Schere im Kopf
Was darf ich Gott sagen? Und wie darf ich es ihm sagen? Welche Regeln muss ich beachten? Und welsche Scheren im Kopf beschneiden mich ständig?
Was darf ich Gott sagen? Und wie darf ich es ihm sagen? Welche Regeln muss ich beachten? Und welsche Scheren im Kopf beschneiden mich ständig?
Ich bin Kurpfälzerin. Obwohl ich schon Jahrzehnte nicht mehr in diesem Teil Nordbadens wohne, der an die Pfalz grenzt, bekomme ich meinen kurpfälzischen Singsang nur schlecht weg. Dialekt ist nun mal Dialekt. Immer mehr Kinder, habe ich gelesen, werden von ihren Eltern nur noch „hochdeutsch“ erzogen. Manche Dialekte drohen deshalb auszusterben. Schade, denn wenn ich so ein „Alla“ oder „Alla hopp“ höre, geht mir das kurpfälzische Herz auf. Im „Alla“ steckt das französische Wort „Allez!“ – also: Geh! Lauf! Los jetzt! Und zeigt die Nähe zu unserem französischen Nachbarn. Bei Wörtern wie „Geeleriewe“ für Karotte oder „Gräwele“, den Graben zwischen den Matratzen im Ehebett, freu ich mich einfach, wenn ich sie höre. Und ganz ehrlich, wenn ich meine Eltern oder Freunde in der Kurpfalz besuche, dann liebe ich es, mal so richtig kurpfälzisch zu „schwätze“. Aus vollstem Herzen. Ohne Schere im Kopf. So mache ich es auch beim Beten. Also beim Reden mit Gott. Da darf alles so aus einem heraussprudeln, wie einem eben zumute ist. Genau so wie mir der Schnabel gewachsen ist. Also: Genau so wie äm der Schnawwel gwachse is.
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Mein Sohn sagt: Hey Papa, wenn Du gute Geschäfte machen willst in der Schweiz, dann lerne perfektes Schweizer-Deutsch. Was mache ich nun? Zu meiner Kindheits-Sprache stehen?
Ich kann inzwischen einige schweizer Formulierungen. Z.B. «des is abakeit» (das ist runtergefallen). Meine Partnerin amüsiert sich köstlich, weil sie hört, dass es kein Original ist und sich doch, grösster Mühen, nicht „echt“ anhört, sondern lustig.
In einem anderen Beitrag schieb ich mal: Du musst di Seel babela lo. Richtig ist: Du musst di Seel babele lo (von Zeit zu Zeit). Das «a» hat sich eingeschleust aus meinem Heimat-Dialekt.
Die Frage ist, ob Gott die Vielfalt liebt, oder so «Hoch-effektiv-Acker», auf denen alles Unkraut niedergemacht wird, damit dort z.B. nur eine einzige Salatsorte wächst. Die, die es machen, denken so! Die Schweiz ist so etwas wie Klein-Europa, dreisprachig!
In Anbetracht auf diese Welt, ist es eher wahrscheinlich, dass Gott alles Mögliche wachsen lässt, in der Hoffnung, hier und da was «ernten» zu können, das eine besondere Qualität hat. Klar kann man sagen: Hey die Ernährung von ganz ganz vielen Menschen hat Priorität. Doch so richtige Qualität für Gott scheint etwas anders zu sein: Sich z.B. in den widrigen Umständen für das Richtige zu entscheiden und herauszufinden, was Gott so richtig cool findet.
Im Endeffekt macht Gott beides: extrem viele Menschen ernähren (heute 8 Milliarden Menschen, 1800 1 Milliarden Menschen auf der Erde), aber steigt die Qualität an (die Liebesfähigkeit und Herzenswärme)? Herzenswärme entsteht in der Pfalz (die Gegend um Speyer Deutschland herum) über diese Sprache, die echt erwärmend ist. Und überhaupt einen Begriff zu finden, der diese blöde Kante im Ehebett aufs Korn nimmt, ist doch auch feinfühlig humorvoll, einfach nur wegen eines süssen Begriffs, den es in der Gegend dafür gibt. Jeder weiss dort, dass das Grävele ein wenig beim Sex stört (nehme ich frech an).
Über dem Grävele die Frau gräbele (kraulen, angenehm kratzen).