MutAdvent. Beginnt heute.

Nicht um Plätzchen, nicht um Geschenke, nicht um Weihnachtsbäume und es geht auch nicht um Weihnachtsstress. Sondern um Mut. Es ist eigentlich DAS Thema der Adventszeit. Impulsgeber ist Pastor Wilfried Röcker.

Wochenspruch   – Lk 21, 28b

Psalmgebet – Ps 80,2.3b.5–6.15–16.19–20

Predigttext  – Lk 21, 25-33

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Die Zukunft wird von den Mutigen gemacht!

Mitten im gefüllten Büroalltag springt mich dieser Betreff in meinem E-Mail Account an. Es ist fast als würde für einen Moment die Zeit stehen bleiben. Hab ich richtig gelesen? Von den Mutigen? Die Nachrichten aus aller Welt sagen mir: Die Zukunft wird von ein paar Mächtigen gemacht und das Schicksal von mehr als 8 Milliarden Menschen auf dieser Erde ist von deren Launen abhängig.
Das ist eine klare Gegenposition, die in diesem Newsletter eingenommen wird: Die Zukunft wird von den Mutigen gemacht.

Vielleicht hätte Lukas, der aus der Bibel, von dem wir gerade ein paar Zeilen gehört haben, im heutigen Sprachgebrauch auch dieses Bild benutzt, um seine Leserschaft zu ermutigen. Denn genau das ist die Absicht des Lukas in diesem Bibelabschnitt, der mich beim Hören zunächst einmal eher verunsichert hat.

Das sind fremde Bilder, die nicht aus meiner Welt stammen, in der ich heute lebe. Sie scheinen einen aktuellen Bezug zu unserem Erleben zu haben, aber es sind Bilder aus der jüdischen Apokalyptik. Wir finden Sie im Buch Daniel im Alten Testament. Wir finden sie in der Offenbarung des Johannes aus dem neuen Testament. Und auch die Evangelien bedienen sich dieser Bildsprache, wenn sie die Gemeinden ermutigen wollen, inmitten der Grausamkeiten von Macht und Gewalterfahrung nicht zu verzweifeln, sondern auf Gott zu hoffen.

Gott ist nicht der ferne, abwesende Gott und darum hat das Böse die Oberhand gewonnen. Gott ist da. Mitten in der Geschichte. „Das Reich Gottes ist mitten unter Euch!“, sagt Jesus im Lukasevangelium vier Kapitel zuvor. Es sind also Bilder, die betonen, dass Gott nach wie vor in seiner Schöpfung präsent ist.

Aber spricht nicht alle Erfahrung dagegen?
Müsste die Welt dann nicht anders aussehen, wenn Gottes Reich mitten unter uns ist? Das frag ich mich nicht nur heute, das war auch eine quälende Frage von damals. Damals hatte das mächtige Römische Reich die bekannte Welt der urchristlichen Gemeinden im Griff. Es gab einen Aufstand in Jerusalem, als im Tempel ein Kaiserbild aufgestellt wurde. Das war zu viel. Viele Juden erhoben sich in Jerusalem damals gegen die Römer. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen und der Tempel von den Römern zerstört. Die Religionsfreiheit, die es damals eigentlich im römischen Reich gab, wurde massiv eingeschränkt. Alle jüdischen Traditionen wurden eingeschränkt und unterdrückt. Auch das Leben der jungen christlichen Gemeinden.

Wie kann es weitergehen? Hat Gott uns verlassen?

Man könnte es meinen. Auch heute scheint es so, dass Gott diese Welt aufgegeben hat. Macht, Gewalt, Geld bestimmen das Geschick in dieser Welt und sie werden uns alle in den Abgrund treiben. Vertreibung, Angst und Schrecken, Tod und Verzweiflung bestimmen unser Leben. Kriege, Terror und die Klimakatastrophe werden unsere Zukunft bestimmen. Die Angst ist so groß, dass sich eine ganze Generation heute wieder als „die letzte Generation“ versteht und so bezeichnet.

Auch bei Lukas war das so. Vielleicht hat er es vielleicht selbst so gesehen, wenn er schreibt: „Diese Generation wird nicht sterben, bevor dies alles geschieht.“ Wir sind also von der Weltuntergangsstimmung, die damals herrschte nicht so weit entfernt mit unserer Gefühlswelt heute – auch wenn wir andere Bilder verwenden.

Lukas recherchiert nach. So schreibt er am Anfang des Kapitels. Sorgfältig. Ist das so? Ist Gottes Reich doch schon da?  – Seine Recherchen fruchten. Er findet bei Jesus eine Antwort. Er hält sie in seinem Evangelium fest und schreibt es dem „Theophilus“, also dem, „der Gott liebt“ und der „von Gott geliebt ist“ und somit allen Leser:innen in den Gemeinden: „Wenn das alles geschieht“, zitiert Lukas Jesus, „dann steht auf! Erhebt Eure Häupter! Weil Erlösung naht.“
Lukas findet bei Jesus eine Ermutigung zum Perspektivwechsel: Starrt nicht wie das Kaninchen auf die Schlange – lasst Euch nicht von Angst und Schrecken lähmen. Gebt der Ohnmacht nicht länger Raum. Erlösung naht. Gott ist mitten unter uns. Schaut auf ihn! Rechnet mit ihm. Lebt unerschrocken nach seinen Maßstäben.

Die Zukunft wird von den Mutigen gemacht!
Da ist sie wieder, diese Betreffzeile, die mir nicht aus dem Kopf geht.
Was für eine mutige Gegenposition. Ich werde zu einer aufrechten Haltung ermutigt. Keine Panik – Wachsamkeit und Mut sind gefragt. So wie die Blätter der Bäume den Sommer und damit die Zeit der Frucht und der Ernte ankündigen, so sollen uns die schweren Ereignisse nicht an den Untergang der Welt erinnern, sondern an die Gegenwart Gottes und an sein Reich – mitten unter uns. Trotz allem. Gerade deshalb.

Wenn alles dunkel ist, könnte man davonlaufen. Oder mutig ein Licht anzünden. Symbolisch tun wir das ja gerade im Advent. Sonntag für Sonntag – wenn es immer noch dunkler wird – zünden wir eine weitere Kerze an. Und noch eine. Und noch eine. Mutig halten wir dagegen. In unserer kleinen Welt. Wir lassen uns die Hoffnung auf den, der kommt nicht nehmen. Wir bleiben seine Boten. Wir tragen in die Welt ein Licht. Sagen allen: Fürchtet Euch nicht. Gott hat Euch lieb! Dabei bleibt es. Vertraut, seid mutig, lebt diese Liebe.

Mutig sein, fängt im Kleinen an. Wer mutig ist, überwindet die Angst. Handelt anders als zu erwarten wäre: zuversichtlich, voller Liebe, mit Blick für die anderen. Wer mutig ist, hält an der Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und der an der Bewahrung dieser Welt mit all ihrer Schönheit, die es gibt, die so wunderbar gemacht ist, fest.

Adventszeit – Zeit der Mutigen! Warum nicht?! Jetzt erst recht, braucht es viel Licht. Zünden wir eine weitere Kerze an und bitten Gott um Mut und Hoffnung, wenn wir jetzt miteinander beten.