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„Papa, muss ich an Gott glauben?“ fragt mich mein Zehnjähriger und ich muss lächeln. Er liebt es gerade, mich zu testen! Zu seiner Verblüffung antworte ich aber kurz und knapp: „Nö, muss man nicht!“ Und das denke ich tatsächlich! Denn was ich glaube oder auch nicht, das kann keiner vorgeben, das kann nur ich entscheiden. Müssen und glauben, passt also nicht zusammen. Immer noch irritiert von meiner anders erwarteten Antwort, hakt mein Sohn nochmal nach: „Aber du sagst doch immer, man soll glauben!“ Jetzt bin ich am überlegen. Das sind zwar nicht meine Worte, die ich immer sage, aber: Gibt es einen guten Grund warum man glauben SOLLTE? Ja, doch! Den gibt es durchaus! Denn dieser Gott ist an keinem Müssen oder Sollen interessiert, sondern wendet sich von sich aus immer wieder uns zu. Weil er das will, weil wir es ihm wert sind, weil wir ihm wichtig sind. Er will für uns da und mit uns unterwegs sein. „Gebt mir eine Chance und ich zeig euch wie ich mir euer Leben gedacht habe“, bietet Gott uns an und ich glaube das ist einen Versuch wert!

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Ich glaube, dass der Glaube für „das Volk“ nach eigenen Gesetzmässigkeiten funktioniert. Die Kath. Kirche hat die Glaubenspraxis ziemlich dominant bestimmt, ca. 1400 Jahre in Europa. Dann kam die Reformation und das löste einen riesen Ärger aus und auch einen sehr langen Krieg. Danach stand das eigene Bibellesen stärker im Vordergrund, was natürlich auch damit zu tun hatte, dass der Buchdruck erfunden wurde.
Wie argumentierte es die Kath. Kirche, von Gott eingesetzt zu sein für den Volksglauben Verantwortung zu haben? Gott/Jesus, Petrus/Papst, Kardinäle, Bischöfe, Priester, Volk, Beichtstuhl.
Wenn das Volk glauben muss, wenn das Volk glauben sollte, dann beurteilt das Volk erstmal, ob das, was ihm angeboten oder ermöglicht wird, annehmbar ist.
Mich hat vor ca. 3 Monaten ein Missionar stark geärgert, als er sagte: „Die Leute brauchen sich nicht wundern, dass alles immer schlechter wird, wenn sie Gott ablehnen.“
Meine Antwort war: Sie lehnen nicht Gott/Jesus ab, sondern das System, was ihr aus dem Gott/Jesus-Glauben gemacht habt, also die menschlichen Strukturen dazu.
Zur damaligen kath. Zeit, wäre es unter Todesstrafe verboten gewesen, sich Gedanken zu machen, was denn der richtige Weg (das richtige System) für den Volksglauben ist.
Die Methodistische Kirche hat zumindest eine offene und intellektuell reife Art, damit umzugehen. Was richtig ist, weiss Jesus und Gott/Jesus.
Was muss man, was soll man? Eine Christ-Freundin reiterte im Gespräch sehr darauf rum, dass man eine Entscheidung treffen soll. Dann schickte sie mir einen Text, der durch gewisse Passagen „Verarschung von Gläubigen“ war, aus meiner Sicht. *Immer* eine Verbindung zu Gott zu haben, wurde z.B. als Ziel formuliert. Das sind illusorische Ziele. Es sind Ziele, die von der Einbildungskraft des Menschen abhängen und dann Glauben genannt werden – ehrenwert, aber in der Überhöhung gelebt, wieder falsch. Ich könnte zugestehen: Wenn man in einer feinen und lieblichen Weise eine Verbindung zu Gott/Jesus oft bis ständig anstrebt, ist das okay.