Kampf in der Nacht
Kämpfen ist das Thema nach Ostern? Ach, nö. Bitte nicht. DOCH! Sie würden sonst verpassen, wie sich einer freut, weil er in der Not Gottes Hilfe erfahren hat und Sie würden nicht eine der tollsten Geschichten der Bibel hören.
Kämpfen ist das Thema nach Ostern? Ach, nö. Bitte nicht. DOCH! Sie würden sonst verpassen, wie sich einer freut, weil er in der Not Gottes Hilfe erfahren hat und Sie würden nicht eine der tollsten Geschichten der Bibel hören.
Wenn es so etwas wie Lieblingstexte gibt, dann ist das meiner. Ich liebe diese Geschichte von Jakob am Fluss Jabbok. Ich liebe diese mystische Atmosphäre, die Nacht, das Unbekannte, diesen Kampf um Leben und Tod, dieses Abringen von Gottes Segen. Ich liebe das, obwohl ich mich bei Nacht eher fürchte, Kämpfen jeglicher Art lieber aus dem Weg gehe und mir dieser Jakob nicht sympathisch ist. Immerhin hat er seinen Bruder betrogen, den Vater damit auch. Er ist tückisch und gemein. Ja und doch: es ist meine Lieblingsgeschichte.
Vielleicht, weil Kämpfe in der Nacht zwar furchtbar sind, aber zum Leben gehören. Vielleicht, weil hier dieser Kampf in der Nacht eben nicht mit einem durchgeschwitzten Pyjama, einem hohen Puls und mutloser Erschöpfung endet, sondern mit einem Sieg. Verletzt und gezeichnet, aber aufrecht und lebensfroh!
Vielleicht, weil der Kampf in der Nacht nicht inhaltsleer und sinnlos bleibt, sondern der Anfang von etwas ganz Neuem ist.
Vielleicht, weil der Kampf in der Nacht von einem Menschen geführt wird, der mir so unsympathisch ist, weil er mich an meine unsympathischen Seiten erinnert und er trotzdem von Gott gesegnet wird.
Diese Geschichte bietet wirklich alles.
Schön, und jetzt? Ich kann diese Geschichte ins Regal zu den guten Büchern stellen, immer mal wieder bewundern und stehen lassen oder ich kann sie mir dienlich machen. Sie nutzen. Denn diese Geschichte hat die Kraft mein Leben aufzuräumen und zwar so richtig. Nur will ich das? Wenn ja, dann hören Sie weiter.
Ob Jakob es wirklich gewollt hat, sein Leben aufzuräumen, in Ordnung zu bringen, ins Reine mit sich zu kommen, ich weiß es nicht. Vielleicht so ein bisschen. Immerhin ist er gerade auf dem Weg zu seinem Bruder, den er Jahre nicht mehr gesehen hat, weil er ihn eben betrogen hat. Klingt danach, dass er versucht Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Eines ist aber klar: in dieser Nacht holen ihn die Geister ein, die er rief. Auf seinem Weg zum Bruder, stellt sich Jakob das Leben in den Weg. Kämpfe! In der Nacht! Allein!
Wie gut kenne ich das! Ich ringe mit meinem Leben in der Nacht. Mit dem, was ich getan oder nicht getan habe. Mit dem, was andere getan haben oder nicht. Mit der Angst vor allem möglichen und unmöglichen. Ich ringe mit meinem Leben. Doch die Geschichte sagt mir: ich ringe mit Gott und wenn das so ist, dann heißt das, dass Gott Leben ist. Und wenn Gott am Ende den Kampf gewinnt, dann gewinnt das Leben. Doch der Weg dahin ist Ringen. Zwischendrin sieht es fast so aus, als würde Gott, das Leben also, verlieren. Nur in dem Jakob an der Hüfte verletzt wird gelingt der Sieg. Was für ein Bild!
Jakob verliert den Kampf verletzt und für immer gezeichnet, denn er wird für immer hinken und doch gewinnt das Leben, weil Gott gewinnt und Jakob ihm den Segen abgerungen hat. Am Ende des Kampfes steht ein neues, von Gott gesegnetes Leben. Ein Leben unter Gottes Segen heißt, ein Leben in dem ich erkenne, dass Gott barmherzig ist zu mir und ich mit anderen barmherzig umgehen kann. Ich kann mich allem, was ich verdrängt habe in meinem Leben stellen, weil ich gewiss sein darf, dass Gott mir das nicht zum Vorwurf macht, sondern mir hilft Wege zu finden, damit klar zu kommen. Das wird nicht nur mich verändern, sondern mein Miteinander mit anderen. Diese neue Perspektive auf mein Leben, wird mir neue Kräfte zu wachsen lassen, weil plötzlich Hoffnung besteht. Hoffnung, dass ich es doch schaffe, Dinge auszusprechen, die ich bislang nicht gewagt habe laut zu sagen. Hoffnung, dass ich nicht dort ende, wo ich mich in den Kämpfen der Nacht sehe, sondern neue Türen aufgehen, durch die ich gehen kann. Das Leben, mein Leben, wird wieder weit und bleibt nicht in der Enge meiner Gedanken stecken. Der Segen Gottes heißt, die Fülle des Lebens haben. Diese Geschichte von Jakob am Jabbok wird eine Woche nach Ostern erzählt, weil sie vom Leben erzählt. Von einem Leben unter neuen Voraussetzungen. Jakob bekommt in dieser Geschichte einen neuen Namen. Er muss nicht mehr der bleiben, der er war. Und der Ort, an dem der Kampf stattgefunden hat, bekommt einen Namen. Von hier aus geht Jakob in ein neues Leben. Jakobs Vergangenheit ist nicht ausgelöscht, auch nicht mit dem neuen Namen, aber ab jetzt wird die Vergangenheit in einem anderen Licht erscheinen, so dass auch die Zukunft in einem neuen Licht gestaltet werden kann. Jakob musste sich in dieser Nacht allem stellen und er hat sich gestellt, gekämpft, wurde verletzt und hat erkannt, dass man Gottes Segen nicht erschleichen kann, so wie er es getan hat, als er Vater und Bruder betrogen hat. Auch wenn in seinem Leben danach vieles gut verlief, holte diese Geschichte ihn ein. Jetzt war es Zeit sich zu stellen. Die Sache anzugehen. Für ein neues Leben zu kämpfen. Ein Leben unter Gottes und mit Gottes Segen.
Ich kann diese Geschichte hören, für gut halten und das war es dann.
Ich kann diese Geschichte aber auch zu meiner eigenen Geschichte machen. Wo stellt sich mir das Leben, Gott in die Quere und konfrontiert mich mit dem, was mein Leben behindert? Wo bin ich mit dem Leben, mit Gott nicht im Reinen? Hab Mut, meint die Geschichte. Stell dich, denn du kannst nur gewinnen. Ein neues, verändertes Leben.
Amen
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Guten Tag, Anja!
Der Name meines Wohnortes passt zu deinem heutigen Impuls.
War/ist ´ein starkes Stück´ – vielen Dank und Gottes Segen auch weiterhin!
Reiner