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Da steht er wieder vor meinem inneren Auge. Ich weiß genau wie er aussehen soll. Jedes Jahr aufs Neue. Mein Kastanienmännchen. Ein altes Relikt aus Kindergartenzeiten. Ist schon ne Weile her. Aber keinen Herbst ohne Kastanienmännchen. Das ist Kult. Wenn ich mein Kastanienmännchen bau, dann weiß ich: Es wird Herbst. Und darauf freue ich mich. Dann taucht Gott alles in wunderschöne Farben. Die Abende werden länger und dunkler. Die Kleidung wärmer. Gott schenkt Ruhe. Seiner Schöpfung und mir. Mein Kastanienmännchen, das läutet diese Zeit der Ruhe ein. Gott sei Dank.

© radio m
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Kastanienmännchen im Herbst
Uns sitzt der Krieg in der Ukraine im Nacken. Uns sitzt der Krieg um Israel herum im Nacken. Ich selbst habe keine wirkliches Rezept, wie man sich da verhält. Raushalten und sich machtlos fühlend zuschauen? Keine Meinung bilden und geschehen lassen?
Unser Glaube taugt anscheinend nur was für Friedenszeiten, in Kriegszeiten werden wir wie sprachlos.
Folgende Aussagen mögen erlaubt sein: Die Ukraine darf unabhängig sein, wenn das Land es überwiegend sein will. Israel darf sich sein Existenzrecht sichern, wenn es bedroht wird. Man darf sich trotz Kriege an Kleinigkeiten wie z.B. Kastanienmännchen erfreuen.
Man darf Angst haben. Man darf verunsichert sein. Man darf zwischenzeitlich ratlos sein. Man darf sich zwischenzeitlich schwach fühlen. Man darf Zeit brauchen, um etwas zu verarbeiten.
Das arme Nachkriegs-Deutschland, wer hilft ihm? Es fand extrem starkes Erbarmen mit diesem Land statt. Es hat die Kraft, Gutes umzusetzen. Der weltweit gute Ruf von Nachkriegs-Deutschland steht momentan auf dem Spiel.