Foto: erstellt durch KI, Vibe

Aus mit Fische fischen

Vorbei mit dem alten Leben. Aufbruch in ein neues Leben. Das braucht Zuspruch. Den gibt es heute bei uns.

Wochenspruch  – Eph 2, 8

Psalmgebet – Ps 73, 1-3.8-10.23-26

Predigttext   – Lk 5, 1-11

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ist es eine Wundergeschichte oder eine Berufungsgeschichte, die wir gerade gehört haben? Gegen den Verstand am helllichten Tag hinausgefahren auf den See und dann den großen Fang gemacht. Gegen den Verstand alles liegen gelassen und Jesus gefolgt, um mit ihm Menschen zu fischen nicht mehr Fische. Eine neue Berufung. Eine neue Aufgabe für Simon Petrus. Wunder oder Berufung? Wahrscheinlich beides. Für mich allerdings ist etwas anderes Entscheidend: das Erschrecken.

Petrus ist einfach nur erschrocken. Alles fängt harmlos an. Die Fischer säubern ihre Netze, schauen, ob sie intakt sind. Der Tag zieht auf und die Nacht und der frühe Morgen haben keine Fische gebracht. So ist das manchmal. Umsonst rausgefahren. Jetzt wieder alles richten für den Abend, wenn der nächste Versuch ansteht. Den Job erledigen, alle Handgriffe sitzen, normaler Alltag. Dann die erste kleine Abweichung von Normal. Jesus steigt in eines der Boote und bittet, ein bisschen rauszufahren. Denn Leute wollen hören, was er zu sagen hat. Es sind anscheinend viele, so viele, dass er vom Ufer des Sees aus sie besser erreichen kann. Ja, warum nicht? Ans Fischen ist gerade eh nicht zu denken. Also gut, rausfahren. Und dann: fertig geredet und der Vorschlag an Petrus: „Ach, fahr noch ein bisschen raus, dort wo es tief es und werft die Netze aus.“ Schräge Idee. Entspricht nicht dem Wissen übers Fischen. Die Fischer sollen auf die Idee eines Zimmermanns hören? Abwegig. Aber vielleicht ja auch nicht. Was werden sie gerade von Jesus gehört haben? Was hat er denn den Menschen erzählt? Vielleicht etwas, dass sie auf einen Zimmermann hören lässt. Sie haben ja nichts zu verlieren. Also wagen sie es. Und dann? Entsetzen!

Sie fangen was. Und was?! Unmengen? Fast reißen die Netze! Sie verteilen den Fang auf andere Boote. Es ist ein Wahnsinn!  – Und keine Freude. Entsetzen. Erschrecken. Weil ja eigentlich gar nicht sein kann, was sie da gerade erleben. Es ist ein Erschrecken, weil sie instinktiv spüren: Da ist etwas Größeres geschehen. Sie sind Zeugen eines Ereignisses, was außerhalb ihres Denkens liegt. Ja, ein Wunder, aber ein Wunder, eines von der Sorte, das nur dazu da ist, um zu zeigen, dass Gott alles in der Hand hält. Dass bei Gott alle Macht liegt. Es ist bei den Fischern ein Erschrecken in Demut. Der Erkenntnis, dass sie abhängig sind von Gottes Wort und nicht so selbstständig agieren können, wie sie es vielleicht gerne hätten.  Sie sind Zeugen von etwas ganz Großem. So groß, dass es ihnen und allen voran Petrus Angst macht. In dieses Erschrecken hinein sagt Jesus: „Fürchte dich nicht!“ Im Sinne von: Alles ist gut. Es ist eine Zusage und kein Vorwurf. Jesus nimmt dem Schrecken den Schrecken. Und er gibt dem Geschehen eine neue Wendung: Fische fischen war einmal. Ab jetzt werden Menschen gefischt. Jesus braucht Petrus für seine Pläne. Ab jetzt wird die Geschichte des Erschreckens neu erzählt.

Jetzt erzählt sie davon, dass Gott einen Plan hat. Und Jesus wird aktiv.  Jesus spricht die Fischer an. Euer Boot, euch brauche ich. Dabei kennt er die Grenzen dieser Menschen. Sie haben nichts gefangen, sie sind vielleicht müde, machen den Job, der dran ist. Jesus braucht sie und sagt zugleich: Mir könnt ihr vertrauen gegen alle Vernunft. Bei mir ist mehr drin. Mehr als du dir vorstellen kannst. Jesus sagt es und es wird real. Da ist sie, die unbeschreibliche Menge an Fischen.

Dann bekommt die Geschichte eine weitere Ebene. Gott geht voran. Ruft auf zu einem neuen Weg, aber hinzukommt jetzt, dass die Fischer, Petrus, sich rufen lassen. Gleich zwei Mal. Das erste Mal, als er rausfährt, obwohl er als Fischer weiß, dass um diese Zeit, an dieser Stelle des Sees niemals ein Fisch ins Netz gehen wird. Und ein zweites Mal, als Jesus ihm sagt, dass er ab jetzt einen neuen Job hat: Menschenfischen. Da ist die Bereitschaft zu vertrauen und da ist die Bereitschaft loszulassen: Sicherheiten, Routinen, Gewohntes, Alltag. Da ist die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu zulassen; das Eingeständnis, dass menschliche Sicherheiten und Wissen begrenzt sind. Demut und Offenheit kommen zusammen.

Der Text heute erinnert mich daran, dass ich wach bleibe, wenn neue Wege warten. Wenn Gott mich für seine Pläne braucht, wenn ein neuer Lebensweg wartet. Das neue kann auf leisen Sohlen kommen, unscheinbar, an einem frühen Morgen nach einer langen Nacht, die schwer war. Es kann harmlos beginnen und es kann mich dann erschrecken. Dann, wenn ich merke, ich bin nicht so unabhängig wie ich denke. Meine Selbständigkeit ist begrenzt. Es lohnt sich meinen Leben nicht von meiner Leistung, von mir selbst abhängig zu machen, sondern von Gott. Deshalb kann ich Vertrauen gegen alles Wissen. Der neue Lebensplan, der neue Lebensweg ist vielleicht auch steinig, aber kleine Schritte genügen. I—ch darf auch scheitern, weil Jesus mich trotz meiner Begrenztheit in seinem Team haben will. Und das alles lohnt sich. Nicht wegen der dicken Fische, sondern weil Jesus die ganze Zeit bei mir ist auf meinem Weg und immer wieder sagt: Fürchte dich nicht. Nicht als Anklage. Als Zuspruch. Denn ohne den geht nichts. Gar nichts im Leben. Und den kann ich mir nicht selbst geben.

Also erschrecke nicht. Du spielst im Team Jesus. Er braucht dich da, wo du bist und ruft dich dorthin, wo du morgen gebraucht wirst. Mit diesem Zuspruch kannst du jeden Tag neu deine Netze auswerfen. Amen