Foto: radio m, Anja Kieser

Betreten verboten! Gott haftet für seine Kinder.

Von verbotenen und heiligen Orten. Von Gott, der Menschen begegnet und keine Berührungsängste hat. Von einer Kirche, die eine DNA hat, die sichtbar werden will.

Wochenspruch  – Lk 13, 29

Psalmgebet – Ps 86, 1-2.5-11

Predigttext   – Apg 10,21-35

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

0 Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Betreten verboten! Gott haftet für seine Kinder. als Manuskript-Datei runterladen

Nein, es geht in dieser Geschichte gar nicht so sehr um ein Verbot, das überschritten wird, sondern um Haltungen, Regeln, Gebote, die Petrus hinterfragt, weil er Jesus kennen gelernt hat und Gott seitdem, mit anderen Augen sieht. Er blickt plötzlich mit einem neuen Blick auf alte Regeln und spürt, dass er es wagen muss, seinem Gefühl zu vertrauen, um Gutes zu tun. Er wagt es und erlebt ein Pfingstfest. Gottes Geist kommt über die Gruppe, die sich um Petrus versammelt hat. In einem Haus, in dem Petrus nicht hätte sein dürfen, warten alle gespannt darauf, was Petrus über Gott erzählen wird, damit sie ihnen kennen lernen, diesen Gott, der Türen und Herzen öffnet, ohne Ansehen der Person. Genau das hat Petrus gerade neu von seinem Gott gelernt.

Diese Geschichte, diesen Kern der Geschichte möchte ich heute nehmen, um mit euch darüber nachzudenken, was das heute für uns bedeuten könnte.

Im Prinzip hat Petrus hier Gottesdienst an einem falschen Ort gefeiert. Kornelius, der römische Offizier war Teil der Besatzungsmacht. In seinem Haus fand der Gottesdienst statt. Und dort ist Gott mitten unter ihnen und feiert mit ihnen, durch Petrus, der das ermöglicht. Kornelius und sein ganzes Haus mussten nicht erst in die Synagoge, sie mussten nicht erst viel über diesen Gott lernen und begreifen, sie mussten keinen kirchlichen Unterricht besuchen, sondern bekamen Gott frei Haus. Delivered – geliefert von Petrus, der seine Berührungsängste überwand.

Und damit bin ich ganz nah am Methodismus. An dieser Kirche, die auf John Wesley zurückgeht und die eine Kirche ist, die Begegnung leben und feiern möchte, damit Gott einen Platz im Leben der Menschen findet und Veränderung bringen kann, dort, wo es Not tut. John Wesley lebte im 18. Jahrhundert. Ein Jahrhundert der Umbrüche. Im Alltag der Menschen, der Gesellschaft, der Politik, des Denkens. Es ist Zeitalter der Aufklärung, des Aufbegehrens gegen Herrschaftsstrukturen, der französischen Revolution und der Industrialisierung. Reich sind wenige. Arm viele. John Wesley war ein anglikanischer Pfarrer und doch entdeckte er erst viel später in seinem Leben Gott ganz neu – vielleicht ähnlich, wie es Petrus ergangen ist. Plötzlich verstand er, was Gott meint, wenn er von Gnade und Heilung spricht, wenn er sagt, dass er bedingungslos liebt. Für John Wesley bedeutet das dann plötzlich auch: Raus aus dem Kirchengebäude und dorthin gehen, wo die Menschen sind. Er ging zu den Bergarbeitern und Feldarbeitern, in die Häuser der Menschen, die nicht lesen und schreiben konnten, die verarmt waren. Er predigte auf Plätzen und in den Häusern. Unter freiem Himmel in Armutsvierteln, obwohl das nicht erlaubt war. Es kam zu Konflikten mit seiner Kirche. Später sollte sich aus Wesleys Bewegung die Methodistische Kirche gründen – heute UMC und in Deutschland Ev.-meth. Kirche. Wesley ließ Menschen ausbilden Gottes Liebe zu verbreiten, so dass nicht nur Pfarrer, sondern auch Laien überall hingehen konnten, um Menschen zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Predigt wurde durch ihn zum Skandal. Für Wesley war sie Tor zu anderen Menschen und Türoffner um zu sehen, was die Menschen brauchen. Denn Wesley ging es nicht allein darum zu predigen, sondern Gottes Liebe im Leben sichtbar werden zu lassen, in dem Kinder unterrichtet wurden, Essen ausgegeben wurde, in dem er und seine Freunde Gefangene besuchten. Wesley hat sich für Frauen und Kinder stark gemacht. Gerade auch Frauen waren es, die mit ihm im Glauben tätig geworden sind.

