Wahre Worte?

Immer nur der Miesepeter sein? Blöde Aufgabe. Aber genau diese Aufgabe hatte Jeremia. Kein leichter Stand. Und: Warum hätte man seinen Worten überhaupt glauben sollen? Schöne Worte erwarten uns heute im Psalmgebet und Impulsgeberin ist Nicole Marten.

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Die 16-jährige Larissa ist ganz unglücklich. Sie glaubt, sie ist hässlich. Immer und immer wieder haben das ihre Klassenkameradinnen zu ihr gesagt. Immer und immer wieder erfährt sie das – auf Tiktok, auf Instagram und vor Ort, in der Schule. Sie hat es so oft gehört, dass sie inzwischen selbst daran glaubt – und sie will unbedingt eine Schönheits-OP.

Dann ist da Johanna. Sie ist überzeugt davon: Das schaffe ich.  Nach dem Schulabschluss macht sie jetzt eine Ausbildung in einem Beruf, der ihr Spaß macht. Bald sind die Prüfungen. Ihre Eltern und ihre Großeltern haben ihr schon in ihrer Kindheit immer und immer wieder gesagt, dass sie schaffen kann, was sie sich vornimmt. Wenn es mal schief ging, haben sie nicht geschimpft, sondern sie ermutigt. Worte haben Kraft. Sie können Menschen prägen. Sie wecken Vertrauen oder Misstrauen. Sie können aufbauen und sie können verletzen. Sie gehen zu Herzen.

Worte schaffen auch eine neue Realität: Kaum sind sie ausgesprochen, ist es auch so. Das erleben wir in der Kirche zum Beispiel bei der Taufe. Da ist zwar auch Wasser im Spiel. Aber genau in dem Moment, in dem die Pfarrerin oder der Pfarrer die Worte spricht: „Ich taufe dich…“ ist die Person schon getauft. Das ist eine einmalige Sache – sie gilt, wie ein Wasserzeichen auf einem Papierbogen. Auch wenn wir den Segen im Gottesdienst hören, sind wir schon von Gott gesegnet. Worte haben große Kraft. Sie sind mächtig. Sie können die Welt verändern. Manche Worte können sogar die Welt ins Leben rufen: Als Gott die Erde schuf, sprach er beispielsweise: „Es werde Licht“ – und es ward Licht. So lesen wir es in der Bibel.

In der Bibel steht auch vieles über den Propheten Jeremia. Propheten reden im Alten Israel im Auftrag Gottes und verkünden sein Wort. Was Jeremia Jerusalem und seinen Einwohnern sagen soll? Zwei Fragen sind darunter. „Ist mein Wort nicht wie Feuer? Ist es nicht wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt?“ Rhetorische Fragen. Die erwartete Antwort lautet: Ja“ Gottes Wort ist also wie ein Feuer, das alles verbrennt. Wie ein Hammer, der alles kurz und klein schlägt. Was Jeremia da zu verkünden hat, ist für ihn nicht leicht. Er soll immer wieder Unheil ankündigen. Wortgewaltig, manchmal auch mit zeichenhaften Handlungen, soll er den Untergang ankündigen, Belagerung, später Vernichtung von Stadt und Land. Das ist so schlimm, dass er sich darüber auch beklagt. Aber es hilft nichts. Er muss weitersprechen, er kann sich dem nicht entziehen. Nun also das. Ein Wort Gottes wie Feuer, oder wie ein Hammer. Es geht in dieser Rede von Jeremia nicht direkt um Jerusalem, sondern um andere Propheten. Die meinen, sie sprechen im Auftrag Gottes. Sie erzählen von Träumen, die sie hatten, von frohen Nachrichten. Sie sagten „Keine Angst, alles wird gut“, oder „Es ist Frieden und es wird Frieden bleiben. Ihr seid in Sicherheit!“ Doch Jeremia weiß, dass das nicht passt. Nicht passt zu dem, was er zu sagen hat – in Gottes Auftrag. Die anderen, sie reden nicht im Auftrag Gottes. Was die andern sagen, stimmt nicht. Deshalb sollen die Menschen nicht auf sie hören. Die Worte der anderen Propheten dienen nur dazu, zu vertrösten. Sie blenden die Realität völlig aus. Und sie täuschen die Menschen. Das ist gefährlich. Denn Jeremia weiß: Die Belagerung, die Vernichtung, sie wird kommen. Es ist schwer für die Menschen, Jeremia zuzuhören. Wer will schon Untergangsstimmung haben? Das kennen wir heute ja auch. Wie lange hören wir schon, dass das Klima sich verändert – und dass wir deshalb selbst etwas verändern müssen. Bei uns selbst. Das ist extrem unbequem. Es kostet viel Kraft. Manchmal sind wir damit in unserem Alltag überfordert.

Vielleicht ist es für die Menschen damals auch schwer, herauszufinden, was Gott wirklich spricht. Was ist Wahrheit? Was ist die Realität? Diese Fragen begegnen uns auch in unserem Alltag. Wem können wir welche Nachricht glauben? Gibt es das überhaupt? Objektive Nachrichten? Wir können ein paar Kriterien anlegen an das, was wir an Nachrichten hören. Gibt es eine zweite, unabhängige Quelle? Kommt auch die Gegenseite zu Wort? Wer spricht denn hier? Ist die Aussage wissenschaftlich begründet? Kann sie belegt werden oder sind es nur Vermutungen? Das kann helfen. Und woher können wir jetzt wissen, was Gott sagt – und dass er es ist, der spricht? Auch hier gibt es ein paar Hilfsmittel, das heraus zu finden. Wir können beispielsweise einmal nachlesen, was in der Bibel steht. Wir können herausfinden, in welche Situation hinein ein biblischer Text spricht. Schließlich sind die Texte rund 2000 Jahre alt – und älter. Eins zu eins können wir vieles nicht von damals ins Heute übertragen. Also sollten wir fragen: Was wollte der Text damals sagen – und was kann er heute für uns bedeuten? Wir können auch schauen, was andere Bibelstellen zu diesem Thema sagen. Gibt es Gemeinsamkeiten, Widersprüche? Wir können beten. Und wir können uns mit anderen Christinnen und Christen über die Dinge unterhalten, die uns beschäftigen – um herauszufinden, wie sie das sehen. Manchmal ist das wirklich Arbeit. Manchmal wünsche auch ich mir, dass ich einfach einmal eine Whatsapp-Nachricht von Gott bekomme, in der genau die Antwort auf meine Frage steht. Aber so funktioniert es nicht. Manchmal ist es mühsam, herauszufinden, was Gott sagt. Dabei hilft es zu wissen: Gott meint es gut mit uns. Gott ist die Liebe. Das kann auch dazu führen, dass wir erkennen: Da haben wir versagt, dort sollten wir etwas korrigieren. Diese Erkenntnis kann hart sein. Wie ein Feuer, das alles verbrennt. Wie ein Hammer, der alles zerschlägt. Und doch, wenn wir umkehren, die schlechten Wege verlassen, dann kann Versöhnung geschehen. Dann können wir neu anfangen. Dann kann es eine Kurskorrektur geben. Und das kann uns in die Freiheit führen – und in die Freude.

Amen