Mach ich nicht!

Herzlich willkommen zu diesem kleinen gottesdienst von radio m.

In Krisen, in problematischen Situationen, in Auseinandersetzungen und Konflikten reagieren. Das bedeutet häufig schnell handeln. Reflexartig reagieren.

Wie wäre es, einen kühlen Kopf zu bewahren? Aber vor allem: Kurz innehalten und nach Gott zu fragen. Ihm zu vertrauen. Mehr als meinem spontanen Gefühl. Darum geht es heute.

Wir feiern zusammen im Vertrauen auf Gott:

Den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Amen

Wochenspruch – Gal 6, 2

Psalmgebet – Ps 42, 2-6

Predigttext – 1. Sam 1-20

2 Kommentare
Kommentare
    • Anja Kieser
      Anja Kieser aus Stuttgart sagte:

      Liebe „kleine gottesdienst“- Gemeinde!
      Ja, ihr habt es natürlich schon bemerkt: Wir haben den Gottesdienst zum Hören kompakter gemacht. Das liegt ehrlicherweise daran, dass ein paar unserer Autoren in den nächsten Monaten pausieren müssen und wir den „kleinen gottesdienst“ auf wenige Schultern verteilen müssen. Schreibt uns gerne, was ihr vermisst, was ihr euch wünscht und wie ihr gerne hättet, dass es weitergeht.
      Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen.
      Seid herzlich gegrüßt!

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Manchmal kommt es ganz anders als gedacht. Natürlich habe ich das auch schon oft erlebt.  Situationen, Begegnungen, die ich als schwierig eingestuft habe, haben sich zum Beispiel am Ende als richtig gute Begegnungen herausgestellt. Aber es ist ein manches Mal auch andersherum gewesen.

 

In unserem heutigen Bibeltext ist ein wunderbar menschliches Beispiel von geistlicher Größe, Vertrauen und Einsicht zu erleben. Mut und Zuversicht auf Gottes Wirken sind hier beispiellos.

 

Saul und David, beides große Führer des Volkes Israel, sind aneinandergeraten. Es hat Gründe gegeben, die aber jetzt nicht ganz so wichtig sind. Fakt ist, dass Saul irgendwann einen richtigen Hass auf David gehabt haben muss und er es sich zur Aufgabe machte ihn zu jagen und vermutlich auch zu töten.

Nun gerieten beide in eine Situation, in der David allerdings ganz unerwartet, die Oberhand erhalten hat und wenn er es gewollt hätte, dann hätte er es ausnutzen können.

David hatte die Möglichkeit, Saul ganz allein und überraschend zu begegnen und ihn ebenfalls zu töten.

Für David wäre es kein Probleme gewesen. Er wäre Sau losgeworden und hätte vermutlich für immer Ruhe gehabt.

David geriet also unerwartet in diese Situation, aber er nutzte sie nicht.

 

Nein, David entschied sich ganz bewusst dagegen. Er war der Meinung, dass nur Gott allein das Recht hat zu wissen, was die beste Lösung für diesen Konflikt ist. Er möchte kein Mörder sein und er möchte diese Situation nicht eigennützig für sich entscheiden, sondern Gott soll entscheiden, wie es weitergeht.

 

David sagt zu Saul: „13 Der HERR wird Richter sein zwischen mir und dir und mich an dir rächen, aber meine Hand soll nicht gegen dich sein“.

 

Als Saul erkennt: David wollte keine Schuld auf sich laden. Er entschied sich gegen eigenmächtiges Vorgehen. Gottes Wille wollte er befolgen und das hatte für ihn oberste Priorität.

Saul ist ergriffen von Davids Haltung.

Er erkennt, dass er im Unrecht gelebt und das er sich sowohl an David, als auch an Gott schuldig gemacht hat.

Das verändert die Situation zwischen den beiden Männern erheblich und die Geschichte entwickelt sich anders weiter, als man das hätte vor diesem Erlebnis ahnen können.

