Foto: radio m, Anja Kieser

Alles schlecht! Alles!

Immer nur klagen. Gibt auch genug zum Klagen. Und wie sehen die Wege aus, die aus der Klage führen? Pastor Markus Bauder nimmt sich der Klage an.

Wochenspruch  – Joh 1, 16

Psalmgebet – Ps 15, 1-8

Predigttext  – Jer 14, 1-9

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Wenn es Ihnen ein bisschen wie mir geht, dann hören Sie den Bibeltext und haben sofort Bilder vor Augen, in denen Dürre und Wasserknappheit zu sehen sind. Sterbende Pflanzen und Tiere. Böden mit breiten Rissen. Rationierung von Wasser. Ein Thema, das seit etlichen Jahren immer mehr ins Bewusstsein rückt. Allgemein: die Klimakrise. Es gibt Gegenden, sogar in Deutschland, die vertrocknen. Da regnet es seit Jahren zu wenig. Die Grundwasserspiegel sinken. Nicht überall, aber z.B. im Norden und im Osten Deutschlands. In Europa vor allem in Spanien. Viel zu wenig Wasser. Auch in anderen Gegenden der Erde, im Iran z.B. und natürlich auch das andere. Tausende Tote durch Wirbelstürme, Sturmfluten und andere extreme Wetterereignisse. Vor Weihnachten in Thailand und Südostasien. Durch die steigenden Temperaturen geraten Berge ins Rutschen und Städte, die auf Permafrost gebaut sind, beginnen zu sinken.

In unserem Bibeltext werden die Dürre und Wasserknappheit in den Zusammenhang von Sünde gerückt. Ich will und kann das einfach so übernehmen. Nicht im Sinne einer Strafe, als ob Gott irgendein Fehlverhalten nun mit Dürre bestraft, sondern dass unser Fehlverhalten Dürre und extreme Wetterereignisse mit verursachen. Wer will das heute auch noch ernsthaft bestreiten? Wir ernten, was wir säen. Wir heizen unseren Planeten auf, verbrauchen und verbrennen auf ewig Ressourcen, die es halt nur im Einwegverfahren gibt und vermüllen ihn. Und jetzt müssen wir die Folgen unseres Fehlverhaltens tragen und mit ihnen leben. Das Schlimme, aber das sehen wir auch schon in unserem Bibeltext, ist, dass in das Leiden viele einbezogen sind, die gar nichts dafürkönnen und letztlich unschuldig sind. Im Bibeltext leiden und verenden letztlich auch die Tiere durch die Schuld und die Sünde des Menschen. Sie, die Schöpfung kann nichts dafür, ist unschuldig, aber mitbetroffen. In unserer Welt leiden sehr viele Menschen und Gegenden unter der Klimakrise, die gar nichts dafürkönnen. Die auch gar keinen Beitrag zur Erhitzung und Verschmutzung unserer Erde leisten. Und ausgerechnet wir, die Wohlhabenden und Reichen müssen die Folgen unseres Handelns eher wenig tragen. Können uns – noch – freikaufen.

Es ist immer so, sagt die Bibel und unsere Erfahrung, dass durch das Versagen und die Schuld des Menschen auch viele betroffen sind, die gar nichts dafürkönnen.

Es ist schade, dass wir unseren Text nicht in hebräisch lesen und hören können, denn dann würde uns auffallen, dass ganz viele Begriffe im hebräischen doppeldeutig sind. Vertrocknen und trauern z.B. sind dieselben Worte im Hebräischen oder Hoffnung und Quelle, Wasserfülle. Verwelken und verzweifeln ist im Hebräischen dasselbe Wort. Die Idee, dass die Wasserthematik auch etwas mit menschlichen, existentiellen Erfahrungen zu tun hat, ist auf jeden Fall mitgedacht und gewollt. Und im Alten Testament an vielen Stellen zu finden. Gericht und Strafe Gottes bedeuten häufig, dass wir Menschen mit den Folgen unseres Handelns leben müssen. Nicht nur, wenn es um das Klima geht. Andere Beispiele sind Gerechtigkeit oder der Schutz der Schwachen und Schutzbefohlenen. Auch hier ist die Folge von Schuld häufig das Leiden vieler. Auch solcher, die gar nicht direkt betroffen sind.

Unser Text endet mit dem Hilferuf an Gott: Verlass uns nicht! Das ist, wenn man so will, der Lichtblick unseres Textes. Wenn wir diesen Hilferuf dann auch noch mit dem Weihnachten in Verbindung bringen, das wir vor vier Wochen gefeiert haben, eröffnet sich eine neue Perspektive. Mit dem Kommen Jesu in diese Welt. Wir können erkennen – anders als die Menschen zur Zeit Jeremias – Gott hat uns tatsächlich nicht verlassen. Er teilt unser Leben, unser Leiden, unsere Erfahrungen. Und wir können versuchen umzukehren. Mit seiner Kraft und seiner Begleitung. Wir können versuchen, neue Wege zu finden, die besser sind als die, die uns schuldig gemacht haben. Wir können es tatsächlich versuchen. Das ist die Gnade. Dass wir die Chance haben, es besser zu machen.

Und ich wünsche mir sehr – für mich und alle, die mit mir auf dieser Erde unterwegs sind – dass wir diese Chance ergreifen. Dass wir es besser machen. Damit sich die Dürre und Verzweiflung in Quelle und Hoffnung wandeln. Dass in betrübte Augen wieder neues Leben einkehrt.

Das schaffe ich natürlich nicht allein. Das geht nur, wenn viele, wenn möglichst alle mitmachen. Sind Sie mit mir dabei?