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Tun oder lassen

Wie zeigt sich Glaube? Kann ich das sehen? Fühlen? Anfassen? Irgendwie schon meint Jakobus und Pastor Wilfried Röcker macht sich auf die Suche nach dem richtigen Glauben.

Wochenspruch  – 1. Joh 4, 21

Psalmgebet – Ps 1

Predigttext  – Jak 2, 14-26

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrecht.

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Worauf kommt es an im Glauben? Eine elementare Frage, die der Jakobusbrief hier aufwirft. Und mit dieser Frage stehen wir mitten in einer alten Meinungsverschiedenheit, die sich über die Geschichte der Christenheit nicht geklärt hat. Wie denn auch – es gibt ja schließlich beide Positionen in der Bibel. Hier bei Jakobus: Glaube ohne Werke ist tot. Und dann bei Paulus im Römerbrief etwa: Wir sind gerettet allein aus Gnaden durch den Glauben und nicht durch Werke.

Ich habe irgendwie keine Lust darauf eine weitere Predigt zu halten, in der ich versuche, diese beiden Positionen irgendwie zusammen zu bringen.

Ich könnte weitere Bibelstellen zitieren, auf die ich mich dabei berufe – wie das Paulus tut und auch hier im Jakobusbrief gemacht wird. Interessanterweise berufen sich auch noch beide auf Abraham und auf den Satz: Abraham glaubte Gott, und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an. Ich finde das ermüdend und nicht zielführend.

 

„Gerecht“ vor Gott werden. Das war damals die elementare Frage im Leben der Menschen. So werden, dass Gott sagt: „Du bist richtig. Du gehörst zu mir. Alles, was uns trennt ist überwunden. Dein Leben ist gerettet.“

Martin Luther hat nach solcher Gerechtigkeit vor Gott gesucht. Auch John Wesley, der Vater, der Evangelisch-methodistischen Kirche. Und mir scheint, wir könnten die beiden ebenso diskutieren lassen wie Paulus und Jakobus, welche Rolle denn die Taten im Glauben spielen.

Aber ich will heute einen anderen Blick auf diese Frage werfen, denn ich habe andere Fragen an meinen Glauben.

 

Beim Nachdenken über dieses Bibelwort habe ich mich gefragt: Wonach bin ich denn auf der Suche? Was erhoffe ich mir sehnlichst für mein Leben? Was soll der Glaube -mit oder ohne Taten sei einmal dahingestellt – bewirken?

Ich erhoffe mir durch den Glauben, dass ich einen anderen Blick auf das Leben finde. Ich bin auf der Suche nach Dankbarkeit und Zuversicht. Ich frage mich: Was bedeutet Hingabe und wie verändern Dankbarkeit, Zuversicht und Hingabe mein Leben? Wie helfen sie mir auf meiner Suche nach Gotteserfahrung, wie erfüllen sie meine Spiritualität?

Vielleicht finde ich ja doch ein paar Antworten, hier bei Jakobus?

 

Jener Abschnitt im Jakobusbrief ist auf jeden Fall voller Energie und Sehnsucht.
Jakobus genügt es nicht zu sagen: „Ich glaube irgendwie, irgendwas, aber das hat keine Auswirkungen auf mein Leben.“ Ein lebendiger Glaube schlägt sich im Leben nieder. Er drängt den Menschen zum Handeln. Der Jakobusbrief sucht sehnlichst nach einer gelingenden Glaubenspraxis.

 

Diese Sehnsucht, die kenne ich auch. Ich frage mich: „Erschöpft sich mein Glaube darin, dass ich sonntags zum Gottesdienst gehe, die Bibel gut kenne und weiß, was welcher Feiertag bedeutet? Verleiht das meinem Leben schon einen Tiefgang?“ Es ist doch eher Gewohnheit. Ich will Gewohnheit nicht schlecht reden. Sie hilft, Krisenzeiten zu überstehen, dem Leben eine Struktur zu geben und sich nicht zu verlieren. Aber den anderen Blick auf das Leben, finde ich in der Gewohnheit nicht.