 

Je öfter ich diese Geschichte lese, desto beeindruckter bin ich.

Wow – David. Sehr vorbildlich. Hätte ich auch so reagiert?

Bei mir stelle ich fest, dass es oft eher so ist, dass ich eher versuche in Konflikten, meine Argumente zu verteidigen. Bin mehr bei mir, als bei den anderen.

Ich möchte das, was ich als richtig erachte, auch durchsetzen. Ich verfolge meine Ziele und Vorstellungen. Wie wäre es, wenn mir mein Gegner vor die Füße gelegt wird? Wie wäre es, wenn dieser Gegner mir dazu das Leben schwer machen würde, mir vielleicht sogar nach dem Leben trachten würde? Würde ich dann nicht die Chance ergreifen, mich diesem Gegner zu entledigen?

 

Davids Situation war lebensbedrohlich. Wie hätte ich regiert?

Wäre ich auch so barmherzig und klar gewesen wie David? Oder hätte ich die Situation anders gelöst?

Ich kann es nicht sagen.

Doch der Mut, den David hier zeigt, den Mut, in dieser Situation ganz Gott zu vertrauen, sich von ihm leiten zu lassen und nicht blind zu handeln, möchte ich mir zum Vorbild nehmen.

In vielen Konfliktsituationen.

Bei all dem, was ich verteidigen oder durchsetzen möchte, möchte ich versuchen, die Situation in Gottes Hand zu legen und darauf vertrauen, dass er mir den Mut gibt anders zu reagieren, als ich es normalerweise tun würde. Auch anders zu reagieren,  als mein Konfliktpartner es erwartet.

 

Hinter der Haltung Davids steckt wohl, dass David weiß, dass er ein von Gott geliebtes Kind ist. Aber eben auch Saul. Zu wissen und zu spüren, dass Gott ihn liebt, gibt ihm den Mut und die Kraft anders zu handeln, als erwartet. Und das verändert die ganze Situation. Das verändert David. Das verändert auch Saul.

 

Der Streit, der Konflikt wird auf eine höhere Ebene gebracht. Ich gebe mich wehrlos – ganz bewusst wehrlos, strecke sozusagen meine Waffen.

Wo die Liebe Gottes als Vorschuss gegeben wird, da kann die Situation überraschend anders werden. Da ist es möglich, dass auch plötzlich ein Gegner friedlich wird und in Liebe reagiert.

 

Die Erzählung von der Begegnung Davids mit Saul ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend, denn sie schenkt mir als Glaubendem drei Denkansätze:

  1. Den Feind zu lieben, geht nur, wenn ich Gott liebe und auf sein Handeln in meinem Leben vertraue. Es lohnt sich, diesen mutigen Schritt zu gehen, denn diese Liebe wird die  Situation von Hass in Liebe verändern.
  2. Auch wenn Menschen um mich herum erwarten, dass ich bestimmte Interessen gegenüber einem Konfliktpartner verteidige, so soll meine Treue zu Gott und mein Vertrauen in sein Handeln, größer sein. Nur dann werde ich Gottes wahre Größe in meinem Leben erleben können. Und:

 

  1. Gottes Größe und Barmherzigkeit, vor allem seine Liebe werden so offensichtlich. Sie bekommen durch mein verhalten ein Gesicht. Sei es in großen oder kleinen Konflikten. Dort, wo ich so reagiere, wird die Liebe Gottes immer größer sein, als der Hass.

 

Ich wünsche mir und uns, dass wir mutig werden, in Konflikten Gott mehr zu vertrauen, als unseren noch so nachvollziehbaren Vorstellungen von Konfliktlösungen. Dass wir erst nach Gottes Willen fragen. Konflikte, egal wie schwierig sie sein mögen, in Gottes Hand zu legen und zu versuchen so zu reagieren, wie David es getan hat.

Wenn uns das gelingt, dann werden wir wahre Wunder erleb. Davon bin ich überzeugt.

Amen