Wunsch frei!

Wünsch dir was! Dazu wurde König Salomo von Gott aufgefordert. Das sollte mir mal passieren?! Allerdings: Ob ich so einen coolen Wunsch, wie Salomo hätte? Ich bezweifle es. Und gerne würde ich so zu Gott sprechen können, wie unser Psalmbeter heute. Ach, ja… Nicole Marten nimmt uns mit in das Land der Wünsche.

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„Wünsch dir was, und du wirst es bekommen“: Dieses Spielchen ist wohl so alt wie die Menschheit. Aufgegriffen wird es beispielsweise in einem Märchen, das von den Gebrüdern Grimm aufgezeichnet wurde. „Vom Fischer und seiner Frau“ heißt es schlicht. Der Fischer fängt einen großen Fisch, einen Butt, lässt ihn aber wieder frei, nachdem der Butt um sein Leben bittet. Der Fischer erzählt seiner Frau davon, und die schickt ihn wieder zum Butt, damit sich ihr Mann vom Fisch etwas wünscht. Ein schönes Haus soll her. Und siehe da, als der Fischer heimkommt, ist aus der armseligen Fischerhütte ein schönes Haus geworden. Die Fischersfrau gibt sich allerdings nicht zufrieden. Nach einer Woche will sie mehr und schickt ihren Mann wieder zum Fisch. Der Mann traut sich eigentlich nicht, geht dann aber doch, um die Wünsche seiner Frau zu übermitteln. Immer und immer wieder Erst geht es um einen Palast, dann will die Frau König sein, später Kaiser, ja, sogar Papst. Alles geht nacheinander in Erfüllung, aber die Fischersfrau ist einfach nicht zufrieden. In ihrer Gier will sie auch noch Gott werden. Und ihr Mann? Der hat große Vorbehalte. Denkt, dass man das doch nicht machen kann. Dass es jetzt doch mal genug ist mit den Wünschen. Er hat ein gutes Gespür dafür, sein Gewissen regt sich. Dennoch geht er wieder und wieder zum Butt, um für seine Frau das Erwünschte zu erbitten. Zufrieden ist die Frau nie. Doch Gott zu sein, wird ihr verweigert: Am Ende der Geschichte sitzen Fischer und Frau wieder in ihrer alten, baufälligen, stinkenden Fischerhütte. Sie haben den Bogen ihrer Wünsche kräftig überspannt und bekommen nun die Quittung dafür.

Ganz anders sind die Wünsche des Königs Salomo zu Beginn seiner Amtszeit. Im Unterschied zum Märchen geht Salomo nicht schnurstracks zu Gott, um ihm seine Wünsche zu übermitteln. Zwar möchte Salomo die Beziehung zu Gott pflegen. Deshalb geht er zu einer Opferstätte, bietet große Brandopfer dar und zeigt Gott seine Ehrerbietung. Aber während der Fischer den Butt gleich überfällt mit den Wünschen seiner Frau, ist Salomo sehr zurückhaltend. Er ist nicht derjenige, der zuerst spricht und gleich mit einer Forderung kommt. Sondern zunächst träumt Salomo. Und Gott ergreift als erster das Wort. Er fragt von sich aus nach dem Wunsch des Königs. Salomo erzählt erst einmal von seinem Vater, dem König David, von dem er den Thron übernommen hat. Salomo ist noch sehr jung. Und obwohl er einige seiner Gegner bereits ausgeschaltet hat, um seine Macht zu festigen, weiß er in seinem Innersten, was es wirklich braucht, damit er seine Aufgaben als König gut ausführen kann. Es geht nicht darum, dass alle Feinde sterben. Es geht nicht um Reichtum und auch nicht um die Ehre. Das macht noch lange keine gute Regierung eines Königs aus. Salomo ist das bewusst. Er hat Respekt vor diesem Amt, er weiß durch seinen Vater, was dieses Amt mit sich bringt. Es ist ein großes Volk, auch deshalb ist die Aufgabe gewaltig.

Nun wünscht sich Salomo nicht einfach die Weisheit, das Richtige zu tun, sondern ein hörendes Herz. Das Herz ist in der Vorstellung des alten Israels nicht das Zentrum der Gefühle – wie wir modernen Menschen das denken, sondern das Herz ist der Sitz des Verstandes, des Willens – und damit auch das Organ, das das Handeln des Menschen bestimmt. Ein Mensch ohne Herz, das ist nach diesem Denkmuster ein Mensch ohne Verstand. Das Herz steht auch für die Gottesbeziehung: Wenn es verhärtet ist, dann ist die Beziehung zu Gott gestört, ist das Herz aus Stein, dann ist die Beziehung zu Gott quasi beendet. Ein hörendes Herz ist also die Voraussetzung, dass ein Mensch im Einklang mit dem Willen Gottes steht und dafür, dass der Mensch in Beziehung zu diesem Gott lebt. Das hörende Herz, und damit auch die Kunst, sein Leben nach dem Willen Gottes zu führen, die Aufgaben, die sich stellen gut auszuüben, das kommt nicht vom Menschen selbst. Das hörende Herz kommt von Gott. Auch das ist Salomo bewusst. Er stellt damit nicht nur sich und sein Leben, sondern auch seine Amtszeit unter die Leitung Gottes.

Weil das ganz im Sinne Gottes ist, endet die Geschichte nicht so wie das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Eben, weil Salomo, anders als die Fischersfrau, nicht auf den eigenen Vorteil bedacht ist, sondern darauf, dass er sein Amt gut ausübt zum Wohl des Volkes, macht Gott ihm eine große Zusage: Natürlich entspricht er der Bitte um ein weises und verständiges Herz. Mehr noch: Es soll keiner vor Salomo und keiner nach ihm so weise und verständig sein wie er. Und weil Salomo nicht sich selbst im Blick hatte, sondern das Volk Gottes, soll er auch noch reich werden und Ruhm und Ehre bekommen. Mehr als alle anderen um ihn herum. Außerdem verspricht Gott Salomo ein langes Leben. Das alles steht dafür wie Gott sich Salomo zuwendet: überreich, überströmend, überfließend. Reichtum, Ruhm, Ehre und das lange Leben – sie sind eine Zugabe. Das wichtigste aber, das ist das hörende Herz.

Die Erzählung von Salomos Gottesbegegnung löst etwas in mir aus: Ich bin eine große Wünscherin. Wie häufig denke ich mir aus, was ich gerne hätte, was ich gerne tun würde, ständig bin ich am Planen, am Machen, am Tun, um diese Wünsche zu verwirklichen. Doch die Geschichte von Salomo rückt den großen Wunschkatalog zurecht. Sie lädt ein zum Innehalten: Ist das, was ich mir erträume, was ich mir ersehne, auch das, worauf es wirklich ankommt? Natürlich ist es völlig in Ordnung, sich auf einen Urlaub zu freuen, sich einen Konzert-, Theater- oder Kinobesuch zu wünschen und das auch zu planen. Natürlich ist es wichtig und richtig, sich mit Freunden zu treffen und auch zu schauen, wofür wir brennen und was wir wollen. Schließlich tragen unsere Wünsche ja auch dazu bei, dass wir uns weiterentwickeln und nicht stehen bleiben. Aber die Grundlage für unsere Wünsche ist eine andere, sollte es zumindest sein: Grundlage ist das hörende Herz, die Suche nach der Beziehung zu Gott, die Frage nach seinem Willen. Wenn wir danach zuerst schauen, dann haben wir gute Chancen, dass uns das andere auch zufällt. Amen.