Liebe hat Folgen

Alles hat seine Konsequenzen. Alles? Auch die Liebe? Auch die Liebe bleibt nicht ohne Folgen – wir werden davon heute hören, schön, dass Sie dabei sind.

Wochenspruch – Röm 5, 8

Psalmgebet – Ps 25,1-9

Predigttext – Joh 3, 14-21

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

2 Kommentare
Kommentare
  1. Reiner Kohlhammer
    Reiner Kohlhammer aus Pearland/Texas derzeit sagte:

    Liebe Anja,
    von Herzen Dank für deine existentiell tief in meine Seele gegangenen Gedanken. Mögen sie ganz viele Leute lösend erreichen 🙏🙏.

    🙌 Sorry – noch ein ganz persönlich erlebter Impuls dazu:
    Gegen Schluss sagst du mehrfach ‚wer geliebt wird‘ … Da hab ich schon länger entschieden, zu sagen ‚wer sich geliebt erlebt … ‚.
    Aber du bist und bleibst gleichwohl du!!!🥰

    Herzliche Grüße aus dem familiären Lebensfeld von Tochter Antje in Texas. Heut in 1 Woche geht’s zurück.

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Wer will denn nicht geliebt werden? Natürlich will jeder geliebt werden? Quatsch – so selbstverständlich ist das gar nicht. Es gibt Menschen, denen macht die Liebe Angst. Liebe ist ihnen zu viel. Sie erdrückt sie. Sie können sie nicht annehmen. Und warum nicht? Das ist komplex, aber ein Grund ist der gleiche, warum andere sich nach Liebe sehnen: Weil Liebe Konsequenzen hat. Folgen, die die meisten als wohltuend empfinden, nach denen sie sich sehnen. Eine Frau schrieb mir auf die Frage, ob Liebe Konsequenzen hat über Social Media, dass die Liebe immer Konsequenzen hat. Nur gute und dass die zu benennen schwierig ist, da es unendlich viele gibt. Es ist nicht möglich sie alle aufzuzählen. Ich denke, dass es vielleicht deshalb so schwierig ist, weil die Liebe so vielfältig ist, wie wir Menschen. Zu beobachten ist aber eben auch, dass die Liebe, dennoch bei Manchen Ängste auslöst. Weil die Liebe Folgen hat und das auch Veränderung heißt und Veränderung kann Angst machen.

 

Liebe ist also ziemlich schwierig. Dennoch versucht es einer gerade über diesen Weg, die Menschen zu erreichen: Gott. Und zwar alle Menschen. Das sagt der heutige Predigttext aus dem Johannesevangelium. Und wie immer, wenn es um Johannes geht, steckt in dem Text ganz der Johannes, also der Schreiber selbst. Seine Erkenntnis und sie dient der Offenbarung Gottes. Johannes ist wie ein Übersetzer. Er übersetzt, was die Menschen damals erlebt haben, damit ich weißdas auch heute erleben kann. Damit ich weiß: Das gilt auch mir. Und vor allem erkennen kann: So ist Gott.

Wie ist also dieser Gott von dem Johannes heute spricht? Es ist ein Gott, der liebt. Der aus Liebe alles gibt. Der keine Grenzen kennt in seiner Liebe. Dessen Liebe so groß ist, dass ich sie gar nicht fassen und beschreiben kann, dass jedes Wort zu wenig und nicht annähernd reicht, um zeigen, wie Gottes Liebe ist.

Johannes probiert Gottes Liebe daher auf einem ungewöhnlichen Weg zu beschreiben. Er sagt zum einen:

Gottes Liebe geht voll in die Vollen. Gott ist in Jesus Mensch geworden und deshalb ist er auch den menschlichen Weg gegangen. Was auch heißt, dass er selbst sterben muss. In seinem Fall sogar noch auf grausame Weise. Er wusste das und ist ihn trotzdem gegangen, diesen Weg: aus Liebe. Aus Liebe zu uns, damit wir keinen fernen Gott haben, sondern einen nahbaren. Einer, der Menschsein kennt. Der nicht von oben herab, sondern aus der Mitte der Menschen heraus seine Liebe zeigt. „16Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab.“ Der Sohn ist Gott selbst. Damit hat Johannes Gottes Liebe erstmal eine unendliche Weite gegeben, weil seine Liebe, das Schlimmste, den Tod, nicht fürchtete.

Und im nächsten Schritt erklärt mir Johannes, was das für Konsequenzen hat. Also wie diese Liebe aussieht. Was sie vermag. Und vor allem, was sie nicht ist. Ein Urteil. Ganz im Gegenteil. Es ist eine Rettungstat. Gott liebt, um zu retten.

