Foto: radio m, Anja Kieser

Bau dein Haus!

Jeder und jede soll Häuslebauer sein. Und jeder und jede soll so bauen, wie es gefällt. Bis auf eine einzige Sache…

Wochenspruch   – Jes 43, 1

Psalmgebet – Ps 139, 1-12

Predigttext  – 1. Petr 2, 2-10

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Bauvorschriften! Die älteste Bauschrift steht wohl in der Bibel. Da heißt es im 5. Buch Mose 22, 8:

Wenn du ein neues Haus baust, so mache ein Geländer ringsum auf deinem Dache, damit du nicht Blutschuld auf dein Haus lädst, wenn jemand herabfällt.

Das Dach war üblicherweise ein Flachdach und selbstverständlich sollte niemand von der Dachterrasse stürzen. In Deutschland haben wir ein umfangreiches Werk an Gesetzen, Verordnungen, Vorschriften und jeder, der schon mal gebaut, angebaut, umgebaut hat weiß, das kann einem die Nerven rauben. Vieles nachvollziehbar, was da geregelt wird. Vieles aber nun auch wirklich nicht. Richtig schön wird es, wenn ein Haus ganz neu gebaut werden soll. Was darf man hier bauen? Wie muss man bauen? Gibt es Reglungen fürs Dach oder gar die Hausfarbe? Und vom Denkmalschutz, der absolut seine Berechtigung hat – ich bin grundsätzlich Fan davon – mal ganz zu schweigen. Hier wird es dann mit den Vorgaben besonders lustig. Und jetzt auch noch dieser Impulstext für heute: Eine Bauvorschrift.

Ach, das ist ihnen entgangen? Das haben Sie so gar nicht aus dem Text herausgehört?

Dann passen Sie mal auf:

Unser Textautor, der wahrscheinlich nicht der Petrus war, der zu Jesu Jüngern gehört hat und auf den Jesus so sehr setzte, sondern wohl ein anderer Schreiber ist, der sich aber die Autorität dieses Petrus ausgeliehen hat, damit die Leute, die er in Kleinasien anschrieb, auch zuhörten, dieser Textschreiber legt hier eine Bauvorschrift vor. Eine Bauvorschrift mit zweifacher Auslegung. Zum einen für den eigenen, privaten Hausbau und zum Zweiten für den Gemeindebau.

Im Gegensatz zu den ordnerfüllenden Bauvorschriften von heute geht es unserem Schreiber, den ich jetzt der Einfachheit halber dann doch Petrus nenne, um letztendlich eine einzige Bauvorschrift: Um den Eckstein.

Ecksteine sind behauene Steine, die in die Ecke von Gebäuden kommen und eine tragende Funktion haben. Sie verstärken das Gebäude, haben eine baustatische Funktion und sind deshalb meist besser bearbeitet als die anderen Steine. Gerne sind sie auch architektonisches Gestaltungsmittel oder werden gar als Grundstein des Hauses gesetzt.

Der Eckstein, der Grundstein, hat in der Bibel von jeher eine Bedeutung. Es ist ein vielgenutztes Bild für Gott, für all das, wofür dieser Gott steht und wie er sich verstanden wissen will.

So lautet die Bauvorschrift im 1. Petrusbrief:

Bau wie du willst, aber vergiss nicht den Eckstein, der deinen Bau trägt.

Die einzige und wichtigste Botschaft: Der Eckstein, der Grundstein, deines Lebensbaus soll Gott sein, wie du ihn in Jesus Christus kennen gelernt hast. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bau auf diesen Jesus. Nimm ihn als Fundament. Bau auf ihn: hoch, weit, mit Schwung, eckig, Dachterrasse, oder nicht, mit viel Grün und Licht. Bau dein Leben und vergiss nicht diesen Jesus, der dich trägt und hält.

