Echt so?

Wo wir auch sind, sind wir mit Erwartungen anderer konfrontiert. Wie viel verlieren wir uns selbst, wenn wir andere zufriedenstellen wollen?

1 Kommentar
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  1. Joachim S.
    Joachim S. aus der Schweiz sagte:

    Bin ich echt, bin ich schlecht?
    Nach christlicher Lehre ist der Mensch ja nicht gut. Der Mensch ist ein Sünder oder neigt dazu ein Sünder zu sein. In dieser Vortrags-Szene im esoterischen Bereich hörte ich mal: Machen wir uns nichts vor: Geht es dem Menschen zu gut, geht er wie eine Kuh aufs Eis und bricht sich schnell ein Bein oder steht dann ängstlich rum oder bricht ein. Schön brav auf der Wiese bleiben, liegt dem übermütigen Menschen nicht.
    Dann gibt es noch das Feld der verschiedenen Betriebszustände. In depressiven Stimmungen muss man sich regelrecht schämen und man ist sogar gut beraten, nicht unbedingt die eigene innere Stimmung nach aussen zu tragen. Positiv gestimmt sein, was bis ins Vorspielen geht (ja regelrecht die anderen positiv anlügen), wirkt innerlich auch irgendwie unecht.
    Dann gibt es noch so was wie Gehirnfurze, bei denen man gut beraten ist, sie nicht rauszulassen, weil es einem dann selber sogar stinkt.
    Ja wann bin ich wirklich echt?
    Ja wann bin ich mit mir und meinem inneren Zustand zufrieden?
    In Konstanz gab es früher vor Corona so eine Erwachsenen-Disco. Es war für mich unglaublich, wie die Leute da tanzten. Das war teilweise ulkig bis unbeholfen anzusehen aber dort galt das ungeschriebene Gesetz: Keine muss hier eine Rolle spielen, jeder darf hier so sein wie er Mensch ist und er darf sich so bewegen, wie er/sie es eben will und angenehm findet. Was ich als Tänzer da sah, belustigte mich teilweise.
    Ich wusste aber auch: Hey hier jah niemanden was vortanzen oder angeben. Einfach Du selber sein, weiter nichts. Erstaunlich, dass diese Ü38-Ü59-Tanzszene das so nonverbal rüberbrachte, dass selbst ich es kapierte.
    Oft hörte ich aber auch Leute lästern: Warst Du da schon mal? Hast schon mal gesehen wer da immer hingeht?
    Cool ist für mich die Vorstellung, was Jesus im Himmel da cool findet.
    Ja ich möchte, dass er diese Tanzszene cool findet.
    Nein ich möchte nicht, dass Jesus diese Tanzszene anschaut und sagt: Tja ohne mich als Erlöser anzunehmen, seid ihr alle leider verlorene Wesen. Mein Jesus hat da schon mitgetanzt, ganz echt und authentisch. So was Cooles ist voll selten und für Jesus sicher wertvoll.

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„Du bist echt so, oder? Du wirkst voll so… authentisch“, sagt mir jemand, nachdem wir länger in einem kleinen Team bei einem Projekt zusammengearbeitet haben. Ich bin überrascht. Ich? Echt? Naja, was soll ich denn sonst sein, wenn nicht ich, denke ich und antworte, „ja, schon, glaube ich“. Und bin wohl unübersehbar irritiert. „Sieht man nicht so oft“, erhalte ich als Antwort. Ich bin mir nicht sicher, ob der Teamkollege da so ganz und gar richtig liegt, aber offenbar ist es nicht selbstverständlich, dass wir sind, wie wir sind. Es scheint aufzufallen. Aber was hält uns davon ab? Welche Rollen spielen wir? Und was erhoffen wir uns davon? Oder was befürchten wir, wenn wir doch so sind, wie wir eben sind? Wie wäre es mit „mal ausprobieren“? Denn warum sollten wir als Schauspieler fremder Rollen oder Kopien ende, wo Gott uns doch als Originale geschaffen hat? Die genau damit diese Welt reicher machen können?