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Stellt euch vor: Ihr habt bei einem Wettbewerb gewonnen. Jeden Morgen überweist euch jemand 86400 Euro auf euer Konto. Die einzigen Regeln: Alles, was ihr nicht im Laufe des Tages ausgebt, wird euch am Abend wieder weggenommen. Und: Jederzeit kann das Spielchen vorbei sein und ihr bekommt kein neues Geld mehr. Coole Vorstellung. Reizt mich, dieses Gedankenspiel. Wofür würde ich dieses Geld verwenden? Wie würde ich es ausgeben, dass es gut eingesetzt ist? Welche Menschen sind mir so wichtig, dass ich sie an dem Gewinn beteiligen würde? Dabei fällt mir auf: Eigentlich ist das Gedankenspiel ja Realität. Jeden Morgen bekomme ich 86400 geschenkt. Okay, nicht Euro. Aber 86400 Sekunden Lebenszeit. Aufheben kann ich meine Lebenszeit nicht. Und jederzeit kann sie auch vorbei sein. Wie nutze ich sie also – meine Lebenszeit? Wer ist mir so wichtig, dass ich genügend Zeit mit ihm verbringe? Ein Beter in der Bibel hat darüber auch nachgedacht und bittet schließlich Gott: Mach uns bewusst, wie kurz das Leben ist, damit wir unsere Tage weise nutzen.

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Zeit lässt sich nicht vermehren.
Aber rechnet man die Zeit, die alle Lebewesen haben, so lässt sich Zeit quasi doch vermehren. Jeder Mensch hat Zeit. Jeder Mensch braucht Zeit. Der Mensch braucht Zeit, um sich zu organisieren in dieser Welt.
Machen wir mal ein anderes Gedankenspiel: Darf ich mir Zeit wegnehmen, die mir gegeben wurde? Ich werfe mal 2 Stichworte dazu ein: Ich kann mir Zeit durch Egoismus nehmen oder ich kann mir Zeit durch einen Selbstmord nehmen. Gut ich gebe zu, dass das Thema „Selbstmord“ ein oberkrasses Beispiel ist. Die grosse Frage, die aber dahintersteckt: Verfüge ich über meine Zeit? Soll ich über meine Zeit verfügen? Soll ich verantwortungsbewusst über meine Zeit verfügen? Es gab in der christlichen Entwicklung schon mal eine Zeit (interessantes Wortspiel übrigens), in der viele Menschen sehr viel über ihre Zeitverwendung nachdachten und z.B. ins Kloster gingen und z.B. Kloster-Schwestern wurden in der Funktion als „Kranken-Schwester“. Meine Zeit gehört dann der Kirche oder sie gehört Jesus oder sie gehört einfach einer guten Sache. Belohnung ist dann ein schönes Plätzchen im Himmel, eine bessere Wohnung, als andere dann dort bekommen oder eine Genug-Tuung im Herzen oder eine Sinngebung zu diesem Leben (manchmal auch Scheiss-Leben). Ich will nicht zu zynisch werden hier. Ich glaube, dieses Zeit-hingebende Denken war gut und löblich.