Ewig mein

Noch alles ganz frisch und neu. Unbekannt. Was kommt wohl in diesem Jahr? Eines ist Gewiss: Ich nehme mich immer selbst mit – auch in dieses neue Jahr. Es gibt aber noch eine andere Gewissheit und um die geht es heute! Impulsgeber ist heute Pastor Wilfried Röcker, Leiter des Bildungswerks der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Wochenspruch – Joh 1, 14b

Psalmgebet – Ps 100

Predigttext – 1. Joh 5, 11-13

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Doris Hönes-Hetzel
    Doris Hönes-Hetzel aus Karlsruhe-wolfartsweier sagte:

    Vielen Dank Radio m für eure Beiträge eine sehr gute gesegnete Arbeit.

    Antworten

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Kurz vor Weihnachten bin ich 60 geworden.

Ein einschneidendes Erlebnis. Nicht nur, weil mein Schwiegersohn mir angekündigt hat, dass man ab 60 mit einem starken Altersschub rechnen muss. Vor einem halben Jahr hätte ich noch gesagt, ach was – ob 59, 61 oder 60. Das ist doch alles nur eine Zahl. Aber irgendwie hat sich das geändert, als mein Geburtstag näher rückte.

Was ist aus Deinem Leben geworden?

Welche Abzweige hast Du genommen?

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du Dich an der einen oder anderen Stelle anders entschieden hättest?

 

Weil wir als Familie schon immer viele Fotos gemacht hatten, habe ich viele Stunden damit verbracht, Bilder aus 60 Lebensjahren anzuschauen. So von Bildern und Erinnerungen begleitet habe ich im Rückblick schnell gemerkt: Es geht im Leben nicht um Erfolg. Es geht um etwas ganz anderes als: „Du bist ein super Kerl, erfolgreich, schlau, zielorientiert, belastbar, liebenswert und immer mit dem Herzen am rechten Fleck.“

Abgesehen davon, dass solche Worte einem ganz schön schmeicheln, beschreiben sie die Wirklichkeit aber völlig unangemessen. Sie bewerten das Leben nach dem was du kannst. Aber: wer du bist und was du bist, bist du geworden aus den vielen kleinen Puzzelstücken in deinem Leben. Den Menschen, denen du begegnet bist. Die dich früh geprägt haben, die dich geliebt haben, mit denen du dich auseinandergesetzt hast. Deine Fehler, dein Scheitern, die schweren Momente im Leben sind am Ende viel wichtiger und haben dich mehr geprägt als deine Erfolge. Das habe ich gemerkt und je näher mein Geburtstag rückte, umso mehr Dankbarkeit hat sich breit gemacht.

 

Das Leben ist ein Geschenk! Und an jedem neuen Tag schenkt Gott mir die Möglichkeit, diese Lebensqualität zu leben.

So einfach lässt sich zusammenfassen, was im ersten Johannesbrief so verschwurbelt daher kommt. Das ist eben der besondere Stil, der zu dieser theologischen Schule des Johannes gehört. Es klingt ein wenig nach schwarz-weiß und als Abgrenzung gegenüber denen, die es falsch machen. Die ein Leben leben, das nicht mit Jesus verbunden ist.

Aber das haben die Autoren eigentlich gar nicht im Sinn. Sie wollen nicht das Fehlverhalten an den Pranger stellen. Da würde es um eine Lebensleistung gehen, um etwas, was man versäumen kann, wenn man etwas nicht richtig macht.
Doch diese Stelle im ersten Johannesbrief verfolgt genau das Gegenteil. Sie will die Verunsicherten ermutigen: Keine Panik – alles im grünen Bereich. Du bist mit Jesus verbunden. Dein Leben hat den Qualitätsstand „ewig“! Es kommt nicht darauf an, was du kannst. Und diese Qualität hast Du Dir nicht erarbeitet, diese Qualität in Deinem Leben ist eine göttliche Qualität. Sie kommt in Dein Leben, weil Jesus in Dein Leben kommt.

 

Manchmal zweifle ich, ob ich wirklich so richtig mit Jesus verbunden bin. Das Leben scheint so im Alltag zu versinken, ohne große spirituelle Momente. Keine Zeit, um mal in Ruhe zu beten, Gott zu spüren. Da frage ich mich dann, ob nicht eher das Urteil zu trifft: „Du? Nein, du nicht! Du hast das ewige Leben nicht, weil du nicht richtig mit Jesus verbunden bist.“

 

 

In solchen Situationen des Zweifels ist es besonders wichtig, den letzten Vers 13 zu hören und zu verstehen: Dies alles habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst: Ihr habt das ewige Leben. Denn ihr glaubt an den Sohn Gottes.

 

Eine wunderbare Zusage an alle, die zweifeln. Aber was bedeutet das denn – „an den Sohn Gottes glauben“ oder wie es vorher heißt: mit Jesus „verbunden“ sein? Im Johannesevangelium gibt es ähnliche Aussagen, die nach Worten suchen, um zu beschreiben, was gemeint ist. Es heißt z.B. wir sollen „in ihm“ bleiben? In ihm? Man kann sich nur schlecht etwas darunter vorstellen. In meinem Sprachgebrauch würde ich eher sagen: „bei“ Jesus bleiben – aber „in“ ihm?

Irgendwann ist mir der Gedanke gekommen: Klar! Es macht schon einen Unterschied, ob ich in der Badewanne sitze oder „bei“ der Badewanne. Es geht gar nicht anders, als dass ich nass werde. In Jesus sein, mit Jesus verbunden sein – das prägt ganz automatisch. Mein Leben bekommt ganz automatisch den Charakter „ewig“ – nicht als Zeitangabe, sondern als Qualitätsangabe. Etwas Göttliches. Und das, nicht weil ich so toll bin, sondern weil Gott mich damit beschenkt.

 

Im Rückblick auf 60 Jahre Gottes Spuren zu entdecken, das war für mich eine ganz wunderbare Zeit. Dankbar bin ich geworden für das, was war. Aber prägt es auch den Ausblick auf das kommende Leben? Für mich hat ein neues Lebensjahr begonnen – wir alle stehen am Beginn eines neuen Jahres. Wie blicken Sie auf das neue Lebensjahr?

Wieder auf Vorhaben setzen? Wieder etwas leisten wollen?
Vielleicht auch im geistlichen Bereich? Mehr beten, mehr Bibellesen, mehr Zeit zum Innehalten, mehr Zeit für Gott?

 

Ich will einen anderen Ausblick wagen: Ich will die Perspektive wechseln. Auf das Blicken, was mir geschenkt ist. Und so gelassen auf das neue Jahr schauen. Es wird sicher herausfordernde Tage geben. Es warten Aufreger auf mich und Momente, wo der Terminkalender überläuft.  – Da hoffe ich, dass ich mich an den Johannestext erinnere, der mir am ersten Sonntag im Jahr sagt: hey! Entspann Dich! Du bist OK! Nimm den Druck weg und verstehe dein Leben als ein Geschenk. „Wache auf, mein Herz, empfange neuen Segen! Gott hält ihn für dich bereit.“

So endet ein Morgenlied, das ich derzeit manchmal mit meiner Frau am Frühstückstisch singe. Es tut so gut, wenn ich mir immer wieder bewusst mache, was Gott alles für mich, für uns bereithält.

 

Amen