Liebe kann ich annehmen oder ablehnen. Das gilt auch für Gottes Liebe. Aber Gott verurteilt mich nicht, wenn ich das tue. Er liebt trotzdem – alle. Ich bin es die entscheidet, für mich. Ich spreche mich dafür oder dagegen aus. Und natürlich hat beides Konsequenzen, aber nicht Gott zieht sie, sondern ich. Nehme ich die Liebe an oder besser gesagt für mich in Anspruch, dann kann ich all das positive einer bedingungslosen Liebe erfahren. Tue ich es nicht, erfahre ich es auch nicht.

Johannes will mir Mut machen, dass ich Gottes Liebe annehme. Damit ich auf Entdeckungsreise gehen kann. Klar, wird sich mein Leben dadurch verändern. Aber davor soll ich keine Angst haben, denn diese Veränderungen werden mir gut tun. Woran ich das festmache an diesem Text?

An dem Licht von dem Johannes spricht. Gottes Liebe bringt Licht in die Welt. Licht macht hell. Licht wirft aber auch Schatten. Erst mit Licht sehe ich auch Schatten. Licht bringt den Unterschied. Es könnte also auch heißen. Die Liebe macht das Leben hell. Sie bringt das Gute und Schöne hervor. Aber weil ich mit Liebe auf alles schaue, sehe ich auch, wo sie fehlt. Sehe das Dunkel. Sehe die Not. Auch meine eigene. Vielleicht auch, warum es mir schwer fällt, Liebe anzunehmen. Wenn ich mich selbst mit Gottes liebenden Augen betrachte und merke, wie schwer es mir fällt die Liebe Gottes anzunehmen, da fallen mir dann vielleicht meine Verletzungen auf, die mich hart gemacht haben. Die mich dazu gebracht haben, einen Schutzwall aufzubauen. Auf Abwehr zu gehen. Das loszulassen, das niederzureißen, Liebe zuzulassen, das kann mir dann Angst machen. Weil ich Angst habe, vor Verletzungen.

Lass es zu, rät mir Johannes. Das Licht, die Liebe Gottes, kann die Finsternis hell machen, die Schatten vertreiben.

Das Licht macht den Unterschied. Die Liebe macht den Unterschied. Eine andere Person auf unseren Social Media Kanälen hat zu der Frage nach den Konsequenzen der Liebe geschrieben:

„Die Liebe hat Folgen – sie hinterlässt Spuren, wird weitergetragen und heilt Wunden. Deshalb – finde ich – ist die Frage: „Was würde die Liebe tun?“ immer ein guter Ratgeber. Denn allein diese Frage hat Folgen – Entspannung nämlich. Im Kopf, im Herz, im Bauch und in den Schultern.“ So eine SAtimme aus unseren SocialMedia Kanälen.

Die Liebe ist etwas ganz Wesentliches. Sogar etwas Körperliches.

Die Liebe verändert nicht nur mein Denken und damit höchstwahrscheinlich auch mein Handeln, sie wirkt sich sogar auf meinen Körper ganz direkt aus.

Wer sich geliebt weiß, der ist zu sich selbst liebevoller. Kann sich selbst annehmen und lieben oder lieben lernen.

Wer sich geliebt weiß, der entwickelt Stärke, ist mutiger.

Wer geliebt wird, ist hoffnungsvoller und zuversichtlicher.

Wer geliebt wird, ist liebevoller zu anderen. Kann mitleiden und sieht die Not.

Wer geliebt wird, findet Halt und Trost. Fühlt sich geborgen.

Wer geliebt wird, … ja, wer geliebt wird…—–

Ja, die Liebe kann unendlich viel und ist nicht zu fassen.

Johannes offenbart uns heute Gottes Liebe und immer wieder neu, wenn wir diesen Text lesen. Er legt seine Offenbarung der Liebe Gottes, Jesus in den Mund. Er lässt hier Jesus sprechen. Also Gott selbst. Das verstärkt seine Erfahrungen und Gottes Liebe wird zum Versprechen:

Ich liebe dich. Ich mache dein Leben hell. Die Frage: Was würde die Liebe tun? Ist eine gute Frage und mit Blick auf Gottes Liebe geht sie noch viel weiter und tiefer: Wenn Gott dich liebt – so wie Johannes gerade beschrieben hat – was würde das für dich ändern? Wie würdest du mit dieser Liebe leben?

Amen

 

Gebet

Wir beten mit den Worten, die Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zu beten gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

Amen.