Verzeihen? Ich?
Verzeihen ist gut, klar. Aber warum soll ausgerechnet ich damit anfangen? Das muss ja wohl erstmal der andere.
Verzeihen ist gut, klar. Aber warum soll ausgerechnet ich damit anfangen? Das muss ja wohl erstmal der andere.
Muss ich das? Warum? Was habe davon? Diese Fragen schwirren sofort durch meinen Kopf, wenn ich lese, welcher besondere Tag letztens war: Tag des Verzeihens. Ich soll verzeihen. Na, danke. Der andere hat mich total verletzt und jetzt soll ICH verzeihen? Vielleicht sollte der sich erstmal bei mir entschuldigen, bevor ich verzeihe. Ist völlig normal, so zu denken. Wie du mir, so ich dir. Aber kommen wir so weiter? Ich glaube, nein. So verständlich das auch ist, aber so blockieren wir uns vor allem weiter und stehen unserem eigenen Frieden im Weg. Klar, Unfrieden mit dem Partner oder dem Kollegen kann man aushalten. Irgendwie. Aber macht das Spaß? Bringt das Lebensfreude? Mir nicht. Deshalb: Allein schon um meinetwillen ist es schlau, das Verzeihen auszuprobieren und den Schritt auf den anderen zu zu gehen. Ich mache mir meinen Frieden selber und nicht mehr davon abhängig, ob der andere sich gnädigerweise herablässt, sich bei mir zu entschuldigen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Ich stellte mal fest: Verzeihen tu ich wirklich dann nur, wenn es wirklich was zu verzeihen gibt, also der andere wirklich mir gegenüber einen wirklichen Fehler gemacht hat. In dem Moment ist «Verzeihen» wirklich eine echte Arbeit, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Die anderen Fälle sind oft ein «Verzeihen», das nur aus einem bestimmten Blickwinkel stattfindet. Beispiel-Aussage (beispielhaft): «Du hast mit dieser Äusserung meine Gefühlswelt angerührt und dummerweise das Gleiche gemacht wie meine Eltern, bzw. womit sie mich regelmässig verletzt haben.» Solche Sachen sind nicht richtiges Verzeihen, weil sie nur aus einem bestimmten Blickwinkel ein Vergehen waren. Solche Sachen kann man evtl. sogar durch «Perspektivwechsel» lösen, indem man einfach für das Gegenüber Verständnis aufbringt und sich sagt: Kann er/sie ja nicht wissen, was meine Eltern in mir für Empfindlichkeiten angelegt haben. Ich darf diesen Menschen nicht stellvertretend bestrafen für starke Emotionen, die dieser Mensch in mir ausgelöst hat. – als Beispiel für Verarbeitung.
Im Gegenzug wird in unserer komplexen Welt immer wichtiger, zu verstehen, wie destruktive Systeme arbeiten. Sie arbeiten nämlich nicht mit dem Thema Schuld, Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern mit Zermürbung.
Wie lerne ich, mich eben nicht von etwas zermürben zu lassen?
Wie lerne ich, meinen «wertvollen Charakter» nicht opfern zu müssen ans scheiss System?
Es ist auch wie ein Trick, die Bibel auszuhebeln, indem eigentlich nicht das zum Problem gemacht wird, das die Bibel behandelt, sondern einfach anders rangeht, subtiler. Ich unterscheide da in «böse» und «psychisch böse». Psychisch böse zu sein, ist so eine neue Variante, die immer mehr Menschen anwenden (z.B. jemandem am ausgestreckten Arm absichtlich verhungern lassen). Und bitte nicht falsch verstehen: Psychische Zustände sind damit nicht grundsätzlich böse. Es kann z.B. eine Überlastung sein, die einen psychisch schlechten Zustand erzeugt. So was «böse» zu nennen, wäre eine Entgleisung.