Foto: erstellt durch KI, leonardo AI

Gut oder böse?

Gewinnen nicht immer die Bösen? Haben die es nicht leichter? Wer brav ist und lieb und freundlich, bleibt gerne auf der Strecke. Stimmt oder stimmt nicht? Mal schauen, was Impulsgeber Markus Bauder dazu zu sagen hat.

Wochenspruch  – Joh 10, 11a.27-28a

Psalmgebet  – Psalm 23

Predigttext  – 1. Petr 2, 21b-25

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

0 Kommentare

Kommentieren

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Manuskript / Download
Gut oder böse? als Manuskript-Datei runterladen

Was für ein Text! Was für eine Herausforderung!

Ich wiederhole mal ein bisschen: Christus hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt: keine Sünde begehen, keine Lüge, Beschimpfungen und Hass nicht zurückgeben, Leiden schlucken und keine Vergeltung üben. Die Sache einem gerechten Richter übergeben …

Das mit dem Christsein ist kein Spaziergang oder wie es eine Verwandte immer mal wieder plakativ auf Schwäbisch in den Raum stellt: Das Leben ist kein Schlotzer. Das Leben als Christ schon gar nicht.

Nicht nur, weil das Leben an sich nicht einfach ist, sondern weil es als Christ:in so anders sein soll, als man es erwartet. Weil wir dabei ganz schnell das Gefühl haben können, dass wir ins Hintertreffen geraten im Gerangel auf dieser Erde. Wir haben nicht dieselben Tools, um nicht zu sagen: Waffen. Wer keine Skrupel haben muss, wen die Wahrheit nicht interessiert und wer hemmungslos Hass und Beschimpfungen verteilen kann, der hats heute leichter. Wer kein Gewissen hat und wem die anderen egal sind, der kann viel leichter mitmischen auf dieser Erde.

Die Guten haben es gerade schwer. Die Friedenswilligen, die Ehrlichen, die Freundlichen oder diejenigen, die versuchen, gerecht zu sein. Die Umweltschützer. Die Fairen, diejenigen, die nicht tricksen. Christinnen und Christen eben, die das alles ernst nehmen oder sich zumindest immer wieder darum bemühen, es ernst zu nehmen.

Wie schön wäre es, wenn man das tatsächlich glauben kann: dass man den ganzen Mist, all das, was einen anficht und schmerzt, einem gerechten und mächtigen Richter vor die Füße legen könnte, der dann die Sache für einen regelt irgendwann.

Das ist ja tatsächlich eine Hoffnung von vielen Christinnen und Christen, dass Gott es den Bösen einmal heimzahlt. So richtig heimzahlt. Dass sie für all die Bosheit, Ungerechtigkeit, den Hass und alles Böse bezahlen müssen. Nicht selbst die Vergeltung suchen und das gerechte Urteil nicht selbst fällen, sondern dem himmlischen Richter überlassen, der das dann übernimmt. Der Tag des Herrn, der dann allen die Augen öffnet und dann, spätestens dann, werden alle sehen, dass die Sanftmütigen am Ende besser dran sind. Und dann müssen es die anderen büßen. Aber so richtig …

Ehrlich gesagt – so kann ich das nicht glauben. Und ich glaube auch nicht, dass es so dasteht und dass es so gemeint ist in diesem Text, den wir gerade gehört haben.

Ich formuliere es so:

Jesus geht seinen Weg ehrlich. Demütig. Und dieser Weg, der so aufrecht ist, so ohne Kalkül, ohne Machtmissbrauch und ohne Gewalt, der bringt ihn ans Kreuz in den Tod. Aber dort endet dieser Weg nicht. Er geht weiter. Er geht in ein neues Leben.

Und eine konkrete Folge dieser Einsicht ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass dieser Weg, den Gott mit Jesus gegangen ist, nur eine Zwischenzeit ist. So als ob am Ende der Zeit, dann auch der Weg der Liebe endet und dann die Bösen und die Bosheit vernichtet werden. So als ob Gewalt am Ende doch die bessere Lösung ist. Oder vielleicht sogar die einzige.

Die Botschaft an alle Christinnen und Christen und an alle, die mit der Welt ringen. Die sich um aufrichtiges Handeln bemühen, die nicht mit den Löwen brüllen und mit den Schlangen arglistige Spiele spielen wollen, ist:

Der aufrichtige Mensch, der, dem Wahrheit, Liebe, Empathie, Hilfsbereitschaft wichtig sind, der sich darum bemüht und darum ringt, der findet nicht den Tod, sondern Leben. Dieser Mensch findet den gerechten Richter. Einen Richter, der das sieht, anerkennt, der nicht urteilt wie die Welt urteilt. Darauf kann ich vertrauen.

Man kann auch den anderen Weg wählen, aber der wäre dann nicht der Weg Gottes und der Weg Jesu.

Die schwierige Frage, die ich nicht beantworten kann, ist, was dann mit den Bösen ist. Mit denen, die anscheinend nur die Sprache der Gewalt verstehen. Die nichts anderes kennen als Lüge und Egoismus? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Gott sie auslöscht. Ich kann mir nur vorstellen, dass es auch für sie einen Weg gibt.

Ich finde es jedenfalls schon heute besser, den Weg Jesu mitzugehen. Es zumindest zu versuchen. Und darauf zu setzen, dass dort auch meine Unzulänglichkeiten und meine Unvollkommenheit aufgehoben ist. Und die von anderen auch. Dass ich mein Recht und mein Glück nicht mit unlauteren Mitteln erkämpfen muss.

Meine Hoffnung ist, dass dieser Weg zum Leben führt. Zu echtem Leben. Zu Gottes Vorstellung von Leben. Und zu echtem Glück.

Ansatzweise meine ich, dies auch schon hier und jetzt zu entdecken. In den kleinen und großen Taten der Liebe. Dort, wo Menschen es schaffen, Beschimpfungen und Hass nicht heimzuzahlen. Dort, wo Gerechtigkeit versucht und Freundlichkeit gelebt wird. Wo wir auf Augenhöhe unterwegs sind und echte Begegnungen stattfinden.

Meine Hoffnung ist, dass dies irgendwann bis in alle Ewigkeit so sein wird. Und alle mitmachen.

Gott segne und helfe uns auf diesem Weg.