Vielleicht gelb

Pastellfarben, neon oder nur in schwarz-weiß: Wie malt man etwas, das man nicht sehen kann?

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Meine Tochter bestaunt den Sonnenaufgang vor dem Küchenfenster. Plötzlich fragt sie: „Mama, kann man Gott malen?“. „Naja, sag ich, wir wissen nicht, wie Gott aussieht. Wir können nur unsere Idee von ihm malen. Wie Gott sich für uns anfühlt: hell, oder bedrohlich, riesig oder hellgrün.“ Meine Tochter findet, gelb passt gut zu Gott. Ob er das auch so sieht? In den zehn Geboten steht: „Du sollst dir kein Bild von Gott machen“. Ein Kunst- und Fantasieverbot, ausgerechnet vom Schöpfer der Welt? Passt nicht und irgendwie voll. Denn – so kann man es in der Bibel nachlesen – noch während dies Gebot von Gott durch Mose aufgeschrieben wurde, wurde das Volk Israel ungeduldig. Es hat sich selbst einen Gott gebastelt. Einen DoItYourself-Gott aus Gold, den sie sehen und mit sich herumschleppen konnten. Einen Gott, den man im wahrsten Sinne des Wortes begreifen und in eine Schublade stecken kann. Aber genau das will Gott nicht. Vielleicht, weil er viel größer, weiter und ganz anders als alles ist, was ich mir vorstellen kann. Weil er kein Besitz von niemandem sein kann und keine Schublade ihm gerecht wird. Egal, wie schön sie auch ist.