Niemals fertig

Alles klar, Haken dran, Strich drunter. So hätten wir das oft gerne. Aber zumindest bei uns sollten wir uns davor hüten.

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„Glaube bloß nicht, dass du irgendwann mal fertig bist mit dir“, erinnert mich eine ältere Frau, die ich im Pflegeheim besuche. Sie meint all die Situationen und Lebensumstände, die sich stets ändern, und die immer neuen Lebenserfahrungen, die hinzukommen. Das alles führt dazu, dass man sich selbst auch immer wieder neu kennenlernt, herausgefordert wird. Seiten entdeckt, die man toll oder eben auch ganz schrecklich an sich findet. Man ist eben nie fertig mit sich selbst. Das kann anstrengend sein, höre ich aus dem Satz der Frau heraus. Es ist aber auch das, was das Leben spannend hält, einen neugierig und damit gedanklich fit hält. Wer will nicht bis ins hohe Alter gedanklich rege bleiben und möglichst nicht versauern? Die Voraussetzung dafür scheint mir zu sein, dass ich mich nicht mir selbst gegenüber verschließe, sondern mich immer wieder in den Blick nehme. Aktiv mit mir umgehe. Mich nicht aufgebe. Es ist etwas, das ich auch aus meinem Glaubenslebe kenne. Da bin ich auch nie fertig. Manches ist zur Gewissheit geworden; manches brauche ich nicht mehr zu begreifen, was ich einst glaubte, begreifen zu müssen. Und morgen? Sieht es vielleicht schon wieder anders aus. Das Wesentliche aber ist, dass ich damit nicht fertig werde, denn das hält meinen Glauben und mich lebendig. Hoffentlich noch sehr lange.