Keine Vergebung
Vergebung – das ist so eine Sache für religiöse Menschen, aber braucht man das wirklich? Wie wäre es ohne? Der Test wird spannend.
Vergebung – das ist so eine Sache für religiöse Menschen, aber braucht man das wirklich? Wie wäre es ohne? Der Test wird spannend.
Gehen Sie mal im Internet auf die Suche nach Vergebung. Sie werden sehen: Es gibt unendliche viele Versuche, Vergebung zu beschreiben. Interessant finde ich, dass seit der Antike Vergebung einem handelnden Gott zugeschrieben wird. Im Islam, im Judentum, im Christentum ist Vergebung DIE herausragende Eigenschaft Gottes. Vergebung scheint wichtig zu sein. Menschen brauchen Vergebung. Der katholische Theologe Eugen Drewermann hat gesagt: „Dass Menschen in Schuld geraten, ist schlimm; aber sich schuldig zu fühlen und nicht an Vergebung glauben zu können – das ist die Hölle.“ Begangene Fehler, aufgeladene Schuld können schwer wiegen. So schwer, dass sie einen erdrücken. Gott ist da, um mich von dieser Last zu befreien. Dass ich wieder aufrecht gehen kann und Luft zum Atmen habe. Das befreiende Moment besteht darin, dass ich mich Gott anvertraue. Mich öffne und mich meiner Verantwortung stelle. Dann darf ich wissen: Gott hat mir längst vergeben. Das zu wissen tut nicht nur gut, es lehrt mich auch, selbst anderen zu vergeben, die an mir schuldig geworden sind. Und es erinnert mich an die Worte die Jesus seinen Freunden mitgegeben hat im Gebet: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Ich könnte auch sagen: Lass mich erkennen, dass du mir vergibst, so dass auch ich anderen vergeben kann.
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Ein Bekannter steckt da grad in einer blöden Sache drin.
Frau 1 verführt den Bekannten und Frau 1 gibt die Tat als Info aktiv an die (gläubige) Frau 2 weiter, die den Mann als Beziehung hat. Frau 2 ist danach extrem verletzt.
Wer soll nun wem vergeben?
Soll Frau 2 vergeben oder sich trennen (von so einem «Arschloch», der das Leid in ihr ausgelöst hat)? Dem Bösen die Macht geben, so dass Beziehung zerstört wurde?
Es muss nicht mal böse sein, es reicht schon, wenn es bescheuert war, denn unsauber definierte Liebesbeziehungen können auch das Grauen sein.
Es ist wie mit dem zerbrochenen Krug: Selbst mit dem besten Kleber (Vergebung), so richtig wird der Krug nicht mehr werden.
Vergebung verlangen, sollte man auch sein lassen! Oder: Behaupten, man habe vor Gott die Sache geregelt, kann auch einen komischen Geschmack machen, wegen verschobener Bezüge.
Wie sähe die Lösung aus:
Frau 1 und der Bekannte stellen gemeinsam fest, dass sie auf unterschiedliche Weise grossen Blödsinn gemacht haben.
Beide entschuldigen sich bei Frau 2.
Frau 2 vergibt den beiden jeweils.
Danach sollte offenbleiben, zu wem der Bekannte geht.
Mit ca. 80% Wahrscheinlichkeit wird mein Bekannter beide Frauen verlieren.
Bitten Frau 1 und der Bekannte nicht glaubhaft genug um Entschuldigung, so kann Frau 2 dennoch Vergebung aussprechen, aber mit einer anderen Qualität. Hier trotzdem Vergebung auszusprechen in Verbindung mit «Geht aus meinem Leben!», kann Qualität haben.
Alternative: Sich selbst in Verletzungsgedanken und Verletzungsgefühlen rumtummeln, kann Qualität haben (jetzt hier ironisch gemeint). Wichtig ist bei solchen Sachen: Nicht auf sein Recht beharren, wegen der Schuld über dem anderen stehen zu dürfen.
Kurzfristig ist so eine Sache ganz schlimm. Langfristig verläuft es sich im Sand.
Ohne Vergebung auszusprechen, können bei allen 3 Menschen seelische Narben bleiben.