Schon vergeben
Was trägt uns in eine gemeinsame Zukunft? Gemeinsame Prinzipien und Überzeugungen? Eher nicht. Vergebung schon.
Was trägt uns in eine gemeinsame Zukunft? Gemeinsame Prinzipien und Überzeugungen? Eher nicht. Vergebung schon.
Endlich: ein paar ruhige Minuten und eine Zeitung. Ich bleibe an einem Interview mit einer alternden Rockband hängen. Seit Jahrzehnten im Geschäft, immer noch gemeinsam. Wie schafft man das? Vergebung, sagt einer. Wir sind echt gut darin, einander zu vergeben. Wow, denke ich, DAS gehört auf Seite eins! Wie würde unsere Welt aussehen, eure Nachbarschaft, meine Familie – wenn wir alle gut in Vergebung wären? Wenn Vergebung cool wäre? Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Betet sich schnell runter. Aber machen? Ist ne ganz andere Nummer. Will ich meinem Chef oder meinem Kind das, was es mir gegenüber verbockt hat, wirklich nicht mehr vorwerfen, muss ich selbst stabil sein. Angedockt haben in einem sicheren Hafen, der mir die Kraft dafür gibt. Und heilt, was in mir verletzt ist. Ich kann leichter vergeben, wenn ich daran denke: Gott hat mir längst vergeben. Nicht nur ein bisschen, alles, was ich je verbocken kann! Es ist weg. Einfach, weil Gott liebt. Mich, euch, die ganze Welt. Mich macht das immer wieder leicht, frei und stark. Wenn mein Kind seine schlechte Laune an mir auslässt, mein Auto zugeparkt ist und mir einer im Supermarkt das letzte Mehl vor der Nase wegschnappt. Dann übe ich zu vergeben.
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Es gibt ganz schwierige Fälle für Vergebung:
– Der/die andere handelt in böser und zerstörerischer Absicht ganz bewusst.
– Der andere stuft Dich als schwach ein oder macht sich über Dich lustig oder nimmt die Würde des anderen weg.
– Der andere / die andere ist eigentlich jemand, der Dich unter normalen Umständen lieben und ehr-würdigen müsste (Arbeitgeber, Lebenspartner, Nachbar, Politiker in Leitungsfunktion Dir gegenüber, Angestellte/er bei Gericht) und sie tut es aber bewusst nicht, um Dich klein zu machen oder Dich sogar in Richtung Tod zu karren.
– politisch fanatisierte Gegner
– religiös fanatisierte Gegner
Deren Nachteil ist: Treffen sie auf Ihresgleichen als Feind, wird es richtig gefährlich für sie. Gott greift auch irgendwann helfend (oder sogar strafend) ein!
Es gibt 4 einfache Fälle für Schuldvergebung:
– Die Schuld des anderen hatte kaum Auswirkung auf irgendetwas.
– Der andere bittet um Schuldvergebung und ist sich seiner Missetat bewusst und bereut sie.
– Es ist eine imaginäre Schuld, die eigentlich nur aus gewissen Vorstellungen herauskommt (gesellschaftskonform ja/nein?, religionskonform ja/nein?, Grüppchendenken-konform?).
– Ich vergebe, was ich vorher falsch oder unfair vorgeworfen habe.
Wie lernen wir die schwierigen Fälle zu bewältigen? Kann man sie vorher lernen oder mich nur mental drauf vorbereiten? Kann ich die Fähigkeiten gegen die Angst beim Aufzug-Fahren, lernen, ohne Aufzug zu fahren (das als Beispiel)?