkündigung. Menschen drängen sich um ihn. Da kommt seine Familie – seine Mutter Maria und seine Brüder – und will ihn sprechen. Sie „stehen draußen“.

Und Jesus reagiert überraschend: Er fragt, wer denn seine Familie sei? Dann sagt er:  Die, die hier um mich herumsitzen, das ist meine Familie. Das sind seine Jüngerinnen und Jünger, die ihm zuhören. Menschen, die Gottes Willen tun.

 

Das ist irritierend. Jesus – der Sohn Marias – weist seine Familie nicht nur zurück, er stellt die geistliche Gemeinschaft über die leibliche Verwandtschaft. Das tut weh. Gerade wir, die wir Familie oft als das Wichtigste im Leben betrachten, fühlen uns durch so ein Wort herausgefordert.

 

Aber Jesus meint es nicht abwertend gegenüber seiner Mutter oder seinen Brüdern. Er spricht ein tieferes Prinzip an: Nähe zu ihm – auch biologische Nähe – ist nicht automatisch Beziehung im geistlichen Sinne. Es geht ihm um eine Beziehung, die auf dem Tun des Willens Gottes basiert.

 

Ich stelle mir das mal in unserer kirchlichen Situation vor:

Da ist eine große Kirchengemeinde. Ein Gemeindeglied ist seit 30 Jahren Mitglied. Er ist getauft, eingesegnet, verheiratet – alles in dieser Gemeinde. Aber diese Person kommt nur zu Weihnachten in den Gottesdienst und hält sich aus allem raus. Und dann gibt es jemand anderen, der vor fünf Jahren aus einem schwierigen Leben heraus zu Jesus gefunden hat. Diese Person engagiert sich, besucht Bibelkreise, hilft in der Obdachlosenhilfe.

 

Jesus sagt: Nicht der, der sich nur auf Zugehörigkeit beruft, sondern der, der Gottes Willen tut, gehört zu seiner Familie. Also ist die Antwort auf die erste Anfrage Jesu klar – es geht um aktive Glaubenszugehörigkeit im Leben und Tun, nicht auf dem Papier.

 

Im Text heißt es weiter: Die Familie Jesu „stand draußen“. Sie war physisch nahe, aber geistlich draußen. Und diejenigen, die drinnen bei Jesus saßen, waren nicht seine Verwandten, sondern Menschen, die sich geöffnet hatten für seine Botschaft, für das Reich Gottes.

 

„Drinnen“ und „draußen“ sind hier nicht räumliche, sondern geistliche Begriffe. Draußen sind die, die vielleicht neugierig sind, aber nicht bereit, sich auf Jesus einzulassen. Drinnen sind die, die zuhören, lernen, sich verändern lassen.

 

Jesu Einladung ist klar: Jeder kann dazugehören. Es ist keine exklusive Familie mit Eintrittsbeschränkungen. Aber es erfordert eine Bewegung: Ich muss vom Draußen ins Drinnen gehen, vom Zaungast zum Jünger, von der Zuschauerin zur Nachfolgerin.

 

 

 

Wie könnte das aussehen?

Ein junger Mensch besucht einen Jugendgottesdienst. Seine Freunde haben ihn mitgenommen. Er sitzt in der letzten Reihe, Arme verschränkt, skeptisch.

Die Musik gefällt ihm, aber die Predigt lässt ihn kalt. Wochen später kommt er wieder, diesmal allein. Und wieder. Irgendwann spricht er den Jugendleiter an, stellt Fragen, bringt sich ein. Nach einem Jahr lässt er sich taufen.

 

Was ist passiert?

Der junge Mensch hat sich vom „Draußen“ ins „Drinnen“ bewegt. Er hat sich nicht nur körperlich, sondern geistlich auf den Weg gemacht.

 

Jesus sagt: Wer den Willen Gottes tut, der gehört zu meiner Familie. Es ist ein offenes Haus, aber der Weg führt durch die Tür der Entscheidung.

 

Und letztlich zeigt Jesus in diesen Versen ganz klar auf, wohin die persönliche Reise eines jeden gehen soll:

Jesus gründet mit seinen Worten keine Anti-Familien-Bewegung. Im Gegenteil.

Er erweitert den Familienbegriff. Nicht nur Blutsverwandte, sondern alle, die sich nach Gottes Willen ausrichten, gehören zu seiner geistlichen Familie.

 

Das bedeutet für uns heute: Gemeinde ist nicht ein Verein, nicht ein religiöser Club, sondern eine neue Familie. Eine Gemeinschaft, in der wir einander mit Respekt und Liebe begegnen, wie Geschwister. Das ist nicht romantisch, sondern realistisch. Denn wie in jeder Familie gibt es auch in der Gemeinde Konflikte, Unterschiede, Missverständnisse. Aber auch Annahme, Vergebung, Zusammenhalt.

 

In einer kleinen ländlichen Kirchengemeinde beispielsweise verstirbt ein alter Mensch. Diese Person hat keine eigenen Kinder, keine Geschwister mehr. Zur Beerdigung kommen Menschen aus dem Hauskreis, den diese Person jahrelang geleitet hat. Menschen aus der Gemeinde tragen ein Blumengesteck mit der Karte: „In Liebe – Deine Gemeinde“ und legen es aufs Grab. Und der Pastor sagt in der Ansprache: „Sie hatte eine große Familie – die Familie Gottes.“

 

Jesus lädt uns ein, Teil dieser Familie zu werden – nicht als Zuschauer, sondern als Mitgestaltende. Wir sind nicht nur Gäste am Tisch, wir gehören dazu. Und: Es ist unsere Aufgabe, diesen Tisch weiter auszubreiten, andere einzuladen, Platz zu schaffen für neue Schwestern und Brüder.

Amen