Irgendwo im Nirgendwo
Wer geht schon gern in die Einöde? Wobei es dort interessante Entdeckungen zu machen gibt.
Wer geht schon gern in die Einöde? Wobei es dort interessante Entdeckungen zu machen gibt.
Vor zehn Jahren ist der Künstler und Schriftsteller Wolfgang Herrndorf gestorben. Neulich ist mir mal wieder sein Buch Tschik in die Hände gefalle. Die Geschichte zweier pubertierender Jungs, in der immer wieder von der Walachei gesprochen wird. Walachei. Ich hatte das Wort schon fast vergessen. Eigentlich eine Landschaft in Rumänien. Gemeinhin nur als ein Ort absoluter Einöde bekannt. Die Jungs im Roman sind mit einem gestohlenen Auto in die Walachei gefahren. Irgendwo ins Nirgendwo. In der Weite, im Blick auf den unfassbaren Sternenhimmel, fern jeglicher Ablenkung, da wurden sie sich ihrer selbst bewusst. Die Walachei wird zum Ort einer intensiven Erfahrung. Gibt es mehr zwischen Himmel und Erde? Eine Bestimmung. Eine Verbindung zwischen mir und dem, was ich nicht sehen und doch staunend wahrnehmen kann. Herrndorfer beschreibt, was Religion immer wieder zu vermitteln versucht: Das Dasein braucht immer wieder die Begegnung mit der Schöpfung, der unbegreiflichen Natur. In der Literatur, geht es darum sich selbst zu finden, im Glauben darum, sich und Gott zu finden. Irgendwo in der Walachei.
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Interessant ist doch, dass man in so einer Einöde lange Zeit nicht leben kann (sonst wären ja viele Menschen dort und würden es „geniessen“). Und wenn viele Menschen dort wären, wäre es keine Einöde mehr.
Ich stelle fest, dass Europa tatsächlich Regionen hat, die noch relativ wenig besiedelt sind und noch Platz für Menschen haben. Oder anders ausgedrückt: Ich stelle fest, dass Europa tatsächlich noch Regionen hat, die der Natur gehören und nicht dem Menschen.
Gehört die Natur dem Menschen, nur weil der Mensch mit dem Allrad-Auto dort hinfahren kann?
Der Mensch ist so, dass er Anspannung und Entspannung braucht. Der Mensch ist so, dass er belebte Orte braucht, aber wenn es zu belebt ist, dann Einsamkeit braucht und wenn zu viel Einsamkeit erlebt wird, dann braucht man mehr das quirlige Leben (z.B. Stadt-Leben, Kreuzfahrtschiff).
Irgendwo in der Literatur oder in der Psychologie gibt es sicher einen Begriff dafür, warum und wieso der Mensch so ist. Ich habe am Samstag gefühlt meine Altlasten der Firma noch erledigen können und konnte dann am Sonntag mich total entspannt fühlen und mit so einem Gefühl von „gesättigt“ sein. Ich weiss auch wo es herkommt. Mein Belohnungssystem wurde so programmiert: Fleissig Arbeiten und Sachen erledigen, erlaubt Mir die optimale Entspannung. Gut: Samstag Abend war ich noch gut Tanzen, das spielte auch eine Rolle (übrigens „alleine“).