…der mich sieht
Wichtiger, als zu sehen, wie mein Leben verlaufen wird, ist: dass jemand mich sieht, wenn ich mein Leben lebe.
Wichtiger, als zu sehen, wie mein Leben verlaufen wird, ist: dass jemand mich sieht, wenn ich mein Leben lebe.
Wäre ja schön gewesen, das neue Jahr wäre nicht nur neu, sondern auch anders als das alte. Aber irgendwie ist es wie vorher: Krise und Krieg. Und ich ertappe mich dabei, dass ich entweder versuche, das alles auszublenden und mir zu sagen, „egal, interessiert mich nicht“ oder in Ratlosigkeit und Verzweiflung zu versinken, „wie soll ich da heil durchkommen?“. Gut ist beides nicht. Aber was hilft dann? Die Kirchen haben schon vor drei Jahren ein Motto für dieses Jahr ausgesucht und mich erstaunt, wie sehr es passt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Sagt in der Bibel eine Frau, die in einer Vollkrise steckt. Aber Gott sieht sie und sie spürt das und es gibt ihr Kraft: in der Krise nicht allein zu sein, in der Verzweiflung und Ratlosigkeit nicht nur die eine Richtung zu kennen, nämlich noch tiefer rein, sondern die Richtung raus zu finden. Weil mich der Gott aus der Bibel sieht und dann auch mitgeht, damit Krieg und Krise nicht die Oberhand gewinnen, auch wenn es sich für mich so anfühlen sollte.
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Dieser ganze Bibelabschnitt, in dem es um die Verheissung (Voraussagung incl. Zusage) geht, dass Abraham der Stammvater aller Völker zwischen Nil und Eurphrat wird, also der Israeliten und aller Araber, ist äusserst komisch (1. Mose Kapitel 15 und 16), wenn man seine extrem bedeutsame Bedeutung bedenkt. Komisch, in vielerlei Hinsicht: Da werden Tiere zerteilt und eine Taube getötet. Abraham muss Raub-Vögel daran hindern, das Fleisch nicht zu essen. Dann verfiel Abraham in einen Schlaf und träumt eben, von der Zeit in der die Israeliten hunderte von Jahren Sklaven in Ägypten sein werden und ein rauchender Ofen in dem eine Feuerflamme zwischen den Stücken (anzunehmen Holzstücke), da rumflackert, soll eben diese übergalaktische Bedeutung haben (Wird da reingepfuscht?).
Ich würde am liebsten daran glauben, dass diese Sachen alle eine ganz besondere Bedeutung haben, wie in einem Zauberbuch (wie sich sich Raubvögel die Religion anreissen).
Doch noch weiter erstaunlich ist die wenige Kommunikation zwischen Gott und Abraham über seine Nachkommenschaft. Wenn da stehen würde: Und Abraham betete immer wieder um das Thema „Nachkommenschaft“ und Gott sagte immer wieder: Hab Geduld mein Junge, das wird schon noch. Nein, jahrzehntelanges Schweigen von Gott. Bis sich eben Sarei (seine Frau, so verführerisch wie Eva) zu diesem Deal hinreissen lässt, den Vorschlag zu machen, doch ersatzweise die Magd zu schwängern. Sarei bekam wahrscheinlich schon ewig lang keine Periode mehr und war auch schon viel zu alt (eigentlich), um noch ein Kind zu bekommen, rein menschlich nachvollziehbar.
Erstaunlich ist die Hirarchie, zwischen Abraham, Sarei und Gott. Die hagere Magd, die ein Kind bekommt und dann sich mit Sahra nicht verträgt, wird für ihr hochmütiges Verhalten nicht von Abraham „gezüchtigt“? „gedemütigt“?, sondern Abraham sagt: Mach Du das Sarei. Die Magd haut vorher ab. Ein Engel redet mit Hagar der Magd, aber den Engel darf sie nur von hinten sehen (dann die Jahreslosung 1.Mose16,13 incl. Irrtum (Engel sieht oder Gott?)).
Gott redet direkt mit Abraham, aber mit Sarei redet Gott nicht und mit der Magd nur mit Hilfe eines Engels. Nun will man uns an-empfehlen, dass Gott ständig unser Gebet hören will. Gott schweigt aber jahrzehntelang, selbst bei einem Abraham.