Auf dem Bild stehen ein Mann und eine Frau in hellem Gewand vor einer dunklen Höhle. Die Frau hat lange braune Haare mit einer Blumenklammer. Der Mann hat lange Haare, einen Bart und schaut ernst. Beide wirken nachdenklich. Links oben steht: „Foto: erstellt durch KI“.
Foto: erstellt durch KI

Ich kenne deinen Namen

Es ist Ostern! Und was Ostern mit meinem Namen zu tun hat oder deinem oder ihrem, darum geht’s heute.

Wochenspruch – Offb 1, 18

Psalmgebet – Ps 118, 14-24

Predigttext – Joh 20, 11-18

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Heute feiern wir das größte Fest der Christenheit: Ostern. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Herr ist auferstanden! Und mit ihm auch wir! Schön und gut. Der eine glaubt’s, der andere nicht. Eine Geschichte von damals. Und die Relevanz heute? Ostern: Jesus besiegt den Tod und damit habe auch ich den Tod besiegt? Bin auferstanden? Werde auferstehen? Das ist alles ziemlich weit weg von dem, was mich sonst so umtreibt: Ein manchmal schwer zu schaffender Alltag mit Job und Familie; Angst vor der Zukunft, wenn ich die Nachrichten höre und Probleme, wo ich hinschaue: zu wenig Betreuer im Kindergarten und Pfleger im Altenheim; zu viele Obdachlose auf dem Pflaster in meiner Stadt;  Schlange stehen von der Läden der Tafel… Frohe Ostern! Der Herr ist auferstanden.

 

Die Geschichte, die uns der Evangelist Johannes in seinem Evangelium erzählt, bringt uns mitten hinein in diese Frage: Was will mir Ostern eigentlich sagen?!

Maria Magdalena begegnet dem auferstandenen Christus – aber sie erkennt ihn zunächst nicht. Wir hören, wie sie weint und in ihrer Trauer die Situation nicht begreifen kann. Doch dann geschieht etwas, das ihr Leben für immer verändert.

 

Sie hört ihren Namen: „Maria!“ In diesem Moment erkennt sie Jesus. Und dadurch öffnet sich für sie eine neue Welt. Plötzlich ist da nicht mehr diese Trauer und der Schmerz, sondern Hoffnung. Ein neuer Blick auf das Leben. Und alles nur, weil dieser scheinbar Unbekannte, sie mit Namen angesprochen hat.

 

 

Doch nochmal auf Anfang:

Maria Magdalena ist die erste, die das leere Grab sieht, die erste, die Jesus nach seiner Auferstehung begegnet. Sie von Trauer und Enttäuschung erfüllt. Sie weint, weil sie den Leichnam Jesu nicht finden kann und nicht versteht, was geschehen ist. Ihre Welt ist zerbrochen, sie fühlt sich verloren. Hoffen geht nicht mehr.

 

Wer schon mal einen lieben Menschen loslassen musste; wer vielleicht schon mal so ganz am Ende seiner Kräfte war; wer vielleicht schon mal Ohnmacht, Verzweiflung oder absolute Einsamkeit erlebt hat, der kann vielleicht fühlen, wie es Maria Magdalena ergangen sein muss.Trauer und Enttäuschung sind nicht das Ende. Das leere Grab, die Auferstehung Jesu Christi lässt in jeder dunklen Nacht einen neuen Morgen anbrechen. Hoffnung, neues Leben, das sind die neuen Perspektiven.

 

Die entscheidende Wendung in der Geschichte ist, als Maria den auferstandenen Jesus ihren Namen sagen hört. Sie erkennt ihn nicht sofort. Aber in dem, wie er „Maria“ zu ihr sagt, wird von einem Moment auf den anderen alles anders.

Die Trauer weicht der Freude, die Verwirrung weicht der Erkenntnis. Jesus lebt, und er kennt Maria beim Namen! Jetzt ist Jesus ihr wieder ganz nah. In ihrer tiefsten Not spricht er sie an, holt sie raus aus ihrer Hoffnungslosigkeit.

 

Und so kennt Jesus auch mich. Jeden kennt er. Er kennt unsere Namen. Auch in unsere Not und Trauer spricht Jesus hinein. Jesus zeigt sich. Vielleicht erkenne ich ihn nicht immer sofort. Aber er ist da. Drauf darf ich mich verlassen. Jesus ist da, er kennt mich, er liebt mich und er ruft mich. Was Maria gegolten hat, das gilt auch mir.

 

Die Erfahrung der Auferstehung, dass Jesus, dass Gott in ihm, kein toter Gott ist, wiederholt sich immer wieder neu. Immer, wenn mich Gott anspricht. In mein Leben hineinspricht.

 

„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“. Das sind Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja. Es ist die Erfahrung, die Maria Magdalena gemacht hat und die ich auch heute noch machen kann. Gott kennt und ruft mich, weil ich nicht durch Zufall auf dieser Welt bin, sondern gewollt, geliebt von einem Gott, der in Jesus Christus den Tod überwunden hat.

 

Ostern bedeutet, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Auch die schlimmsten Erfahrungen des Lebens – sei es Krankheit, Leid, Verlust oder Ungerechtigkeit – sind nicht das Ende. In all diese Erfahrungen trifft die Auferstehung Christi hinein. Gottes Liebe, seine Stimme ist durch den Tod eben nicht verstummt.  Und weil das so ist, kann ich mich an diesem lebendigen Gott festhalten, wenn meine Welt aus den Fugen gerät. Liebe ist stärker als Hass und Hoffnung stärker als Verzweiflung. Das will Gott mir zeigen, in dem er mich ruft.

 

Er verspricht kein Leben ohne Probleme, aber ein Leben in der Gewissheit, dass ich in der größten Not nicht allein bin.

 

Nachdem Maria Magdalena den Auferstandenen erkannt hat, wird sie von ihm beauftragt: „Geh zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott!“ Maria Magdalena wird zur ersten Zeugin der Auferstehung und zur ersten Botschafterin des Lebens. Sie ist diejenige, die die frohe Botschaft von der Auferstehung verkünden soll.

 

So wie Maria Magdalena sind auch wir als Christinnen und Christen dazu berufen, die frohe Botschaft von der Auferstehung in die Welt zu tragen. Auch wir leben in einer Welt, die von Unsicherheit und Instabilität geprägt ist. Doch genau in diese Welt hinein dürfen wir die Hoffnung der Auferstehung tragen. Wir dürfen den Menschen sagen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass Gott lebt und dass er uns liebt.

 

Heute feiern wir, dass der Gott lebt. In einer Welt, die wankt, die von Menschen oft genug zu einem unschönen Ort gemacht wird, die einem manchmal jede Hoffnung rauben kann, ist Gott dennoch mitten unter uns. Lebendig. Er ruft uns: damit wir wissen, dass wir nicht alleine sind; damit wir wieder und immer wieder hoffen können. Damit auch wir lebendig bleiben. Lebendig in der Hoffnung und über den Tod hinaus.

 

Möge die Auferstehung Jesu uns Mut machen. Möge sie uns die Augen öffnen für die Hoffnung, die Jesus Christus schenkt. Möge sie uns die Kraft geben, in einer unsicheren Welt den Mut zu bewahren und die Botschaft der Auferstehung weiterzugeben.

 

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Amen.