Geht das auswendig?
Goethe oder Schiller, Paul Gerhardt oder ein Psalm der Bibel? Von wem oder was können Sie auswendig etwas aufsagen? Manchmal ist es gut, ein paar vorgefertigte Worte zu haben.
Goethe oder Schiller, Paul Gerhardt oder ein Psalm der Bibel? Von wem oder was können Sie auswendig etwas aufsagen? Manchmal ist es gut, ein paar vorgefertigte Worte zu haben.
Neulich nach dem Schwimmen hat eine ältere Dame mit ihrer Freundin über die Umkleidekabinen hinweggeredet. Meine Kabine lag dazwischen. Erst ging es um die anstehenden Erledigungen, dann seufzte sie tief und begann, ein Frühlingsgedicht zu rezitieren. Es folgten sogar noch ein paar andere. Ich habe als Kind gerne Sachen auswendig gelernt, aber viel hängengeblieben ist nicht. Was ich allerdings immer hinbekomme ist ein Gebet der Bibel, Psalm 23. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“, beginnt es. Diesen Psalm mussten sogar meine Kinder noch in der Schule lernen. Das Gute am Auswendiglernen ist, dass sich so Lebensgefühle, Weisheiten, Lebensbilder gut einprägen und abrufbar sind, wenn einem die Worte fehlen. Gerne würde ich deshalb mehr Texte auswendig kennen. Man kann das trainieren, meint die Schwimmerin aus der anderen Kabine, aber Psalm 23 sei ein ganz guter Anfang, denn zu wissen, dass Gott für mich sorgt, sich um mich kümmert und ich beim ihm nicht verloren gehe, das kann in so mancher Lebenssituation ein großer Schatz sein.
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Der Psalm 23 ist voll sauber, wie ich meine. Das Gebet „Vater unser“ ist nicht voll sauber, wie ich meine, wegen dem Satz „Und verführe uns nicht zum Bösen, sondern erlöse uns vom Bösen“. Oder soll der Satz heissen: „Und verführe mich nicht zum Guten, sondern erlösen mich von diesem «bösen Guten»“?
Mir ist bewusst, dass das freche Worte sind und eine «Karikatur mit Worten».
Mich ärgert, dass Leute das nicht merken und diesen Satz gutgläubig verheiligen.
Ich bete übrigens an der Stelle: „Und führe mich aus der Versuchung und erlöse mich von Bösem“.
Am Sonntag war ich in einer traurigen Stimmung. Ich war bei einem Rundweg dabei, bei dem die Bilder an den Häusern in Stein am Rhein erklärt werden. Es wurde in unsere Gruppe auch gesungen. Die Worte der Lied-Texte wirkten dabei ganz anders als sonst, wenn ich nicht traurig bin.
So ist es schon oft lebendiges Wort, das zu einen spricht und die eigene Stimmungslage gibt den Aufmerksamkeits-Level vor, was nun gerade wirklich relevant erscheint. In Psalm 23 «im Angesicht meiner Feinde» bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn man es wirklich mit Feinden zu tun hat. Und in einer Situation zu sein, in der ich ein Problem habe, Freund und Feind unterscheiden zu können, fühlt sich schrecklich an. Ich war noch nicht oft in so einer Situation, aber die Situation ist wirklich grässlich z.B. im Prozess der Ehescheidung oder z.B. bei Texten, die sehr sehr komisch sind.