Fasten, aber richtig
Die Kirche hat die Fastenzeit ausgerufen, also verzichten! Aber worauf? Auf etwas, das wir gar nicht auf dem Schirm haben und doch immer.
Die Kirche hat die Fastenzeit ausgerufen, also verzichten! Aber worauf? Auf etwas, das wir gar nicht auf dem Schirm haben und doch immer.
Weihnachten vorbei, Fasching vorbei, Schluss mit Feiern, jetzt mal Pause. Wird ja auch irgendwann anstrengend. Weniger machen, weniger essen, vieles runterfahren und merken: Das Leben ist gar nicht so schlecht. Fasten ist lange wieder angesagt und geht auch ohne Kirche, auch wenn‘s dort immer eine große Rolle spielt. Fasten kann man aber so oder so machen. Beliebte Variante 1: Ich verzichte, verlange mir was ab, diszipliniert gegen mich selbst beweise ich mir: Ich kann auch ohne Alkohol, Zigaretten, Fleisch. Variante 2: Ich verzichte auf Ablenkung wie Fernsehen und Social-Media, konzentriere mich auf mich selbst und merke, was ich wirklich brauche. Gibt aber noch Variante 3: Ich befasse mich gar nicht mit mir, weder mit meinem Konsumverhalten, noch mit meinen Bedürfnissen, sondern faste sozusagen mich selbst und frage stattdessen konsequent: Was brauchen andere? Und das mache ich. So haben Leute in der Bibel das gemacht und gemerkt: Wer verzichtet, macht alle reicher.
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Der Beitrag ist insofern interessant, weil er ein Zeitzeugnis unseres Zeitgeistes ist. Die Frage „wie fasten“ dreht sich im Beitrag eigentlich ums eigene Wohlbefinden.
Es kann durchaus sein, dass Fasten von Gott her, dem eigenen Wohlempfinden dienen soll oder gesundheitlich extrem viel Sinn macht (sprich Entschlackung oder mal einen anderen Stoffwechsel-Modus des Körpers in Aktion bringen), aber der Zeitgeist einer anderen Epoche sagt uns etwas anderes.
Ich glaube da, dass der Film über Zwingli in der Schweiz hier verwendet werden kann, um den Zeitgeist der damaligen Zeit zu verstehen. Man befriedigte die Erwartungen der Kirche und die Kirche gab im Gegenzug die Sakramente, die dann letztendlich Himmels-hilfreich sind oder waren oder sein sollten.
Angst regierte die Menschen. Was passiert, wenn ich das Fasten breche oder mich sonst irgendwie «unchristlich» verhalte, auch im direkten Vergleich zum Nachbarn? Ich will nicht über diese Zeit lästern, ganz ganz Viele konnten nicht lesen und waren auf Infos aus 2. Hand angewiesen oder auf die Predigt von der Kanzel runter.
Ich beobachte seit Monaten sog. Vereinfachungen. Eine Vereinfachung war, nicht auf Gott oder Bibel zu hören, sondern auf die Kirche. Sie weiss es besser, was für den Alltag zählt. Man kann streiten, ob es eine Vereinfachung ist. Tatsächlich war es eine Vereinfachung, denn der Gläubige war quasi aus der Verantwortung, wenn er Kirchengebote einhielt.
Ein Beispiel für Vereinfachung ist das sog. Fegefeuer. Es besagt, dass kein getaufter Katholik in der Hölle landen wird, sondern ein sündiger Egoisten-Katholik muss halt ein wenig länger sich im Fegefeuer quälen lassen für sein begangenen Sünden.
Die evangelikale Szene brandmarkt diese «Vereinfachung» und schickt schwarz-weiss ohne Wiedergutmachungsmöglichkeit durch Leiden die Leute direkt in den Himmel oder direkt in die Hölle. Das hat eine Brutalität, die nicht so offensichtlich ist, aber wird dadurch weich gemacht, dass man «allein aus Gnade durch Gott» als evangelischer Christ viel leichter in den Himmel kommt. Auch eine Vereinfachung.
So und was gilt jetzt beim Fasten: Was ich mir gemerkt habe: Zur Verstärkung einer Bitte vor Gott, soll sich Fasten lohnen. Es hat wahrscheinlich auch den Effekt, dass man die Willenskraft auf eine Bitte stärker richtet und Gott dann viel lieber seine Hebel in Bewegung setzt. So können wir Fasten zur Beendigung des Ukraine-Kriegs aus mehreren Gründen.