Doppelkassensystem

Einkaufen ist kein Vergnügen mehr! Immer muss alles schnell gehen. Da bleibt dann nicht nur das gute Einkaufgefühl auf der Strecke.

1 Kommentar
Kommentare
  1. Joachim S.
    Joachim S. aus der Schweiz sagte:

    Ich habe lange überlegt, worum es bei dem Radio-Beitrag geht.
    Ich denke, dass es darum geht, dass die Effektivität unseres Lebens ständig gesteigert wird und immer weniger Zeit für Mitmenschliches übrig ist, zeitmässig, als auch willensmässig. „Die Christen“ wollen noch ein wenig netter sein und andere sind es oder sind es eben nicht – auch eine Form von gelebter Ehrlichkeit.
    Nun ein Themawechsel zum Thema „Ehrlichkeit zu Mitmenschen“:
    Bei mir hat Ehrlichkeit einen grossen Nachteil: Wenn ich blöderweise Recht habe, verletze ich womöglich jemand, den ich dann womöglich verliere. Wenn ich aber ein Lob ausspreche, adelt das extrem, weil ich ja immer ehrlich bin und es kein „Einschmeicheln-Lob“ oder „Schleimer-Lob“ gibt von mir. Nun gibt es aber auch andere Effekte: Man möchte z.B. in die Elternrolle kommen, die „dem Kind“ gegenüber, Lob oder Tadel ausspricht. Wir führen dann in der Geschäftswelt z.B. so Wörter wie „Feedback“ ein, um diese Erinnerung an dieses Hierarchie-Gefälle wegzulassen. „Feedback geben“ ist so eine Art ehrliche Rückmeldung vom anderen mit nur ganz wenig Anteil in Richtung Manipulation.
    Also zurück zur Kasse: Wir geben der Kassierin eine Rückmeldung (Du bist okay) oder wir wollen von der Kassiererin eine Rückmeldung (Ich bin okay), so ganz schnell, schnell.
    Übrigens einer der komplexesten Angelegenheiten folgendes: Man kennt die Probleme des anderen (seine grässlichen Macken) und dass diese Person sozusagen einen Charakter-Schaden hat und soll dann trotzdem das Feedback geben: Du bist okay. Und wenn ich dieses Feedback „Du bist okay“ dem anderen Macken-Mensch nicht gebe, bin ich beim anderen nicht mehr okay. Ich meine: Wohl dem, der es mit echten ehrlichen Menschen zu tun hat. Wir bewegen und im Spannungsfeld: Ehrlichkeit, Taktgefühl, Manipulation und Wertschätzung. Der Spannungsbogen schliesst sich durch: ehrliche Wertschätzung

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In unserem Supermarkt sind die Kassen umgebaut worden. Wenn meine Einkäufe jetzt über den Scanner gezogen worden sind, landen sie in einem der beiden Ablagebereiche. Und während ich noch dabei bin, meine Einkäufe in aller Eile einzuräumen und zu bezahlen, werden schon die Einkäufe der nächsten Person in den zweiten Ablagebereich geschoben. Doppelkassen- System nennt sich das. So geht alles noch viel schneller. Weniger Personal für mehr Kunden. Mehr Umsatz in weniger Zeit. Und ich? Ich bin gestresst von der Geschwindigkeit. Zum Durchatmen bleibt keine Zeit. Geschweige denn für einen Abschiedsgruß an die Kassiererin. „Alles hat seine Zeit“ schießt mir ein Vers aus der Bibel durch den Kopf.

Alles hat seine Zeit- also auch das Einkaufen. Deswegen will ich mir die Zeit dafür auch nehmen. Mich nicht stressen lassen. Und ganz bewusst die Kassiererin zum Abschied freundlich grüßen- trotz Doppelkassensystem. Oder vielleicht gerade deswegen.