Mann und Frau Tragen einen Holzbalken
Foto: erstellt durch KI

Tipps aus der Bibel

Die gibt es reichlich. Nur hören reicht natürlich nicht, sie sollten auch umgesetzt werden. Impulsgeber ist Markus Bauder.

Wochenspruch   – Gal 6,2

Psalmgebet – Ps 42, 2-6

Predigttext  – Lk 6, 36-42

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Wann haben Sie sich das letzte Mal über jemanden aufgeregt? Also so geärgert, dass Sie im Stillen oder tatsächlich angefangen haben, laut zu werden und einem Anderen Vorhaltungen zu machen.

Das passiert gar nicht so selten, möchte ich mal vermuten. Also mir passiert das nahezu täglich. Weil der(!) oder die(!) irgendetwas gemacht oder nicht gemacht hat, wovon ich denke, dass man das tun oder nicht tun müsste. Häufig geht es dabei eher um Banalitäten. Da hat mir jemand den Parkplatz weggeschnappt, seinen Dreck nicht weggeräumt, hört zu laut Musik oder das Ei ist zu hart gekocht. Aber es geht auch schwerwiegender: Richtig kräftige Meinungsunterschiede. Oder es pflegt jemand einen in meinen Augen falschen Lebensstil, hat die falschen Überzeugungen oder Gewohnheiten. Vielleicht erlebe ich oder Sie sogar schwerwiegenden Ärger. Und es geht um echte Beleidigungen, Verletzungen oder Betrug. Jemand lügt mich an, nimmt mir was weg oder hintergeht mich und ich denke: Das geht einfach nicht!

Und Jesus sagt zu mir und uns: Du hast Recht! Du hast Recht!! Natürlich hast Du Recht. Dein Ärger ist wirklich berechtigt. Bei den Banalitäten kann man sich vielleicht darüber streiten, aber bei den schwerwiegenderen Dingen – Du hast Recht. Und ich denke, er versteht völlig, wenn wir so reagieren, wie „man“ das in solchen Situationen häufig tut: wenn wir laut werden, Fehlverhalten anprangern, oder den Rückzug antreten, oder das Ganze in uns hineinfressen… Das versteht er. Denke ich jedenfalls.

Aber vielleicht denkt er auch: So zu reagieren, wie „man“ das gemeinhin tut, hilft dir nicht weiter. Wenn du so reagierst, beruhigt das die Nerven nicht wirklich. Es löst keinen Konflikt, es schafft keinen Frieden, es schafft keine Freude, außer vielleicht Schadenfreude.

Und im Ernst, höre ich ihn manchmal flüstern – könnte es nicht auch anders gehen?

All das, was in einer solchen Situation weiterhilft und was Gott wichtig ist, entsteht nicht, wenn ich oder jemand anderer damit nicht beginnen. Und warum nicht ich? Und warum nicht jetzt?

Freude, Frieden, Gelassenheit, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit. Es braucht das Außergewöhnliche. Es braucht die Menschen, die die normalen Abläufe durchbrechen.

Und deshalb, denke ich, erhofft sich Jesus von seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern, dass sie nicht ins selbe Horn stoßen, wie alle anderen, sondern versuchen, den sogenannten Teufelskreis durchbrechen. Der ja nur deshalb so heißt, weil er uns dem Teufel näherbringt als Jesus.

Deshalb sagt er an etlichen Stellen in der Bibel Sachen wie „Segnet die, die euch verfluchen und bittet für die, die euch beleidigen“ (Lk 6,28). Oder „Sehet zu, dass keiner Böses mit Bösem vergelte; sondern jagt allezeit dem Guten nach, untereinander und gegen jedermann“ (1. Thess 5,15). Oder: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ (Rö 12,21).

Auch John Wesley, der Vater der Evangelisch-methodistischen Kirche, hat das als zentral und wichtig für Christen bezeichnet. Er fasst das Ganze mit seinen drei allgemeinen Regeln zusammen: Du sollst Böses vermeiden, Gutes tun und in der Liebe Gottes bleiben.

Jüngerinnen und Jünger Jesu unterscheiden sich von anderen Menschen. Nicht so sehr dadurch, dass sie einen Heiligenschein haben, sondern dadurch, dass sie sich anders verhalten.

Ein Pfarrer steigt in einen Bus ein. Er bezahlt den Fahrschein und stellt an seinem Sitzplatz fest, dass ihm der Busfahrer 2 Euro zu viel rausgegeben hat. Ein Weilchen überlegt er, was er jetzt tun soll, dann steht er auf, geht zum Busfahrer und sagt: „Entschuldigung, Sie haben mir vorhin 2 Euro zu viel rausgeben.“ „Ich weiß“, sagt der Busfahrer, „Ich war gestern bei ihnen in der Kirche, als sie über das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ gepredigt haben. Ich wollte mal sehen, ob Sie sich selbst daran halten.“

Christen bemühen sich im Zusammenleben um das Gute.

Möglichst barmherzig sein mit anderen, nicht zu richten und ständig Noten zu verteilen. Wir versuchen, nicht schlecht über andere zu reden. Auch dann nicht, wenn sie etwas Schlechtes getan haben.

Es ist viel besser, einander zu helfen, als einander zu beschimpfen. Es ist besser, großzügig zu sein als kleinlich. Es ist besser großherzig zu sein, als kleinmütig.

Eins ist nämlich so sicher wie das Amen in der Kirche: Auch wir selbst leben von der Barmherzigkeit und Herzensweite unserer Mitmenschen. Das Bild vom Splitter und Balken veranschaulicht diese Wahrheit: Auch wir selbst sind nicht anders als die Menschen, mit denen wir zu tun haben und liefern ständig Anlässe, dass man sich über uns aufregt. Aufregen könnte.

Ich finde die Ratschläge Jesu für unser Glaubensleben gut und will sie beherzigen. Möglichst heute mehr als gestern. Und Ihnen wünsche ich das auch.

Gott segne uns in unserem Leben als seine Nachfolgerin und Nachfolger.

Amen

Ich möchte beten.