Ich bin da

Es gibt Worte, die begleiten einen durch das ganze Leben. Sie sind wie ein Schutzschild oder ein Zufluchtsort in der Not. Heute hören wir solche Worte. Von einem Verzweifelten. Und von Gott selbst.

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Es gibt Worte, die tragen durchs Leben. Worte, die die Seele streicheln, die Kraft und Hoffnung geben. Die mutig und stark machen. Die uns mit anderen verbinden. Worte, die wie eine schützende Hülle um uns gelegt werden.

Mit den Worten aus dem Buch des Propheten Jesaja ergeht es mir so. Diese Worte sind ein Versprechen. Ein Versprechen, auf das ich voll setzen möchte. Das ich mir immer wieder laut in Erinnerung rufe, wenn es im Leben nicht so läuft, wie es soll. Gerade dann sind die Worte am Ende des Textes mir Halt: „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ Mich begleiten die Worte schon lange. Als mein Mann und ich vor vielen Jahren überlegt haben, welchen Bibelvers wir unserer Tochter bei ihrer Taufe mit auf den Weg geben wollen, da kamen uns genau diese Worte für sie in den Sinn. Sie selbst wählte sich die Worte dann auch zu ihrer Einsegnung aus. Heute werden Sie hier keine Impulspredigt hören, sondern einen Poetry über diese Worte, eine Art modernes Gedicht. Ich habe diesen Poetry damals zur Einsegnung für meine Tochter verfasst, um ihr diese wichtigen Worte noch auf andere Weise nahezubringen. Um sie in ihren Alltag hinein zu holen. Letztendlich ist so ein Poetry dann doch eine Predigt. Vielleicht treffen, berühren, umhüllen, streicheln oder trösten auch Sie diese alten Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja heute noch einmal neu:

Ich steh Kopf

Alles verdreht

Mir schwindet die Kraft

Der Saft abgedreht

 

Gestern noch froh

Gelobt und gebetet

Die Sonne gesehen

Mit Gott geredet

 

Heute stockt mir der Atem

Die Angst sitzt im Nacken

Es gibt solche Tage

Ich will sie weg-packen

 

Da fühl ich mich mies

Hab andre verraten

Hab Schutt auf mich geladen

Leide unter den Taten

 

Da war ich voll Hoffnung

Träumte von dem Job

Träumte von der Kohle

Doch eine andere war Top

 

Da haut es mich weg

Weil Liebesentzug

Er findet was Besseres

Ich nenn es Betrug

 

Da wird einer krank

Oder ist dann mal weg

Gestorben, verunglückt

Jetzt hab ich den Dreck

 

Ich bin nun ganz unten

Das Herz weint so laut

Alles Leben ist schwer

Nichts ist mehr vertraut

 

Wo ist nun der Gott

An den ich doch glaubte

Von dem alle reden

Auf den ich selbst baute

 

Ich spüre so wenig

Von ihm und der Kraft

Die er mir versprach

Und Mut mir verschafft

 

Mut zu bestehen

Um das auszuhalten

Was im Leben passiert

Und doch Leben zu gestalten

 

Die Berge weichen

Die Hügel fallen

Nichts ist wie es ist

Auch ich bin gefallen

 

Ich liege am Boden

Ich wein’ und ich schrei

Verzeih!

 

Hast du nicht gesagt

Du bist für mich da?

Mit Gnade und Frieden

Ist das nicht wahr?

 

Du hast es versprochen

Ich nehm dich beim Wort

Du willst zu mir stehen

Du gehst niemals fort

 

Ich nehm dich beim Wort

Ich forder es ein

Ich will deine Gnade

Und nicht nur den Schein

 

Ich halt an dir fest

Auch wenn ich jetzt schrei

Mich wirst du nicht los

Du kommst nicht vorbei

 

Hab ich das gesagt

Oder kommt das von dir

Ist das, das Versprechen

Redest du so zu mir?

 

Wenn alles fällt

Und ich mit dazu

Brauch ich einen der da ist

Der mir schenkt neue Ruh

 

Das Auge im Sturm

Der Ausweg in Not

Das Netz überm Boden

Das rettende Boot

 

Gnade ist glauben

Trotz aller Fragen

Das schenkst du mir

Ich kann nicht verzagen

 

Wenn alles sich ändert

Das Leben Kopf steht

Bleibst du bei mir

Bis alles sich legt

 

Wenn Berge weichen

Und Hügel fallen

Bist du mein Halt in aller Not

Weil du mich liebst bis durch den Tod.

 

Amen