Gerade als Methodistin möchte ich mir das neu klarmachen: Raus gehen! Hingehen zu den Menschen! Von Gottes Liebe erzählen und zuhören! Hören, was die Menschen brauchen und handeln. Das ist unsere DNA. Da kommt der Methodismus her. Er hat seine Wurzeln in den verbotenen Räumen. Er entstand an Orten, die nicht schick und hipp waren. Es waren Räume und Orte der Begegnung, in denen Gott sichtbar, spürbar, erlebbar wurde – wie im Haus der Kornelius, als Petrus kam, um von Gott zu erzählen.

Heute gibt es nicht nur in der Ev.-meth. Kirche immer mehr Angebote, an anderen Orten, als in der Kirche. Bzw. Kirchentüren öffnen sich, um Kirchen zu einem anderen Ort werden zu lassen, als nur sakraler Raum. Es gibt Kletterkirchen, Spielplatzkirchen, Kirchen haben Suppenküchen und Kitas. Gottesdienste werden in Kneipen gefeiert, oben auf einem Berg, auf Youtube und in Sozialen Netzwerken digital. In Fabrikhallen und am Badesee. Es gibt Pop-up-Kirchen. Also Kirchen nur für ein paar Stunden in den Menschen getraut oder getauft werden.

Der heutige Impulstext will Mut, machen Glaube in der Begegnung mit anderen zu leben und zwar an den Orten, an denen die Menschen sind. Menschen müssen nicht zur Kirche kommen, sondern die Kirche kommt zu den Menschen. Der Text fragt mich an: Wo kann ich hingehen? Wo kann ich mit anderen über Gott und die Welt ins Gespräch kommen? Wo werden Gott und seine Liebe gebraucht?

Radio m – die Hörfunkagentur der Ev.-meth. Kirche macht im Prinzip auch genau das: Mit unseren Beiträgen im privaten Hörfunk gehen wir zu Menschen dorthin wo sie sind. In ihrem Auto auf der Fahrt ins Büro, in ihrer Küche oder im Bad. Wir versuchen uns die Lebenswelt unser Hörer und Hörerinnen vorzustellen, um ihnen das zu sagen, was ihnen vielleicht in diesem Moment hilft, in einer Sprache, die für — ++sie Alltagssprache ist. Was wir hier machen ist ein Baustein, eine Art Menschen zu begegnen. Und es gibt noch so viel mehr Möglichkeiten. Leute zum Essen einladen, zuhören und verstehen, was sie umtreibt; zum Hauskreis einladen, auch so eine methodistische Form des Zusammenkommens; Zeltlager anbieten und ein Kindermusical zusammen auf die Bein stellen; zu überlegen, wer in der Nachbarschaft vielleicht Hilfe braucht; Räume schaffen, um miteinander Leben und Glauben zu teilen. Auch die Sozialen Netzwerke werden da immer wichtiger. Viele unserer Angebote von radio m können über diese Netzwerke geteilt werden. Warum nicht mal einen Impuls von uns an eine Freundin über Instgram schicken? Weil der Gedanke darin vielleicht gerade gut passt, weil er Mut macht oder einfach nur sagt: Du bist nicht allein. Gott ist bei dir. Schafft Räume! Kommt in Begegnung. Im Haus von Kornelius war Gott gegenwärtig. Gott kennt keine verbotenen Räume und Orte, also brauchen auch wir keine Hemmungen zu haben, an andere Orte, die uns vielleicht fremd sind zu gehen oder Orte zu schaffen, an die sich Menschen einladen lassen. Es werden Orte sein an denen Gemeinschaft entsteht. Mit Menschen und Gott und die zu heiligen Orten werden.

Amen