Foto: erstellet durch KI, Le Chat

Du, der Adler

Wie ein Adler fühle ich mich oft nicht. Eher wie ein Maulwurf: Immer nur Erde umwälzen. Im Dunkeln. Ein Mal ein Adler sein?! Gott bietet es mir an. Wow!

Wochenspruch  – 1. Petr 1, 3

Psalmgebet – Ps 116, 1-9.13

Predigttext   – Jes 40, 26-31

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ein Postkartenspruch! Ich liebe ihn! „Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt,

sie laufen und werden nicht müde.“ Ja, genau so soll es sein. So will ich Gott erleben: als eine Kraft, die mich in die Lüfte hebt; die mich durch den Wind und die Stürme trägt; die mir niemals die Puste ausgehen lässt und mich trotz Fußschmerzen springen lässt. Ich werde einfach nicht müde! Schön wär’s… Und dann blicke ich zurück. Hab ja auch schon ein paar Jahrzehnte Glaubensleben hinter mir. Wie war das mit der Kraft? Mit den Stürmen? Mit der Puste?

Da gab es so manche Herausforderung und manchen Tiefschlag. Wie bin ich da durchgekommen? Mit Tränen, mit Klagen, mit vielen Zweifeln und teils großer Verzweiflung, mit schlaflosen Nächten und Tagen, die mühevoll und kraftzehrend waren. Und ich bin da durchgekommen mit einem großartigen Partner, einer Familie, die da war, wenn man sie brauchte, guten Freunden und ja: mit Gott. Ja, ich war müde, ja, ich hatte keine Kraft – vom Fliegen mal ganz abgesehen – ja, es ging manchmal nur sehr langsam bergauf und ja, es gibt immer noch genügend Herausforderungen. Und doch: Ohne Gott, wäre ich wahrscheinlich in der Kraftlosigkeit stecken geblieben und die Müdigkeit würde mich lähmen. Aber so war und ist es nicht. Ich komme da immer wieder heraus. Es geht immer wieder mit neuer Kraft weiter. Es gibt immer wieder Perspektiven. Da ist immer wieder eine Hoffnung, die weiterträgt. Der Bibelvers und Postkartenspruch ist meine Wahrheit: „Die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde.“ Ich weiß wovon der Prophet hier spricht und doch kommen mir diese Verse so groß vor, dass sie gar nicht richtig in mein kleines Leben passen wollen. In mein kleines Glaubensleben passen wollen. Aber vielleicht ist genau das dann auch der Wert und Schatz dieser Verse und der ganzen Verse, die heute der Impulspredigt zu Grunde liegen. Die Worte des Propheten Jesaja sind groß. So groß, dass sie mich mitnehmen in eine Weite und Höhe, dass ich anders auf mein Leben schauen: gnädiger, freundlicher, getrösteter, irgendwie gelassener, zufriedener, heiler… Wie schaffen das diese Worte? Denn wenn ich das weiß, dann kann ich sie mir immer wieder in diesem Geist zurufen, als Mutmacher und Hoffnungsspender in kraftlosen, müden Tagen.

Wie schaffen es diese Worte, eine solch große Hoffnung zu vermitteln, dass das gelingt.

Sie schaffen es so:

  1. Sie sprechen von einem Gott, der der Schöpfer aller Dinge ist. Gott ist grenzenlos. Er steckt hinter allem und in allem. Die Worte aus dem Buch Jesaja erreichen Menschen, die gerade im Exil sind. Sie leiden unter Fremdherrschaft. Wahrscheinlich sind sie sehr müde, sehr matt, sehr kraftlos. Sie finden sich in einer Kultur wieder, die die Gestirne im Himmel als Götter ansehen. Und dieser Text sagt: Auch hinter diesen Gestirnen steht Gott. Er hat die Sterne gemacht. Er ist der Ursprung und die Kraft, die in allem steckt. Diese Größe Gottes wird noch verstärkt. Unser Gott ist ein ewiger Gott. Er war und ist und wird immer sein. Gott umfasst Raum und Zeit. Und wenn das so ist, kann ich niemals verloren gehen, denn überall ist Gott für mich gegenwärtig. So gegenwärtig, dass dieser große, ewige Gott ganz nah ist. Er ist, der den Müden Kraft gibt und den Schwachen aufhilft. Dann sieht er das also? Ist ganz nah dran an seinen Menschen. An dir. An mir. All das ist es, was der Hoffnung zugrunde liegt. Einer Hoffnung, die sagt: Ich kann auf diesen Gott setzen, weil er genau so ist. Groß. Allumfassend. Ewig und sehr nah.
  2. Diese Bibelverse zeigen nicht nur, worin unsere Hoffnung begründet liegt, sondern auch wie hoffnungsvoll leben aussieht. Es heißt in Vers 31: Aber alle, die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft. Oder wie es in der Lutherübersetzung heißt: … die auf den Herrn harren. Das macht es dann anschaulicher, denn in dem hebräischen Wort, das mit harren oder hoffen übersetzt wurde, steckt so etwas wie „hoffnungsvoll erwarten“ drin. Also eine ganz aktive Form des Wartens. Wer müde ist, wer kraftlos ist, der ist nicht zum Ausharren verdammt, sondern darf hoffnungsvolle erwarten, dass da neue Kraft kommt. Dass Gott sich zeigt in neuen Lebensperspektiven. Erwartungsvoll hoffen, das ist beten und in Beziehung bleiben mit Gott. Du, Gott, kannst mir Kraft geben beim Durchhalten. Du, Gott, kannst mir ein Licht zeigen in meinem dunklen Tunnel. Du, Gott, lass mich spüren, dass du da bist. Das ist kein Stillstand. Das ist Aktivität, trotz Kraftlosigkeit. Wer auf Gott harrt, wer aktiv auf ihn hofft, der bekommt neue Kraft. Und hoffnungsvoll leben in Zeiten der Not, das geht nicht nur allein im stillen Kämmerlein. Das geht auch mit anderen zusammen. Wir können uns anstecken damit. Mit dieser Hoffnung. Uns gegenseitig mitnehmen oder auch mal tragen. So geht hoffnungsvoll leben. Diese Verse laden uns dazu ein.

Und dann 3. Der Text schafft Hoffnung, weil er kein Trosttext ist. Keiner, der nur tröstet, nur ein Pflaster über die Wunde klebt. Braucht es manchmal auch. Diese Verse aus dem Propheten Jesaja gehen aber deutlich weiter. Sie sprechen von einer so mächtigen Kraft, die Gott hat, dass sie mehr sind als Trost. Sie sprechen von einem Heilwerden durch Gott. Mein Körper, meine Seele bekommen Kraft. Damit ändert sich oft nicht die kräfteraubende Situation, aber ich bekomme Kraft neue Hoffnung zu schöpfen, tatsächlich durchzuhalten, neue Gedanken zu denken. Die Kraft Gottes lässt mich spüren, dass ich nicht allein bin, sondern ich und mein Leben in ein größeres Ganzes eingebettet sind. Ich bin mit anderen Menschen unterwegs. Ich bin mit Gott unterwegs. Auch diese Gedanken sollen mir Kraft geben. Und das ist eben mehr als Trost. Dieses Heilwerden ist immer auch ein Stück Neuwerden. Bringt Erneuerung mit sich. Die Hoffnung von der die heutigen Verse sprechen, sie verweist auf einen Gott, der nicht nur tröstet, sondern heil macht und mein Leben erneuert. Neu ausrichtet. Immer wieder.

Seit Ostern sind erst wenige Tage vergangen. Ostern ist das Fest der Erneuerung. Des neuen Lebens. Darin steckt eine riesen große Kraft. Sie soll uns nicht ausgehen und dazu trägt auch der heutige Bibeltext bei. Und wenn mir dann doch die Puste ausgeht… Dann ist es Zeit für die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja:

31Aber alle, die auf den Herrn hoffen,

bekommen neue Kraft.

Sie fliegen dahin wie Adler.

Sie rennen und werden nicht matt,

sie laufen und werden nicht müde.

Amen.