Festhalten
Es ruckelt und wackelt. Besser mal festhalten. Aber nicht immer ist ein Griff oder ein Geländer in Reichweite.
Es ruckelt und wackelt. Besser mal festhalten. Aber nicht immer ist ein Griff oder ein Geländer in Reichweite.
Bitte fass nichts an! Bestimmt 1000mal habe ich das schon zu meiner kleinen Tochter gesagt. Beim Einkaufen in Corona-Spitzenzeiten, in der öffentliche Toilette oder so wie jetzt, auf einer schmutzigen Rolltreppe. Meine Tochter bemüht sich, aber die Rolltreppe ist steil und ruckelig. Was zum Festhalten wäre gut. Ich strecke ihr meine Hand hin und gleich steht sie viel sicherer da. Du bist mein Geländer, sagt sie zufrieden… Ich muss lachen, ein bisschen neidisch bin ich auch. Streckt man Kindern die Hand hin, greifen sie meist zu. Seit ich erwachsen bin, fällt mir das schwer. Ich warte viel zu lange bis ich Hilfe annehme. Von Menschen, aber noch mehr von Gott. Dabei kann ich in der Bibel sogar lesen: Ich bin dein Gott, der deine rechte Hand nimmt und dir sagt: fürchte dich nicht, ich helfe dir! Klarer geht’s eigentlich nicht. Gott will mein Geländer durchs Leben sein. Ein Stabilisator. In guten wie in schlechten Zeiten. Egal wie lange ich noch zögere, seine Hand bleibt ausgestreckt.
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Ich kämpf gerade rum mit mir, weil das Bibel-Thema sehr komplex ist. Es gibt Leute, die glauben, dass darin alles göttlich sei und gehen vorgeprägt und voller Positiv-Überzeugung über alles Komische hinweg.
Deren Glaube ist irgendwie komisch (für mich komisch). Wenn ich Missstände ignorieren kann, heisst das lediglich: Ich kann mich so verhalten, dass alles gut ist (für mich). Ich wäre dann ein Meister im «Selbst-Anmogeln» zu meinem eigenen Gunsten.
Ich kann das leider nicht, ich leide aber auch daran.
Gestern reparierte ich etwas in einer Bar als Abends-Arbeits-Einsatz.
Die Musik, die gespielt wurde war sehr gemischt. Es waren Lieder dabei, die mich leicht ängstigten, weil so teulisches Geschreie und so finstere Klangfarben dabei waren.
Ich dachte: Angenommen es macht sich jemand frei (von christlichen Anforderungen), weil er/sie komische Sachen in der Bibel gefunden hat und deshalb nicht mehr glauben kann. Ist dieser Mensch dann befreit von allen religiösen Lasten?
Nein, das ist er/sie/es nicht, weil sich dann relativ aktiv eine andere Hand nach ihm ausstreckt, die ihn/sie/es halten will (evtl. auf der Rolltreppe mit bestimmter Musik aus den Lautsprechern). Es gibt fast keinen neutralen Ort auf dieser Welt. Evtl. ist es relativ unberührte Natur, die das geben kann.
Klar gibt es Menschen, die nüchtern und sachlich und positiv und Natur-verbunden leben können und sich in beiden Richtungen gekonnt abgrenzen können.
Ich bewundere das, wer das kann und dabei ein echter Menschen-Liebhaber ist und mit gutem Charakter (oder möglichst gutem Charakter) durchs Leben geht. Ein Mensch, der evtl. Jesus nur respektiert und sozusagen mit grossem Abstand glaubt.
Diese direkte ständige Gott-Verbundenheit erhoffe ich mir, aber ich glaube daran nur schwach und äusserst vorsichtig.