Foto: Ki, Le Chat

Anders leben

Es könnte alles so viel besser sein. Da ist eine Sehnsucht in mir, die will Frieden. Wo kommt sie her? Was kann sie tun? Impulsgeber ist heute Pastor Wilfried Röcker.

Wochenspruch  – Joh 12, 32

Psalmgebet – Ps 27, 7-14

Predigttext   – Jer 31, 31-34

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Reiner Kohlhammer
    Reiner Kohlhammer aus derzeit Pearland in Texas sagte:

    Lieber Wilfried –
    mit allen in der rm:
    War ein starkes Zeugnis –
    von Herzen Dank!

    Erlebt euch gesegnet.
    Reiner Kohlhammer

    … bitte an Wilfried
    Röcker weiterleiten.
    Danke!!

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Dieser Bibelabschnitt ist für mich ein Gänsehauttext. Er berührt mich, weil ich etwas von dem Glück der Menschen spüre, denen Jeremia diese Nachricht überbracht hat. Jeremia ist einer, der eine Kehrtwende ankündigen darf. Es wird anders. Ganz neu. Das Elend hat ein Ende.

 

Ich erinnere mich, als der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der westdeutschen Botschaft in Prag die Ausreisegenehmigung für Tausende DDR-Bürger:innen nach Österreich verkündet. Seine Worte gehen in einem Jubelschrei unter.

 

Am 8. Mai haben wir den Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht und damit das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Nationalsozialismus begangen.

 

Zwei Ereignisse in unserer deutschen Geschichte, die einen Wendepunkt beschreiben. Es gibt Platz für Zukunft und Hoffnung. Das Ende von Tyrannei, Hass und Gewalt. Das Ende von Ereignissen, die Menschen in unsägliches Leid geworfen hatten.
Der 8. Mai ist aber auch ein Datum, wo wir als deutsches Volk unsere Schuld bekennen. Bekennen, dass Größenwahn und Menschenverachtung das Zusammenleben auf dieser Welt unmöglich gemacht haben und alles zerstört haben.

Man hat uns dennoch wieder in die Weltgemeinschaft aufgenommen. Und wir wissen uns gerade darum dem Schutz der Menschen verpflichtet, die heute Opfer von Krieg und Gewalt werden.

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.“ Wir schließen uns diesem lautstarken Aufschrei der Opfer des Nationalsozialismus an. Am 19. April 1945 in Buchenwald wurde er bei einer ersten Trauerfeier wenige Tage nach der Befreiung des KZ in Buchenwald von den Überlebenden ausgerufen. Nie wieder.

 

Alles soll anders werden.
Das lesen wir auch bei Jeremia. Und er macht deutlich: das ist nicht meine private Meinung, die ich hier weitergebe, das ist ein „Ausspruch des Herrn“. In keinem anderen Propheten kommt diese Formulierung so oft vor wie bei Jeremia. Vielleicht, weil er bei seiner Berufung genau das gehört hat: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“ (Jer. 1, 9)

Über eine lange Zeit waren die Worte Gottes, die er weiter zu geben hatte, anklagende Worte. „Ihr habt meinen Bund gebrochen. Obwohl ich doch Euer Gott war.“ Zerstörung und Untergang. Vertreibung und Elend hatte Jeremia anzukündigen. Wie ein Sturm ist die Gewalt damals über Israel hinweggefegt und hat Städte zerstört, die Heiligtümer vernichtet, Menschen getötet und vertrieben.

 

Doch nun steht Jeremia mit einem anderen Ausspruch des Herrn da.
„In Zukunft soll es einen neuen Bund geben: Ich werde meine Weisung in sie hineinlegen und sie in ihr Herz schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.“

 

Das Herz ist in unserem Sprachgebrauch der Ort der Gefühle. Im Hebräischen ist das Herz der Ort des Wollens. In diesem neuen Bund leben, das werden die Menschen tief in ihrem Innern wollen. Es sollen keine Vorschriften mehr sein, die auf steinernen Tafeln stehen. Es soll niemand mehr geben, der andere überwacht und erklärt, wie sie zu leben haben. Aus tiefster Überzeugung heraus werden die Menschen leben, was sie glauben, worauf sie vertrauen: Gott schenkt das Leben und er hält zu uns. Alle werden diese Gotteserkenntnis tief in ihrem Innern finden. Weil Gott es selbst in sie hineinlegt.

 

Ausspruch des Herrn.

 

Ich bin ein Zaungast dieser Ankündigung. Kann nicht wissen, was diese Ankündigung Jeremias für die Menschen damals bedeutet hat. Welche Tränen er getrocknet hat. Welche Last von Menschen genommen wurde.

Ich höre diese Worte aus meiner Perspektive. Mehr als 2.500 Jahre später verursachen Größenwahn und Feindschaft auf dieser Welt nach wie vor Zerstörung und Vertreibung. Großes Leid. Überall auf dieser Welt.

 

Ach wär das doch so, dass das Leben im Sinne Gottes tief in unser aller Wollen eingegraben ist. Und wir einander nicht mehr belehren müssen und darüber streiten, was der richtige Weg ist. Kommt sie wirklich, diese Zeit? Für Israel? Für alle Völker? Für diese ganze Welt?

Eine bohrende Frage, auf die ich keine Antwort weiß.

 

„Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt – durch mein Blut, das für euch vergossen wird.“ (Lukas 22, 20) Mit diesen Worten feierte Jesus mit seinen Jüngern sein letztes Passahfest, das an die Befreiung der Menschen an die Gefangenschaft in Ägypten erinnert.

 

Immer, wenn wir Abendmahl feiern, erinnern wir uns an diese Verheißung aus dem Propheten Jeremia, der sich Jesus anschließt. Es ist ein hoffnungsvolles Mahl, das sich gegen alle hoffnungslose Wirklichkeit stellt.  Ich will mich beim nächsten Abendmahl daran erinnern lassen. Nicht verzweifeln an Hass und Gewalt, sondern an „Gottes Weisung in uns“ vertrauen. Dass wir nicht nur wissen, sondern auch wollen, was ein Leben verbunden mit Gott bedeutet: Den Herrn, unseren Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit dem ganzen Denken. Und unseren Mitmenschen wie uns selbst (Lukas 10, 27).

 

Denken wir an all die, die diese Ankündigung: alles wird anders werden, dringend brauchen. Verbinden wir uns mit ihnen, wenn wir voll Vertrauen miteinander beten: