Kommentare
Kommentieren
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!
Schreibe einen Kommentar
Manuskript / Download
Es klingelt an der Türe, ich mache auf und zu meiner Überraschung stehen Freunde vor der Tür. Unangesagt! Ohne Termin! Ohne Vorankündigung! Einfach so! Im ersten Moment bin ich überfordert, weil das kaum noch vorkommt! Dann bitte ich sie herein und wir verbringen einen echt schönen Nachmittag zusammen. Ganz spontan. Einfach so! Zum Schluss entschuldigt sich noch eine für den Überfall. Und das ist komisch! Wer nicht überfallen will, soll sich ankündigen oder es sein lassen. Ich empfinde das als scheinheilige Höflichkeit. Gut, ich hätte sonst was vorhaben können. Andererseits hatte ich Zeit, die ich sonst wohl mit Alltag vertingelt hätte. Und ich hätte auch sagen können: „Ne ihr, ist nett, aber ich kann heute nicht! Vielleicht beim nächsten Mal!“ Türe zu! – Aber habe ich nicht! Der Überfall war schön! Tat gut! Dürften sie wieder tun! Denn Verabreden? Alle haben doch zu viel zu tun und keine Zeit. Und überhaupt die ganzen Vorbereitungen für so ein Treffen! Das schreckt ab! – Doch! Ich glaube, einfach mal klingeln gehen, Pläne durchkreuzen, das ist das Leben, wie ich es von unserem Schöpfer kenne und, ganz ehrlich, das macht das Leben erst so richtig spannend!

Foto: @ radio m
© Wildbunch Germany 










Diese Kultur des „einfach klingelns“ ist bei den Afrikanern üblich. Einher geht aber auch deren Kultur, dass wenn sie offiziell eingeladen sind, dann gar nicht pünktlich sind. Aber sie leben und sind in Beziehungen authentischer und weniger verkopft.
Wer auch noch einfach klingelt, sind die Zeugen Jehovas. Ich lade sie grundsätzlich zu mir in die Wohnung ein und diskutiere immer mit ihnen. Früher ein wenig provokativ und auch ein wenig hinterfragend aber heute sehr freundschaftlich und mit viel Verständnis für ihre Eingebundenheit in ihr Glaubenssystem.
Ich sage ihnen immer, dass ich mit «ihnen» am meisten Arbeit hatte, zu unterscheiden, ob sie nun vorbildliche Christen sind oder eher Sektenanhänger. Ich las in deren Bibel den Vorspann und dort heisst es, dass deren Bibel (mit Wörtern wie «Gedächtnis-Gruften» statt «Gräber») die aramäische Sprache, die hebräische und griechische Sprache berücksichtigen, aber ihre Bibel ist keine direkte Übersetzung. Sie haben eine englische Hauptversion (ähnlich wie bei den Katholiken mit der lateinischen Fassung), die als Übersetzung für alle anderen Sprachen dient.
Bei Bibelstellen, die gleich sind, zu richtigen Übersetzungen betonen sie gerne, dass es nachprüfbar wäre, dass ihre Fassung gleichwertig sei. Ihre Fassung ist berichtigt auf ihre Glaubenslehre. Jesus sagt da nicht: Noch heute wirst Du mit mir im Paradies sein, sondern: Ich sage Dir heute, Du wirst mit mir im Paradies sein.
Nun wenn ich aber meiner Partnerin sage: Ich sage Dir heute, dass ich Dir ewig treu sein werde, dann bekommt sie sicher Bauchgefühle, die komisch sind. Was sagst Du mir dann morgen?
Beim letzten Besuch tauchte das Thema auf. Dann sagte dieser Zeuge Jehova, dass Jesus ja nach seiner Kreuzigung ins Totenreich abgestiegen ist und erst nach der Himmelfahrt ins Paradies gegangen oder geflogen oder transferiert worden ist. Und da könne es doch gar nicht sein, dass Jesus nach seinem Tod am Kreuz gleich im Paradies sein könne mit dem Mit-Gekreuzigten, der sich in aller letzter Stunde erst zu Jesus bekehrt hat. Auch wieder ein gutes Argument. Das Argument kommt aber auf Basis unseres Glaubensbekenntnisses, das wir sprechen. Ach uns geht das gar nicht an, wo Jesus existiert. Vielleicht existierte ja Jesus sogar im Himmel weiter, während ein kleineres Download auf der Erde war. Wer weiss?