endlos vertrauen

Hab ich alles in meiner Hand? Kann ich mit Geld alles kaufen? Natürlich nicht. Manchmal kann ich einfach nur vertrauen. Wir üben das heute mal.

Wochenspruch   – 1. Petr 5, 7

Psalmgebet – Ps 127, 1-2

Predigttext   –  1. Petr 5, 5b – 11

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Der erste Petrusbrief ist ein Schreiben an Christen, die unter Druck stehen.

Verfolgung, Verleumdung, Sorgen um die Zukunft.

Und mitten in diese Lage hinein spricht der Apostel Worte, die nicht nur damals Kraft geben konnten – sondern auch heute.

 

In einer Welt voller Konkurrenz, Leistungsdruck und Angst vor Kontrollverlust hören wir heute einen Text, der uns zu Demut, Wachsamkeit und Vertrauen aufruft.

Drei große Themen, die uns helfen wollen, als Christen in dieser Welt zu bestehen.

 

Zunächst heißt es:

„Alle aber miteinander haltet fest an der Demut. Denn ‚Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.‘ So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (V. 5b–7)

 

Demut: Das klingt wie Selbsterniedrigung, wie das Gegenteil von Selbstbewusstsein.

Aber biblische Demut hat nichts mit Schwäche oder Selbstverleugnung zu tun.

Sie ist vielmehr eine Haltung des Vertrauens: Ich weiß, dass ich mein Leben nicht allein in der Hand habe und dass ich es auch nicht allein leben muss. Ich erkenne an, dass Gott größer ist als ich, und dass seine Pläne besser sind als meine.

 

Demut bedeutet:

Ich lasse los, was ich nicht kontrollieren kann. Ich höre auf, mich selbst ständig beweisen zu wollen. Ich erkenne meine Grenzen an und vertraue mich Gott an. Deshalb folgt auf den Aufruf zur Demut die Einladung: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“

Das ist keine Vertröstung, das ist eine aktive Handlung: Sorgen loslassen, weil ich weiß, dass ich gehalten bin.

 

Ich stelle mir eine junge Frau vor.

Sie ist eine noch junge Lehrerin an einer Schule. Engagiert, pflichtbewusst, immer gut vorbereitet. Aber seit Monaten schläft sie schlecht. Sie fühlt sich verantwortlich für jeden Schüler, jeden Konflikt im Kollegium, jede verpasste Förderung.

 

Als sie sich einmal mit einer älteren Kollegin darüber unterhält, sagt diese einen einfachen Satz: „Du bist nicht der Heiland der Schule.“

Zuerst ist sie irritiert. Aber dann erkennt sie: Ja, ich versuche, alles zu tragen und vergesse, dass ich nicht allein bin.

In der nächsten Woche setzt sie sich in ihrer Mittagspause auf eine Bank im Park. Sie faltet die Hände und sagt leise: „Gott, ich gebe dir meine Sorgen. Ich bin nicht alles. Ich muss nicht alles können. Du bist da und hältst mich.“ Es ist der erste Schritt zu einer neuen Freiheit. Demut wird für sie zur Tür zur Gelassenheit.

 

Weiter heißt es im Bibeltext:

„Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass eben dieselben Leiden über eure Brüder und Schwestern in der Welt gehen.“ (V. 8–9)

 

Der zweite Gedanke führt uns in eine andere Dimension: Es geht um geistliche Wachsamkeit.

 

Petrus erinnert die Gemeinde daran: Es gibt einen Gegner des Glaubens, der nicht ruht. Der Teufel. Hier nicht als gruselige Gestalt, sondern als Symbol für all das, was uns von Gott wegziehen will: Versuchungen, falsche Sicherheiten, Resignation, Stolz, Gleichgültigkeit.

 

 

Petrus spricht vom Teufel als einem brüllenden Löwen. Ein erschreckendes Bild. Aber er sagt auch: „Widersteht ihm!“

Das bedeutet: Wir sind nicht wehrlos. Der Glaube ist kein naives Hoffen, sondern eine bewusste Entscheidung, Tag für Tag.

 

Wachsamkeit bedeutet: Ich prüfe, was mein Denken bestimmt. Ich achte darauf, womit ich meine Zeit fülle. Ich erkenne, wo ich auf Abwege gerate.