 

Dafür braucht es einen lebendigen Glauben. Einer, der aktiv das Geschehen um mich herum begleitet und dadurch mich aktiv werden lässt. Mich in Bewegung setzt. Ich suche Dankbarkeit, Zuversicht und die Bereitschaft zur Hingabe in mir. Vielleicht kann genau das, der Glaube in mir wecken und mein Leben prägen? Gibt es auch eine Praxis des Glaubens, die mich das finden lässt? Gibt es Vorbilder – wie Jakobus auch Abraham als Vorbild nennt, für mich? Vorbilder, die Dankbarkeit, Zuversicht und die Bereitschaft zur Hingabe leben? Weil ihr Glaube sie dazu befähigt?

 

Anselm Grün fällt mir als erstes ein, der solch eine Glaubenspraxis vorlebt. Mutter Theresa, Martin Luther King oder Dietrich Bonhoeffer sind die nächsten, die mir in den Sinn kommen. Ihr Leben ist geprägt von einer tiefen Hingabe gegenüber Gott und seiner Sache. Eigene Interessen reihen sich dahinter ein. Erstrebenswert scheint ein solches Leben ja irgendwie nicht. Kein Haus und Heim, Entbehrung und Inhaftierung. Wir lesen in ihren Biographien von Zweifeln, Ängsten und Fragen und doch scheinen sie für ein Leben zu stehen, das eine große Anziehungskraft hat. Weil sie trotz allem Dankbarkeit und Zuversicht verkörpern, leben.

 

Ich drehe mich eher im Kreis um all die Dinge, die nicht funktionieren und was andere wieder vermasselt haben. Ich kann stundenlang von Verspätungen und Pannen bei der Bahn berichten, vom Stau und maroden Straßen, von Gesetzen und Regelungen durch die Politik, die mein Leben gängeln und weiter bürokratisieren. Die Wirkung? Unzufrieden bin ich und gereizt. Ich weiß ja: Schwarzmalerei tut mir nicht gut, aber es ist so schwer, davon Abstand zu gewinnen. Dankbarkeit und Zuversicht. Wo seid ihr? Stellt ihr euch ein, wenn ich Hingabe lebe? Ins Tuen komme, weil mein Glaube mich aktiv werden lässt?

 

„Versuch es doch einmal“, sagt mir der Jakobusbrief: „Komm einmal positiv ins Tun und erfahre, wie sich Dein Leben ändert. Tue das Gute. Sei für andere da. Nimm Dir Zeit und setze Dich dafür ein, dass die Welt um Dich herum ein klein wenig besser wird. Halte Dich dabei an das Prinzip der Liebe, das Jesus uns vorgelebt hat. Du musst ja nicht gleich zum Anführer einer politischen Bewegung werden, Bücher schreiben oder selbst in völliger Armut leben. Hingabe beginnt mit dem ersten kleinen Schritt, der Dich ermutigt, das zu leben, wozu einen die Liebe drängt.“

 

Das ist weder Aktivismus noch Humanismus. Das ist gelebter Glaube.  „Ohne das ist Dein Glaube tot“, antwortet darauf Jakobus: „das ist gelebter Glaube und er schenkt Dir einen anderen Blick auf Dein Leben. Du wirst sehen: Dankbarkeit stellt sich ein und Zuversicht.“ Es geht eben nicht darum vor Gott als ein gerechter Mensch dazustehen. Das sind wir allein durch Liebe Gottes. Es geht um das, was ein lebendiger Glaube in mir bewirken kann.

 

Was würde passieren, wenn Sie und ich in der kommenden Woche dieser Empfehlung des Jakobus nachgehen?

Kann man schlecht vorhersagen. Es käme auf ein Experiment an.
Ja genau!