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Ich gebe dir…

Ein Bettler bekommt Geld. Was sonst? Ja, was sonst könnte ich geben? Impulsgeber ist Pastor Markus Bauder.

Wochenspruch   – Jes 42, 3

Psalmgebet – Ps 147, 1-6.11

Predigttext   – Apg 3, 1-10

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Immer mal wieder bin ich überrascht, an welchen Passagen ich bei Bibelgeschichten hängenbleibe. In dieser Geschichte überlege ich plötzlich, was das wohl für Menschen waren, die den Gelähmten jeden Tag an die Tempelpforte gebracht haben, damit er dort, an dieser exponierten Stelle betteln konnte. Ob es damals auch schon Bettlerkolonnen gab? Oder zumindest eine Familie, die sich zwar um ihn gekümmert hat, die aber auch erwartete, dass er seinen Teil zum Unterhalt beitrug? Betteln eben.

Ich hab schon oft mit Menschen zu tun gehabt, die zumindest einen Teil dessen, was sie zum Leben brauchen, mit betteln erwirtschaften.

Ich sag das bewusst so, denn auch wenn uns das vielleicht komisch vorkommt, auf gewisse Weise muss man dafür auch seine Zeit und Energie einsetzen. Sich selbst drum kümmern. Und nicht erst einmal habe ich gedacht, auch in diesem Metier gibt es Geschickte und Ungeschickte, erfolgreichere und weniger Erfolgreiche.

Wie das wohl damals war? Der Bettler hat natürlich Geld erwartet, oder etwas Vergleichbares. Ob er wohl gleich enttäuscht war? Oder doch eher gespannt war, was sie ihm stattdessen geben würden? In jedem Fall, so erzählt es die biblische Geschichte, hat sich der Mann gefreut, dass er wieder laufen kann. Obwohl dadurch natürlich sein bettelnder Alltag völlig auf den Kopf gestellt wurde. Muss er jetzt überhaupt noch betteln? Geht es jetzt ohne und von was sollte er leben? Vielleicht raste das alles durch seinen Kopf. Vielleicht auch nicht, weil er mit allem, nur nicht damit gerechnet hatte. Erzählt wird nur:  Er hat sich riesig gefreut, dass er auf einmal laufen konnte. Ob zum ersten Mal überhaupt oder nach langen Jahren der Lähmung ist nicht gesagt. Er ist umhergehüpft, hat getanzt, gejubelt und Gott die Ehre gegeben.

Wie sehr muss es ihm etwas ausgemacht haben, nicht laufen zu können. Sich nicht selbst bewegen zu können. Und im Grunde eine Last in der Gesellschaft, oder in seiner Familie gewesen zu sein. Vielleicht nicht unnütz. Aber eben doch auf Hilfe und Almosen angewiesen. Darauf, dass andere ihn unterstützen. Und sei es auch nur, dass sie ihn an den Ort bringen, wo er betteln kann.

Ich glaube, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die gerne eine Last in der Gesellschaft sind. Von denen, die bisher an meine Tür geklopft haben, keiner. Keiner, der sich gerne in der sozialen Hängematte ausruht. Jeder von ihnen würde sich riesig freuen, wenn er oder sie gesund wären und sich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit oder eine sinnvolle Tätigkeit verdienen könnte. „Weißt Du,“ sagte erst vor wenigen Wochen einer zu mir, „meine beste Zeit war eigentlich im Gefängnis. Da hatte ich etwas Sinnvolles zu tun, hatte ein gewisses Maß an Anerkennung und bin am Ende sogar mit selbst verdientem Geld rausgekommen. Draußen hat das keine Woche gehalten und funktioniert.“

Da wünsche ich mir manchmal, ich könnte wie Petrus sagen: „Im Namen Jesu Christi … steh auf! Oder … sei frei von deiner Sucht! Oder … sei von nun an stark und voller Disziplin! Sei selbstbewusst! Oder was sonst so dazu geführt hat, dass ein Mensch am Ende bettelnd an meiner Tür steht…

Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, dass ich mir das eventuell nicht um der Ehre Gottes willen wünsche, sondern auch, damit er mich nicht mehr stört. Und ich mir nicht mehr die Frage stellen muss, wie ich mit dem Bettler an meiner Tür umgehen soll …

Petrus sagt übrigens: Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, das gebe ich dir … Petrus ist selber finanziell ein armer Schlucker.

Was er teilt, ist seine Gotteserfahrung, sein Glauben, seine Hoffnung, sein Vertrauen in Gott.

Allerdings könnte ich nicht mit einem solchen Spruch wie Petrus auf einen Menschen zugehen. Da bin ich wesentlich zurückhaltender. Aber vielleicht war das ja auch nicht nur der Spruch, sondern in Wahrheit ein Kennenlernen, ein Gespräch, etwas, das länger gedauert hat.

Vor Jahren hatten wir in Esslingen so etwas wie regelmäßigen Kontakt mit zwei Straßenmusikern. Weil wir sie häufig gesehen haben und sie für ihre Musik etwas belohnt haben. Und an Weihnachten haben wir ihnen unsere Weihnachtskarte mit einem Geldschein versehen in den Hut gelegt. Der, den wir länger kannten, haben wir auch mal nach Hause eingeladen. Es war immer eine Freude, ihn auf der Straße zu treffen und mit ihm zu reden.

Vielleicht ist das das erste: Kontakt aufnehmen, Scheu verlieren, einander in die Augen sehen, grüßen, Bedürfnisse ernst nehmen, miteinander reden. Einander kennenlernen. Und herausfinden, was mein Gegenüber tatsächlich möchte. Nicht, was ich denke, dass er braucht …

Und von dem erzählen, was mich beschäftigt. Auch in Bezug auf mein Gegenüber beschäftigt. Und was es mit Jesus und meinem Glauben zu tun hat. Oder mit meinen Hoffnungen. Und, ja, natürlich auch mit meinem Gottvertrauen.

Das erfordert schon manchmal Mut. Vor allem, wenn ich mich nicht nur mit meinesgleichen unterhalte.

Dazu kommt die Erfahrung, dass daraus besondere Momente entstehen können. Nicht müssen. Aber können. Ich nenne sie mitunter heilige Momente. Momente, in denen ich eine Gotteserfahrung mache. Oder sogar ich und mein Gegenüber.

Ich will von Petrus lernen und es immer mal wieder riskieren: mit den Menschen, die von mir etwas wollen, das, was ich habe, zu teilen. Nicht nur ein wenig Geld. Sondern auch und vor allem mich. Etwas von mir. Auch von meinen Glauben. Meiner Hoffnung. Meinem Gottvertrauen. Das erfordert mehr Mut und mehr Zeit von mir als ein paar Euro. Aber das scheint mir wichtig zu sein. Diesen Mut wünsche ich mir immer wieder.

Und Ihnen, die Sie heute zuhören, wünsche ich diesen Mut auch.

Amen

Ich möchte beten.