Total unter Druck

Manchmal wird es eng im Leben und dann? Was mache ich dann? Wild um mich schlagen? Ob das die Lösung ist, davon hören wir heute und von einem, der verstanden hat, dass es nur mit Gott geht.

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Wenn ich diese Geschichte höre, dann bewegen mich zwei Gedanken:

  1. Gehöre ich auch zu den Menschen, die, wenn Sie unter Druck geraten, aggressiv werden?

Und 2. Wie viel Leid und Elend haben Christinnen und Christen verursacht, weil sie dachten, sie müssten Jesus und den christlichen Glauben verteidigen?

Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die, wenn sie unter Druck geraten, aggressiv werden. Es gibt auch andere Menschen. Menschen, die die Flucht ergreifen. Oder depressiv werden. Wenn ich unter Druck gerade, werde ich pampig, bin kurz angebunden, lasse Leute spüren, dass sie mich stören und möchte am liebsten alles schnell entscheiden, bzw. wegschaffen und zwar so, wie ich es will. Wenn ich nicht unter Druck bin, bin ich gelassen, kreativ, entwickle gerne neue Ideen, bin initiativ. Nicht, wenn‘s eng wird. Irgendwann einmal habe ich einen Persönlichkeitstest gemacht und da kam das raus. Es kam das heraus, was ich ja eigentlich schon selbst festgestellt habe, aber ich habe gemerkt: es gibt da die unterschiedlichsten Typen und dass ich anders bin, wenn‘s eng wird, als wenn ich Zeit und Muse habe.

Ich muss aufpassen, dass ich Druck nicht an anderen Leuten auslasse. Dass ich sie dann nicht verletze und attackiere.

Von meiner Frau, einer Pädagogin, habe ich den Begriff „Impulskontrolle“ gelernt.

Das scheint heute noch ein größeres Problem als früher zu sein, dass Menschen, auch junge Menschen, zunehmend ihre Impulse nicht unter Kontrolle haben. Und sehr unüberlegt reagieren. Im Straßenverkehr z.B. oder wenn ihnen jemand schräg kommt.

Unter Druck seine Aggressivität nicht an anderen rauslassen, Impulse unter Kontrolle haben. Einen Schritt zurück machen, überlegen wie man reagieren will, über einem Brief oder einer Email eine Nacht schlafen, selbst für genügend Bewegung sorgen und überlegen, wie man Druck rausnehmen kann. Ratschläge und Ideen gibt es genug. Man muss sie halt auch tun.

Jesus hat versucht, seine Jünger auf die richtige Spur zu bringen, aber da war es schon zu spät. In die Enge getrieben fühlen sie sich bedroht. Angst oder gar Instinkte übernehmen die Kontrolle. Flucht oder Angriff? Angriff. Zumindest von einem. Bei Jesus hat man den Eindruck, als gelänge es ihm, aus der Situation herauszutreten, gewissermaßen den Schritt zurück zu machen. Dem natürlichen Reflex nicht zu folgen, seine Impulse gewissermaßen unter Kontrolle zu behalten

Das wünsche ich mir, dass mir das alles rechtzeitig einfällt, wenn ich das nächste Mal unter Druck gerate.

Und das zweite: wir Christinnen und Christen geraten immer wieder in Situationen, in denen wir versucht sind, Jesus selbst oder den Glauben zu verteidigen. Da brauchen wir gar nicht in das unsägliche Zeitalter der Kreuzzüge schauen, in denen die Kirche angeblich den Glauben verteidigt hat. Oder in denen man versucht hat, die Franken oder die Ureinwohner eines Landes mit Gewalt zum Christentum zu bekehren.

Es genügt doch schon, wenn wir um die rechte Lehre fürchten. Jemand glaubt anscheinend nicht richtig oder weiß die Dinge, wie sie in der Bibel stehen, anders als wir. Oder er macht unseren Jesus klein oder Gott, und ignoriert auf andere Weise, was uns wichtig ist. Oder greift es sogar an und macht es lächerlich.

Vielleicht geraten wir auch in einer solchen Situation unter Druck. Ich glaube sogar, dass unsere Kirchen unter anderem deshalb oft so leer sind, weil wir als Verteidigerinnen und Verteidiger des Glaubens alle vergraulen, die anders denken und glauben als wir. Auch unsere eigene Jugend. Oder Zweifler, Kritiker.

Weil wir denken, wir wüssten, was richtig ist. Die rechten Lehrsätze, die rechte Musik, die richtigen Lieder. Dabei geht’s uns doch in den meisten Fällen gar nicht um Jesus oder den Glauben. Es geht um uns. Und darum, dass wir nicht infrage gestellt werden wollen.

Jesus hat das nicht nötig. Dass man ihn verteidigt. Er hat das eigentlich nie nötig. Hätten wir wirklich Gottvertrauen, könnten wir es Gott selbst überlassen, ob und wie er sich denn verteidigen möchte. Und uns selbst getrost zurücklehnen.

Offensichtlich hat Gott, Jesus es nicht nötig. Er bleibt seiner Linie treu und reagiert auf Druck oder Feindschaft nicht mit Gewalt oder Gegendruck. Sondern bügelt sogar noch unsere Verfehlungen aus.

Natürlich hatten die Jünger Angst. Und Jesus wollte offensichtlich dem Druck nicht ausweichen. Oder mit Gegendruck reagieren. Aber letztlich ist doch keinem der Jünger etwas passiert. Jesus ist seinen Weg gegangen. Souverän und auf seine Weise. Wir brauchen ihn nicht zu verteidigen. Schon gar nicht mit Gewalt.

Das will ich mir merken. Amen