 

Interessant ist auch: Petrus ruft nicht zur Panik auf, sondern zur Nüchternheit. „Seid nüchtern und wacht“. Das ist eine Haltung der Klarheit. Wer wachsam ist, lässt sich nicht treiben, sondern lebt bewusst aus dem Vertrauen auf Gott.

 

Ich stelle mir einen jungen Mann vor:

Er ist Mitte dreißig, erfolgreicher Projektmanager.

Er ist Christ.

 

Aber sein Alltag ist voll: Meetings, Deadlines, E-Mails. Für Gebet, Bibel, Gottesdienst bleibt kaum Zeit. Als seine Frau ihn eines Abends fragt, warum er so gereizt ist, platzt es aus ihm heraus: „Ich kann einfach nicht mehr!“

 

In einem ruhigen Moment wird ihm klar: Er hat den Kontakt zu Gott verloren.

Nicht aus bösem Willen, sondern aus Nachlässigkeit. Er hat nicht gemerkt, wie sich in seinem Herzen Stolz, Angst und Gleichgültigkeit ausgebreitet haben – wie ein brüllender Löwe, der alles verschlingt. Am Sonntag geht er wieder in den Gottesdienst. Nicht, weil er muss – sondern weil er wieder wach werden will. Er beginnt, morgens 10 Minuten zur Ruhe zu kommen – mit einem Bibelwort, einem Gebet. Ein kleiner Schritt, aber ein echter Widerstand gegen den Löwen.

 

Und zu guter Letzt schreibt Petrus in diesem Teil seines Briefes:

 

„Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten habt, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht in Ewigkeit! Amen.“ (V. 10–11)

 

Am Ende des Abschnitts kommt der große Trost: Gott ist nicht fern.

 

Er ist kein Zuschauer unserer Mühen, sondern der „Gott aller Gnade“.

Er hat uns berufen – das heißt: Er hat ein Ziel mit uns. Und er wird uns durchtragen.

 

Auch wenn Leid und Mühe zu unserem Weg gehören: Sie sind nicht das Ende. Gott richtet auf, stärkt, kräftigt und gründet. Was für ein Versprechen!

 

Auffällig ist, dass es nicht heißt: „Gott nimmt alle Schwierigkeiten weg.“

Sondern: Er macht uns fest. Er gibt uns Standfestigkeit – mitten im Sturm. Die Kraft Gottes zeigt sich oft nicht darin, dass er Probleme verhindert, sondern dass er uns durchträgt. Und dass er uns neu aufrichtet, wenn wir gefallen sind.

 

Dann stelle ich mir einen älteren Menschen vor:

Dieser Mensch ist über 80. Er hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Den Tod des Ehepartners oder der Ehepartnerin. Eine schwere Krankheit. Zweifel am Glauben. Doch wer mit diesem älteren Menschen spricht, merkt schnell: Dieser Mensch ist nicht verbittert – sondern von einer tiefen Zuversicht getragen.

 

Als diese Person einmal gefragt wird, wie sie das alles ausgehalten hat, antwortet sie:

„Ich habe viele Nächte geweint – aber ich wusste: Ich bin nicht allein. Und immer, wenn ich dachte, es geht nicht weiter, kam irgendwie neue Kraft.“

Für diesen älteren Menschen ist klar: Es war nicht seine eigene Stärke. Es war Gottes Gnade. Dieser Mensch hat erlebt, was Petrus verspricht: Gott richtet auf, stärkt und gründet – auch in hohem Alter, auch in dunklen Tagen.

 

Diese Zeilen aus dem Petrusbrief sind wie ein Kompass in unruhigen Zeiten.

 

Drei Richtungen geben sie uns mit:

 

Demut: nicht als Selbstverleugnung, sondern als Haltung des Vertrauens.

 

Wachsamkeit: nicht als Angst, sondern als bewusste Entscheidung zum Glauben.

 

Trost: nicht in der Vermeidung von Leid, sondern im Vertrauen auf Gottes starke Hand.

 

Wer sich unter Gottes Hand demütigt, wer dem brüllenden Löwen wachsam widersteht, wer sich von Gott aufrichten lässt – der ist nicht ausgeliefert. Der lebt aus einer Kraft, die größer ist als jede Sorge.

 

Amen.