Hier bin ich!

„Hier bin ich“, hat Abraham gesagt und sich auf Gott eingelassen. Dass es in dieser Geschichte in erster Linie um Gottes Treue geht, das ist erstmal gar nicht so klar. Daher reinhören. Mitfeiern und sagen: „Hier bin ich, Gott!“ Das genügt. Alles andere ergibt sich dann.

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Ich bin wütend. Nicht grundsätzlich. Aber dieser Text macht mich immer wieder wütend. Zunächst wenigstens, im ersten Moment.

Man muss sich das mal vorstellen: Da wird ein Vater aufgefordert, Gott seinen Sohn zu opfern. Und das nur, um seine Loyalität unter Beweis zu stellen. Wow, wie übel und heftig.

Meine erste Reaktion auf diesen Text ist immer die gleiche, obwohl ich den Text schon so oft gelesen habe: Ich bin auf Gott wütend.

Wie kann Gott so etwas Unmenschliches und Grausames verlangen? Einfach fürchterlich.

 

Diese Wut macht es mir schwer, lähmt mich fast, hier ein wohlwollendes Gottesbild herauszulesen. Mir fehlt fast die Motivation mich dem Text auseinanderzusetzen.

Doch so ist das mit der Bibel. Ich darf immer wieder mit ihren Worten ringen. Das ist anstrengend, herausfordernd, aber auch das was mich an der Bibel und an diesem Gott begeistert: die Auseinandersetzung. Nicht einfach nur schwarzweiß.

 

Also versuche ich mich dieses Mal darin, mich dem Inhalt des Bibelwortes auf andere Weise zu nähern.

Ich möchte es mit Abrahams Treue zu Gott versuchen.

Gott ruft Abraham. Und Abraham als treuer Glaubender antwortete: „Hier bin ich“.

Gott ruft – Abraham antwortet. Er zögert nicht, sondern stellt sich Gott.  Abraham weiß nicht, was Gott von ihm möchte, aber er stellt sich dieser Spannung.

Und dann gibt Gott ihm diesen wirklich menschenverachtenden Auftrag.

Abraham widerspricht Gott nicht. Nein, er macht es so, wie Gott es ihm gesagt hat. Abraham steht in seiner Treue zu Gott.

„Hier bin ich“, das sagt er auch zu seinem Sohn auf dem Weg zur Opferstätte, als dieser fragt, wo das Tier sei, das geopfert werden solle. „Hier bin ich, mein Sohn“, sagt er und beruhigt das Kind. Sich vielleicht auch?

„Hier bin ich“, antwortet Abraham dann, als der Engel ihn ruft, um das grausame Schauspiel zu beenden.

Abraham ist Gott treu. So treu, dass er alles, was Gott ihm als Auftrag geben würde, ausführt.

Das kann einen schon wütend machen. Wütend machen gegen Gott, aber auch gegen Abraham. „Hat Treue nicht Grenzen? Wie kann Abraham nur so hörig sein?“ oder „Was bildet sich Abraham eigentlich ein, seinem Sohn das Leben zu verwehren, nur weil Gott es so will?“. Das alles schwirrt durch meinen Kopf.

Der Text macht mich aggressiv. Vielleicht auch, weil es meine Treue zu Gott hinterfragt. Treue ist ja ein entscheidendes Element, wenn es um die Beziehung zu Gott geht.

Im Glauben geht es um Treue und Loyalität. Abraham hört und ist im weiteren Verlauf treu und loyal.

 

Er antwortet auf Gottes Treue zu ihm mit Treue zu Gott.

Gott hält treu an der Beziehung zu jedem Menschen fest. Von Geburt an. Es ist der Mensch, der diese Beziehung immer wieder in Frage stellt. Nicht Gott. Und wenn ich mich für eine Beziehung mit Gott entscheide, dann ist die Frage: Wie treu bin ich?

 

Gottes JA zu jedem Menschen steht fest. Dieses JA hat aber auch Inhalt.  Es beinhaltet, dass Gott mich begleitet von der ersten bis zur letzten Sekunde meines Lebens. Dieses JA gilt. Ob ich an Gott glaube oder nicht.

Wer selbst zu Gott JA sagt oder wie Abraham sagt, „Hier bin ich“, der nimmt Gottes Angebot an, sich bewusst auf eine Beziehung mit ihm einzulassen.

„Hier bin ich“. Das heißt auch: Ja, Gott, ich will mit dir in Beziehung sein. Mit dir unterwegs sein.

 

Aus einer bisher passiven, einseitigen Treuebeziehung, wird eine aktive beidseitige Treuebeziehung.

 

Und das hat eben Folgen.

Wer in einer Beziehung lebt, der fragt nach dem anderen, tauscht sich aus. Du bist mir treu und ich bin dir treu. Das kann auch ein Wagnis sein. „Hier bin ich“, wer das sagt, der weiß vielleicht nicht, was kommen wird. Der gemeinsame Weg mit Gott kann herausfordernd sein. Kann ich mich darauf einlassen? Kann ich mich blind auf diesen Weg einlassen? Wie viel Vertrauen braucht es dazu?

 

Das ist für mich, als moderner Mensch recht schwierig. Ich bin es gewohnt, dass ich das letzte Wort habe. Doch hier verhält es sich anders. In der Beziehung mit Gott, lasse ich mich auf einen gemeinsamen Weg ein. Ich will ihm vertrauen, dass er einen guten Weg für mich hat. Ich muss was wagen, vermeintliche Sicherheiten loslassen, losgehen, hoffen, dass Gott wirklich dabei ist, wenn es zu schwierige für mich mit.

 

Dass dies schwierig ist und Mut verlangt – keine Frage.

Aber genau das ist die Geschichte von Abraham: So absolut treu wie Abraham hier geschildert wird, so treu ist Gott. So unwirklich, fürchterlich treu ist Gott zu mir. So treu, dass ich es nicht glauben, fassen und wahrhaben kann. So treu, dass ich wütend und aggressiv werde, weil ich nicht glauben kann, dass jemand so treu sein kann. Weil es vielleicht auch gar nicht Menschen möglich ist. Und Gott weiß es. Er verlangt es letztendlich nicht. Er verlangt nicht nach dem Opfer.

Nein, Gott selbst wird sich zum Opfer seiner Treue machen. In Jesus. Und damit sagt er zugleich: Ich, Gott, habe mich für unsere Beziehung geopfert, damit du siehst, wie treu ich bin in meiner Beziehung zu dir. Sag du nur zu mir: Hier bin ich. Lass dich auf die Beziehung zu mir ein. Auf einen gemeinsamen Weg.

 

Gott will mir mit dieser Geschichte von Abraham Mut machen, mich auf Gottes Weg einzulassen. Weil er mir drei Dinge damit zeigt:

Erstens: Ganz gleich, was auf diesem Weg passieren wird – Gott wird bei mir sein. So treu, dass ich es kaum glauben mag.

Zweitens: Mag der Weg noch so schwierig sein, es wird gut werden.

Drittens: „Hier bin ich“. Nur wenn ich das sage und mich auf Gott einlasse, werde ich den Glauben und die Kraft entdecken, die in dieser Beziehung mit Gott stecken. Gottes Verlässlichkeit und Stärke, so wie die tiefe Sicherheit in Gott geborgen zu sein, auf allen Wegen.

 

Hier bin ich!

Gott, lass uns zusammen losgehen.

 

AMEN