Jesu Leben, sein Sterben und vor allem seine Auferstehung sind der Eckstein deines Lebens. Das macht unser Petrus seinen Zuhörer:innen klar. Und das heißt: Wenn du Fragen hast an dein Leben, wenn du vor Entscheidungen stehst, wenn dir die Ungerechtigkeit der Welt und deine eigene Unzulänglichkeit auf die Füße fällt, wenn dir der Nachbar blöd kommt und dir die Sorge über dein Kind über den Kopf wächst, wenn, wenn, wenn, dann denke an Jesu Leben. Was war ihm wichtig? Wie hat er mit den Menschen gesprochen? Was hat er von anderen gelernt? Ja, das hat er. Jesu Leben hilft mir zu leben.

Und wenn du am Abgrund stehst. Wenn das Leben dir zu große Prüfungen auferlegt. Alles zu viel, zu schwer und zu hoffnungslos scheint, auch dann denke an Jesus den Eckstein. Er kennt das alles auch. Er kennt die Lebenssituationen, die einen zum Außenseiter machen, in die Isolation führen, weil keiner verstehen kann, was das Leben gerade mit mir macht. Bau auf Jesus den Grundstein deines Lebens.

Jesus der Grundstein, der Eckstein, das ist auch das Fundament aller Hoffnung. Weil der Blick über das Leben, das ich jetzt lebe, hinausgeht. Kein schwacher Trost, sondern Einbettung meines Lebens in ein größeres Ganzes. Das ist Wertschätzung, Respekt vor dem Leben, geliebtes Leben.

Bau auf das, dein Leben auf, dann kannst du bauen wie du willst, du wirst getragen sein.

Und so gilt es auch für die Gemeinde. Die Kirchen. Ein lebendiges Haus soll mein Leben und das Haus der Kirche sein. Auch ein Haus, das auf Jesus gegründet ist. Das klingt so selbstverständlich. Aber vielleicht ist es das Selbstverständliche, das manchmal aus dem Blick gerät, weil es so selbstverständlich ist. Kirche – wachse, sei bunt und frei. Habe aber auch den Mut loszulassen, dich zu verändern, weil Jesus der Grund deines Hauses ist.

So höre ich diese Worte von Petrus, der nicht der Petrus war, den wir aus der Bibel kennen, dem aber die Botschaft so wichtig war, dass alle Leute sie hören sollten und als wichtige Botschaft dieses berühmten Petrus erkennen, dem Jesus trotz allem so viel zugetraut hat.

Und was an dieser Bauvorschrift auch noch besonders ist: Der Schreiber des Petrusbriefes will die Menschen einen. Es ist ein Plädoyer die Verschiedenheit der anderen Menschen anzuerkennen. Und das kann gelingen, weil ich anerkenne, dass auch ihr Lebenshaus den Eckstein Jesus in sich trägt. Das verbindet.

Ich behaupte das hier, weil ich aus der Bibel höre, dass Gott sich in jeden Menschen selbst hingegeben hat; weil der Mensch Ebenbild Gottes ist, weil jeder Mensch bedingungslos geliebt wird. Weil jeder und jede durch Jesu Leben, Sterben und seine Auferstehung mit ihm verbunden ist. Auch diejenigen, die heute Gottes Liebe ablehnen.

Die heutige Bauvorschrift des Petrus: „Bau wie du willst, aber vergiss nicht den Eckstein, der deinen Bau trägt.“, sie will mich erinnern, die ich diesen Eckstein für mich schon entdeckt habe, dass ich tatsächlich in meinem Leben und Sterben auf diesen Grund setzen kann. Damit ich leichter lebe, trotz aller Schwierigkeiten, damit ich mutiger lebe, trotz aller Ängste, damit ich hoffnungsvoller lebe, trotz aller Nachrichten. Nicht umsonst wird der heutige Sonntag in vielen Kirchen zum Anlass genommen Menschen zu taufen oder die Taufe in einem Erinnerungsgottesdienst neu in den Blick zu nehmen. Denn das Thema ist: Erinnere dich, wer dein Leben trägt. Und erinnere dich, dass jedes Leben ein Geschenk Gottes ist. Amen