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Im Auftrag unterwegs

Nicht nur 007 hat einen Auftrag. Wir alle! Was ist dein Auftrag? Und was gibt dir die Kraft, die du dazu brauchst? Ein Impuls von Pastor Wilfried Röcker.

Wochenspruch  – 2. Tim 1, 10b 

Psalmgebet  – Ps 68,4–7.20–21.35–36

Predigttext   – 2. Tim 1, 6-10

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Deiss Gabriele
    Deiss Gabriele aus Filderstadt sagte:

    Vielen Dank für diesen ermutigenden Kleinen Gottesdienst!!!
    Er hat mir sehr gut getan!

    Antworten

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„Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs“

Ein Satz, bei dem bei mir sofort der Kultfilm „Die Blues Brothers“ losläuft: als Jake Blues aus dem Gefängnis entlassen wird, erfahren er und sein Bruder Elwood, dass das katholische Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind, wegen ausstehender Steuerschulden von 5.000 Dollar geschlossen werden soll. In einem baptistischen Gottesdienst hat Jake sein Berufungserlebnis. Die Energie und der Geist der Musik inspirieren Jake und er beschließt zusammen mit seinem Bruder, ihre alte Band, die Blues Brothers, wieder zusammenzubringen und ein großes Benefizkonzert für das katholische Waisenhaus zu veranstalten, damit die Steuerschuld bezahlt werden kann. Und so sind sie im Auftrag des Herrn unterwegs. Sonnenbrille und schwarzer Hut, das gehört zu ihrem Image. Auf ihrer Mission, zunächst die Bandmitglieder zu finden, erleben Sie manche Abenteuer, bei denen man sich manchmal fragt, ob sie das mit dem „Auftrag des Herrn“ wirklich so richtig verstanden haben. Was mich berührt ist, wie unbeirrbar die Blues Brothers zu Gange sind. Für mich ist es eine Geschichte, die zeigt, was möglich ist, wenn Menschen sich von Gott berufen wissen.

Paulus und Timotheus sind für mich ebenso zwei ganz besondere „Brothers“, die schon viel miteinander erlebt hatten. Sie waren unterwegs in gemeinsamer Mission. Timotheus war als Vermittler zwischen Paulus und den Korinthern unterwegs. Vermutlich war Timotheus als enger Mitarbeiter und Organisator der Arbeit des Paulus auch in die Geldsammlungsaktion für die verarmte Gemeinde in Jerusalem eingebunden. Hier in unserem Abschnitt, macht Paulus seinen Bruder – ja mehr noch: seinen „Sohn im Glauben“ auf ihre gemeinsame Berufung aufmerksam. Kann sein, dass das im Trubel des Alltags mit seinen vielen kleinen Herausforderungen aus dem Blick gerät.

„Gott hat dich berufen, Timotheus. Und das geschah nicht, weil Du so toll bist. Es war Gottes Entscheidung. Völlig unabhängig von Dir. Berufen zu sein hat etwas mit der Erfahrung der Gnade Gottes zu tun.“ So könnte man die letzten Verse des Predigttextes zusammenfassen.

Ist das auch mein Verständnis von Berufung? Ich frage mich: woher weiß ich denn, dass ich berufen bin? Ich stelle in der Regel einen Zusammenhang zwischen Gabe und Aufgabe her. Sprich: meine Begabung wird zur Berufung. Brother Paulus fordert mich heraus, diesen Zusammenhang zuerst einmal wieder auf die Seite zu legen und zu verstehen, dass an erster Stelle Gott der Aktive ist. Da beginnt alles. Er kommt mir entgegen und sagt: wie gut, dass es dich gibt. Sei dir gewiss: Du bist geliebt. Du bist gewollt. Du wirst gebraucht. Komm. Mach mit. Bring Dich ein. Ich will gerne Dein Leben mit Dir gestalten. Das ist die Gnade Gottes, die mir gilt, schon im Voraus und für mein gesamtes Leben. Ich erfahre sie, dort, wo mir Menschen so offen und unvoreingenommen begegnen. Ich werde vielleicht durch ein Lied, ein Bild oder einen Gottesdienst ganz tief in meinem inneren berührt und werde glücklich über diese bedingungslose Wertschätzung meiner Person. Und es eröffnet sich ein weiter Horizont, wie ich mein Leben entfalten kann. So eine Gnade bestimmt darum auch alles im Leben.

Das ist die Basis, auf der sich mein Leben entfalten darf. „Ja genau! Dein Leben und mein Leben“, schreibt Paulus: „Erinnere Dich daran, Timotheus! Erinnere Dich daran, Wilfried!“

Wow! Das ist eine Voraussetzung, die das Leben und auch das Beauftragtsein in ein anderes Licht stellt. Egal was ist, egal, was passiert. Auf dieser Basis darfst Du leben. Egal ob Du in Deinem Dienst für Gott gerade oben auf der Welle surfst oder ob Du am Untergehen bist: Gottes Liebe zu Dir bleibt – dass du ein wertvoller Mensch bist, daran ändert sich nichts. Egal, ob Du erfolgreich bist oder ob Dein Vorhaben gescheitert ist. Du bist und bleibst geliebt. Du bist Du, das ist der Clou – so hat es einmal Jürgen Werth in einem Lied formuliert. Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du, das ist der Clou, du bist du. Ja, du bist du.

Du Timotheus, Du Wilfried, Du Schwester, Bruder: Du bist Du. Und Gott braucht Dich.

Ich kann diese Worte des Paulus gar nicht oft genug hören. Sie tun mir so gut. Ich sauge sie in mich auf und entdecke, welche Freiheit und welche Ermutigung in seinen Worten steckt. Mein Leben ist unabhängig vom Erfolg. Mein Leben ist unabhängig von Stimmung. Mein Leben ist unabhängig von den Urteilen anderer.

Brother Paulus lebt mir diese Freiheit vor. Ganz egal ob er erfolgreich eine Gemeinde gründet, ob er in Konflikten mit Gemeinden steht oder ob er im Gefängnis steckt – Paulus ist unabhängig und frei, weil Gott ihn berufen hat. Das ist sein Ausgangspunkt. Er ist im Auftrag des Herrn unterwegs. Und Du, Brother Timotheus auch. – Und Du, Brother, oder Du, Sister, bist es auch. Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs!

Erinnere Dich daran. Und vor allem: Erinnere Dich daran, womit Gott Dich ausgestattet hat: Mit Gottes Geistkraft. Hebräisch: Ruach. Die Ruach lässt uns nicht verzagen. Sie gibt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Sie gibt uns Kraft. Griechisch: Dynamis.
Der Antrieb, der nichts belässt, wie es ist und sich nicht aufhalten lässt. Paulus schreibt: die gute Botschaft von Jesus und seiner Liebe, das ist die Kraft Gottes, die alle rettet. Das ist die Kraft, die das Leben antreibt. Vertraue darauf, Timotheus: Gottes Geistkraft verbindet Dich mit dieser Energiequelle.

Neben der Kraft steht die Liebe. Griechisch: Agape.
Agape ist mehr als Freundschaft, mehr als Phileia und mehr als Sympathie. Es ist die Liebe, die Grenzen überwindet, die zugewandt ist und bleibt, unabhängig von der Reaktion des Gegenübers. Sei Dir gewiss, Timotheus: Gottes Geistkraft erfüllt Dich mit dieser Liebe

Und zuletzt steht da die Besonnenheit. Griechisch: Sophronismos.
Sophronismos kann man auch mit Vernunft oder Zucht oder Tugend übersetzen. Sophronismos erzählt von Reife, von tief verinnerlichten Werten, die nicht gleich aus dem Gleichgewicht geraten. Es geht um eine Reife, die das Leben standhaft macht. Gottes Geistkraft stellt Dein Leben in dieses Gleichgewicht, Timotheus. Vertraue darauf.

Das Besondere ist: Erst im Dreiklang kommt das Ganze zu seiner Wirkung: Dynamis ohne Agape, ohne Liebe, wird bloßer Aktivismus. Agape ohne Sophronismos, ohne Besonnenheit, führt in emotionale Erschöpfung. Sophronismos ohne Dynamis, ohne Kraft, bleibt in sich stecken. Erst zusammen wirken sie als nachhaltige Geistkraft.

Ich bin froh, dass ich hier im Timotheusbrief diese Ermutigung hören darf und sie lesen darf, als wären es auch Worte an mich, der ich auch im Auftrag des Herrn unterwegs bin. Denn manchmal geht diese Gewissheit verloren.

Ich verliere sie vor allem im mühsamen Tagesgeschäft, wenn alles zäh ist und nichts wirklich voran geht. Wenn das Leben im Kleinklein verschwindet und leblos wird, wenn ich nichts mehr spüre. Dann gerät mir meine Berufung aus dem Blick und auch meine Kraftquelle. Dann verzage ich. Dieses erschöpfende Abarbeiten von nicht endenden Todo-Listen empfinde ich für mein Leben als Christ fast bedrohlicher als Widerstände oder Konflikte. Da werde ich erst mal wieder lebendig, wache auf und muss agieren. Sie machen mich lebendig. Da weiß ich, dass es nicht ohne Gottes Geistkraft geht, dass ich Kraft, Liebe, Besonnenheit brauche, um durchzukommen.

Die Worte an Brother Timotheus sind also nicht so sehr für die Glückstage oder für die Tage, wo ich richtig gut am Agieren und Kämpfen bin, gedacht. Es sind Worte für Zeiten, wo das Feuer erlischt. Worte für das Burn-Out: Sei Dir gewiss, Brother/Sister: Gottes Geistkraft gibt Kraft, Liebe und Besonnenheit. Lass dieses Feuer neu in Dir entflammen. Du musst dafür nichts tun. Sie sind da, weil Du bist. Weil Du berufen bist. Weil Gott Dich liebt. Also: mach Dich auf: Du bist im Auftrag des Herrn unterwegs!

Okay sage ich mir. Meine eigene Berufung zu leben, beginnt also wieder am Montagmorgen, wenn um 6.30 Uhr der Wecker klingelt. Sie gilt, wenn ich mich mit jeder Menge Kram rumschlage und endet in Sitzungen, die ohne Ergebnisse schließen. Genau da will Gottes Geistkraft mich mit Kraft, Liebe und Besonnenheit beschenken.

Ich habe mir überlegt, was mich daran erinnern könnte und habe mir als erstes ein Bild von den Bluesbrothers als Bildschirmhintergrund auf mein Smartphone geladen. Was könnte Dich erinnern?