So ein Bart!
Alte Geschichten sind vor allem eins: alt. Oder auch nicht. Sie müssen mehr sein, sonst würden wir sie nicht wieder und wieder erzählen.
Alte Geschichten sind vor allem eins: alt. Oder auch nicht. Sie müssen mehr sein, sonst würden wir sie nicht wieder und wieder erzählen.
Manche Geschichten haben so einen Bart! Sie sind alt, tausend Mal erzählt und kommen doch bei jeder Gelegenheit wieder auf den Tisch. Sie beginnen meistens mit: „Weißt du noch?“ Ich treffe mich ein Mal im Jahr mit Freundinnen zu einem Mädels-Wochenende. Wir kennen uns seit Schulzeiten und haben viel gemeinsam erlebt und jedes Mal erzählen wir uns die gleichen Geschichten von früher. Wir lachen über die gleichen Dinge und werden nicht müde darin, uns gegenseitig zu bestätigen, dass das die coolste Geschichte der Klassenfahrt oder im Französischunterricht war. „Weißt du noch?“ „Klar, weiß ich noch!“ Und dann geht es los. Mit biblischen Geschichten geht es mir eigentlich genau so. Sie werden niemals langweilig, obwohl ich viele schon oft gehört habe. Ich entdecke immer wieder Neues in ihnen und staune immer wieder über die gleichen Dinge. Sie immer wieder zu lesen, zu erzählen, neu auszulegen, das macht sie mir nicht nur vertraut, sondern sie sprechen so immer wieder in mein Leben hier und jetzt hinein. Die Bibel wird lebendig und die Geschichten zu treuen Begleitern. Begleiter, die mir in manchen kniffligen Lebenssituationen ein guter Rat wurden.
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Ich hasse Folter.
Alte Geschichten.
Wenn ich davon höre, dass Menschen gefoltert werden oder Frauen gewaltsam missbraucht werden, schnürt es mir den Magen enger. Ich würde Menschen, die foltern am liebsten zur Strafe auch mal foltern (darf ich aber nicht, weil ich ein «lieber» Christ bin).
Jetzt am Sonntag bei der Lesung: Wenn er nicht vergibt (der Chef, der von seinem Chef total grosszügig Schuldenerlass bekam) so kommt er auf Gottes Anweisung in die Folterkammer und wird dort solange gefoltert, bis er seine Schuld abgetragen hat. Es wurde aber vorher schon so dargestellt, dass es unmöglich war, eine so hohe Schuld abzutragen.
Nun ungut. Man hört so ein Gleichnis, das direkt aus dem Mund Jesu (mit jedem Satzabschnitt) kommen soll, plötzlich von einer anderen Seite. Eine Bibelstelle, die das foltern befürwortet und als geeignete Massnahme durch unseren Gott angewiesen darstellt (zumindest als endresultierende Massnahme).
Was hat das mit dem Beitrag zu tun? Ich denke, dass die Erinnerungen, an die man sich mit einem superguten Freund immer wieder erinnert, auch immer gleich gedeutet werden. Im Beitrag geht’s natürlich um Lustiges und Unterhaltsames, nicht um so einen Folter-Scheiss. Man geht in den Gottesdienst und kann sich drauf verlassen: Bei der (schon 10x gehörten Geschichte) sind wir uns wieder in gleicher Weise einig. Das gibt den Menschen Stabilität und ein Gerüst.